Glückliche Gewinner: Diese Gründer gehen mit dem German Accelerator 2014 in die USA

Ein Beitrag von Thomas Handorf, Mitgründer und CEO von Webpgr. Das Berliner Startup, das einen Editor für interaktive Websites entwickelt hat, gehört zu den zwölf Startups, die seit Juli mit dem German Accelerator im Silicon Valley sind. Für Gründerszene berichtet Handorf von seinen Erfahrungen. Im ersten Teil geht es um den Status Quo seines Startups vor der Abreise, um die Erwartungen, die an die Zeit im Valley geknüpft sind, und darum, was es zu beachten gilt, wenn man ein Berliner Unternehmen von der Westküste der USA aus weiterführen will.

Pitchen perfektionieren im Silicon Valley

Eines der Dinge, die ich auf meinem ersten Startup-Treffen gelernt habe, ist der Satz „Always be pitching“. Seine Idee und sein Startup möglichst vielen und vor allem den richtigen Leuten unter die Nase zu reiben, ist definitiv eine der wichtigsten Fähigkeiten, die man als Gründer mitbringen muss. Und wo kann man dies besser lernen und perfektionieren als im Silicon Valley, der Geburtsstätte des Startups von heute?

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Nach neun Monaten Exist-Gründerstipendium und mehreren Iterationen mit unseren Testnutzern, der Firmengründung im Februar und vielen Gesprächen und Pitches auf einschlägigen Netzwerkevents haben wir unser Minimum Viable Product. Zumindest denken wir das. Unsere Nutzer können mit Webpgr Webseiten bauen – mit einem lebendigen Navigationskonzept und so einfach zu erstellen wie Folien in Powerpoint.

Obwohl noch nicht gelauncht, haben inzwischen mehrere tausend Leute unsere Webseite gefunden und mehrere hundert sich in die Liste für unsere Beta eingetragen. Wir haben Usability-Tests in unserem Büro durchgeführt und lange E-Mail-Konversationen mit Beta-Nutzern auf der ganzen Welt geführt. Tausende HTML-Objekte wurden über Webseiten geschoben und einige Nutzer haben bereits fertige Seiten erstellt. Werden nun die Kunden in Scharen kommen, wenn wir unser Produkt offiziell launchen? Werden wir jetzt ordentlich Geld in Online-Werbung stecken müssen? Wissen wir wirklich, dass Kunden unser Produkt kaufen – nur durch das Feedback unserer Testnutzer?

Eher nicht. Zunächst müssen wir herausfinden, ob eine relevante Zahl von Kunden für unser Produkt Geld ausgeben wird. Um es mit Steve Blanks Worten zu sagen: „How big is it really?“ Das heißt, der nächste Schritt ist Customer Development and Validation – und zwar mit Nutzern, die uns nicht kennen und mit einem klaren Preismodell im Hintergrund.

Warum die USA?

Also ran an die Gruppe der experimentierfreudigen Early Adopter, die für einen klaren, über alles bisherige hinausgehenden Nutzen notfalls auch mit ein paar Kinderkrankheiten kämpfen. Und wie findet man die? Hmm… gar nicht so einfach. Aber halt, heißt es nicht, dass Nutzer in den USA generell risikofreudiger sind und auch schneller mal ihre Geldbörse für neue Produkte zücken? Nun sollte man nicht alles immer für bare Münze nehmen, was man so hört. Doch ein Blick auf unser Google Analytics zeigt, dass die Conversion Rate für das Beta-Signup bei US-Nutzern schlicht doppelt so hoch ist wie in Deutschland. Also ist doch was dran?!

Zudem können wir mit einem Produkt wie dem unseren einen Riesenmarkt wie den US-Markt nicht für längere Zeit links liegen lassen. Und da wir uns derzeit in der Validierungsphase befinden, müssen wir auch erst einmal nicht die Kosten zweier Markteintritte mit lokalisierten Marketingkampagnen fürchten. So passt es uns sehr gut, als Anfang Mai die Zusage für den German Accelerator kommt, mit dem wir diesen Sommer den US-Markt erkunden.

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Was wollen wir hier eigentlich?

Unser erstes Ziel ist, wie bereits gesagt, Customer Development und Validation. Der German Accelerator wird uns einen Mentor zur Seite stellen und einige Experten aus ausgewählten Bereichen wie Vertrieb oder Marketing. Wenn unser Produkt gut ankommt bei den US-Kunden, werden wir gegen Ende der Zeit auch eine Crowdfunding-Kampagne in Betracht ziehen. Außerdem wollen wir die Zeit nutzen, um in Kontakt mit Mozilla, Google oder Apple zu treten und Eigenheiten unserer Plattform auf diversen Browsern zu diskutieren.

Natürlich möchten wir auch wissen, wie das Valley so tickt und in die dortige Startup-Szene eintauchen. Also stehen Besuche bei den Pitchforces, StartupGrinds und TechMixers an. Und natürlich wollen wir erfahren, was Investoren im Valley erwarten. Für später mal.

Auf geht’s!

Die Flüge und die erste Unterkunft sind gebucht, die Ziele definiert und die Buchhaltung ist abgegeben. Das Team in Deutschland ist instruiert und Meetings werden ab demnächst auf 18 Uhr MESZ beziehungsweise 9 Uhr PDT verlegt, per Videochat und alle ein bis zwei Tage.

In der ersten Woche werden wir gleich ins Bootcamp gehen, wo man uns insbesondere die Unterschiede im Netzwerken, Präsentieren, Teambuilding und Verkaufen zwischen hier und dem Valley erklären wird. Mit diesen Erfahrungen werden wir dann die ersten Termine mit Kunden und Partnern ausmachen. Das geht dort auch eher schnell und unkompliziert. Ein paar lose Verabredungen haben wir aber jetzt schon. Also auf geht’s!

Bild: German Accelerator