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Das Webpgr-Team im Coworking-Space Runway in San Francisco

Ein Beitrag von Thomas Handorf, Mitgründer und CEO von Webpgr. Das Berliner Startup, das einen Editor für interaktive Websites entwickelt hat, gehört zu den zwölf Startups, die seit Juli mit dem German Accelerator im Silicon Valley sind. Für Gründerszene berichtet Handorf von seinen Erfahrungen. Im ersten Teil ging es um den Status Quo seines Startups vor der Abreise sowie die Erwartungen, die an die Zeit im Valley geknüpft waren. Im zweiten Teil wird nun eine erste Zwischenbilanz gezogen.

Zeit für ein erstes Resümee

Nach den ersten Wochen im Valley ist es Zeit für ein erstes Resümee. Anfangsschwierigkeiten wie die Logistik sind in geregelte Bahnen überführt. Außerdem haben wir einiges gelernt – in Bezug darauf, wie man im Valley kommuniziert, wie man pitcht und wie wir unser Produkt für unsere Kunden noch besser machen können.

Es geht los

Nach einer sehr viel längeren als geplanten Reise komme ich endlich (um Mitternacht) in meinem Airbnb-Zimmer an. Hier bleibe ich eine Nacht, um dann in ein günstigeres Zimmer umzuziehen. Günstig? Bei über 1.000 Euro pro Monat für ein etwas verranztes WG-Zimmer ohne Schreibtisch am äußersten Rand von San Francisco muss ich schon etwas schlucken. Ich wohne direkt am Zoo. Es fährt eine Metrobahn in die Stadt, die zirka 40 Minuten nach Downtown braucht, wo unser San-Francisco-Office ist. Nach Palo Alto, dem Hauptsitz des German Accelerator (GA), sind es knapp zwei Stunden, so dass wir hauptsächlich vom Downtown-Office aus arbeiten werden.

Bootcamp

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Das Bootcamp des GA beginnt am Montag in Palo Alto. Während meine Unterkunft auf der Westseite von San Francisco meist im Nebel bei chilligen 16 bis 20 Grad liegt, ist es in Palo Alto schön warm und sonnig. Hier wird uns nun in mehreren Kursen erklärt, wie das Valley funktioniert. Zum Beispiel, dass es hier kein „Nein“ gibt, sondern nur ein „I’ll get back to you“, oder dass „Failure“ hier genauso schlecht ankommt wie in Deutschland. Nur sieht man über „Failure“ viel schneller hinweg, wenn man zeigen kann, dass man wirklich was geleistet hat.

Auch bewerten Investoren hier anders. Ob ein Startup innerhalb von zwei Jahren profitabel ein bis zwei Millionen Umsatz machen kann, interessiert hier niemanden wirklich. Wichtiger ist die Vision, einen Milliardenmarkt umkrempeln zu können. Das heißt aber nicht, dass hier in Luftschlösser investiert wird. Die Latte liegt eher höher. Es gilt zu „beweisen“, dass in der aktuellen Marktlage das Team mit der Technologie quasi „notwendigerweise“ dieses Ziel erreicht. Die Investoren müssen nur noch das nötige Kleingeld beisteuern.

Am letzten Tag der Bootcamp-Woche lernen wir auch den „Runway“ kennen, einen sehr populären Co-Working-Space direkt unter den Twitter-Büros mitten in San Francisco. Es ist hier etwas hektisch, aber sehr kommunikativ, was sich später noch als sehr nützlich erweisen wird.

Mentoring

In der zweiten Woche dürfen wir, wie auch die anderen GA-Startups, vor den versammelten Mentoren des GA pitchen. Wir sprechen dazu mit unserem Leadmentor Eric, der unseren Pitch ordentlich in Richtung Silicon Valley biegt. Unser Vortrag läuft dann auch recht gut und unsere Ziele für das Programm werden definiert und abgesegnet. Natürlich bleibt noch Raum für Verbesserungen, den wir dann bis zum Ende des Programms füllen können. Dann werden wir unseren finalen Pitch auf der GA-Graduation-Feier vorstellen dürfen.

Mit unserem zweiten Mentor Geoff gehen wir unser erstes Ziel an: Costumer Development in den USA. Wir werden über das Netzwerk des GA direkt mit verschiedenen Designprofessionals namhafter Brands verbunden. Wir können unser Produkt vorstellen und bekommen First-Hand-Feedback. Unser Mentor ist bei einigen Interviews mit dabei, um unseren Customer-Pitch zu optimieren.

Auch im Runway lassen wir keine Gelegenheit aus, mit den Designern der rund 80 Startups unsere Ideen und Problemchen zu diskutieren. So bekommen wir schnell einen Überblick, welche Dinge schon recht rund laufen und wo wir noch nachbessern müssen.

Netzwerken im Valley

Unser zweites Ziel ist das Netzwerken im Valley und natürlich das Eintauchen in die hiesige Startup-Szene. Wer will, kann hier jeden Abend auf irgendein Event gehen. Wir nehmen nicht alle mit und entscheiden uns fürs Startup Grind, die Techcrunch Summer Party, einen TechMixer und ein paar Firmenparties wie zum Beispiel von Prezi und Famo.us.

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Auch wenn sich die Szene in Berlin der des Valleys in diesem Bezug nähert, sind die Events hier doch noch deutlich kommunikativer. Jeder spricht hier jeden an. Dann wird sofort abgecheckt, was der andere macht und wenn sich herausstellt, dass der Überlapp nicht riesig ist, heißt es dann: „Nice to meet you“ oder „Let me give you my card“. So hat die Visitenkarte im Zeitalter von LinkedIn doch noch einen Sinn, und man kann eine Unterhaltung beenden, ohne jemanden komplett vor den Kopf zu stoßen. Dieses rabiate Netzwerken ist aber durchaus positiv zu sehen und gibt einem die Chance, auf einer großen Netzwerkparty die für einen selbst interessanten Kontakte zu finden.

Fazit zur Halbzeit

Insgesamt haben wir sehr positives Feedback erhalten, allerdings auch einiges an Hausaufgaben aufbekommen. Sich allein auf den Prezi-Effekt zu verlassen reicht nicht, und damit Designer richtig gut Webseiten erstellen können, müssen noch einige Komfortfunktionen nachgeliefert werden. Das werden wir in den folgenden Wochen angehen.

Der German Accelerator ist übrigens erneut auf der Suche nach den innovativsten Startups aus Deutschland. Wenn es euch ebenfalls auf den größten Wachstumsmarkt der Tech-Branche zieht, könnt ihr euch noch bis heute (27. August) für das Mentoren-Programm in New York City oder Palo Alto und San Francisco bewerben.

Bild: Webpgr