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Sebastian (links) und Edin von Wechselwild

Den Schluss meistern sie noch gemeinsam. Edin Zekanovic und Sebastian Schäder sitzen nebeneinander vor der Webcam und erzählen über Skype von dem Unternehmen, das sie fünf Jahre zusammen aufgebaut haben und nun abwickeln.

Eigentlich war es mal ein Uniprojekt: Während seines Designstudiums in Würzburg entwickelte Sebastian einen Gürtel mit einer ungewöhnlichen Schnalle. Darauf passten Motive, die man selbst designt hatte. Das Prinzip dahinter: Die Motive sind magnetisch, sie halten auf der Schnalle. Den Gürtel kaufen die Kunden einmal, die Designs mehrfach, um sie an das tägliche Outfit anzupassen. Aus der Seminararbeit über den Gürtel wurde eine Diplomarbeit. Und schnell beschäftigte sich auch Kumpel Edin, der zu der Zeit BWL studierte, mit dem Thema. Die beiden kannten sich vom Praxissemester bei der Werbeagentur Jung von Matt.

2010 gründeten sie die Firma Wechselwild. Der Gürtel war ihr erstes Produkt. Schmuck, Mützen und Kühlschrankmagnete folgten. Alle mit austauschbaren Motiven, die entweder von Designern stammten oder die Kunden selbst entwerfen konnten. 2013 sammelten sie auf der Crowdfunding-Plattform Startnext knapp 9.500 Euro von mehr als 300 Unterstützern ein – mehr als sie eigentlich angestrebt hatten. Doch der große Erfolg blieb danach aus, heute suchen die beiden einen Nachfolger.

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Edin, Sebastian: Warum wollt Ihr Euer Unternehmen aufgeben? 

Sebastian: „Vom Konzept her sind wir noch heute überzeugt. Nur die Ausdauer ist am Ende. Das Problem ist, dass wir nicht nur ein Produkt vertreiben, sondern das auf einer komplexen Plattform tun. Kunden können dort ihre eigenen Designs kreieren, Designer ihre Services anbieten.“

Edin: „Dazu kommt, dass Schmuck eine Menge Probleme bringt, beispielsweise was die Passgenauigkeit anbelangt, die muss hundertprozentig stimmen. Es dauerte eine Weile, bis wir eine kleine Schmuckgießerei fanden, die den Gürtel in geringer Stückzahl zu einem halbwegs bezahlbaren Preis herstellen konnte. Aber deren Verschleiß bei den Werkzeugen war zu hoch. Danach stiegen wir auf technische Produktion um und mussten dafür Werkzeuge kaufen, was auch ziemlich teuer war.“

Sebastian: „Außerdem sind Gürtel ein undankbares Produkt. Da ist der Bedarf nicht so riesig. Die meisten Kunden kaufen bei uns, weil sie die Idee mit den austauschbaren Motiven gut finden – und nicht, weil sie unbedingt einen Gürtel brauchen. Die Leute kommen nicht von selbst, man muss sie erstmal auf das Produkt aufmerksam machen.Wenn man das allerdings tut, sind sie begeistert, dann haben sie Spaß daran.“

Wer ist Eure Zielgruppe?

Edin: „Vom Golfklub-Mitglied, über den Biker bis hin zum Teenager. Das war eine Chance für uns, aber auch ein Dilemma, weil man keine spitze Zielgruppe hatte, die man konkret ansprechen konnte.“ 

Sebastian: „Weitaus schlimmer waren aber die Schwierigkeiten, die wir mit unserer Webseite hatten. Das war das Hauptproblem. Wir hatten kein funktionierendes Commerce-System, mit dem man richtig arbeiten konnte.“

Habt Ihr Werbung geschaltet?

Sebastian: „Wir haben mit viel Fleißarbeit PR gemacht, beispielsweise einige Blogger angeschrieben beziehungsweise später auch auf Instagram Influencer. Das mit den Bloggern hat gut funktioniert, mit den Instagram-Influencern nur mittel gut. Ab und zu haben wir mal auf Facebook einen Post mit fünf Euro gesponsert oder eine kleine Retargeting-Kampagne geschaltet, mehr nicht. Groß eingeschlagen ist da nichts. Wir hatten nicht das Know-How, da eine effiziente Kampagne zu fahren und alles zu analysieren.“

Warum habt ihr Euch die fehlende Expertise nicht von außen geholt?

Sebastian: „Wir hatten lange Zeit keinen Chef-Programmierer im Team. Dann haben wir als Gesellschafter ins Boot geholt, aber es wurde nicht besser. Er sagte uns, dass er die Plattform für einen wichtigen Investorentermin fertigstellt. Das hat er nicht geschafft und uns dann auch noch kurz vor dem Weihnachtsgeschäft sitzen lassen.“

Edin: „Es dauerte Monate, bis er das Handtuch warf und wir wieder bei Null dastanden. Danach fanden wir eine Hamburger Programmierschmiede, die uns den Shop des vorherigen Entwicklers in vier Monaten fertigstellen wollte – bis die Leute dort schließlich merkten, dass er doch komplett neu gemacht werden muss. Das hat dann nochmal 1,5 Jahre gedauert.“

Wie habt Ihr Euch finanziell über Wasser gehalten?

Edin: „Unser Ziel war immer, am Ende des Jahres die Schwarze Null zu erreichen. Am Anfang konnten wir uns noch ein kleines Praktikantengehalt auszahlen – doch das lief dann auch aus. Das war schon heftig. Wir haben ja mittlerweile beide Nachwuchs bekommen und eine Familie zu ernähren.“ 

Sebastian: „Ich habe dann angefangen, mehr und mehr nebenbei als Designer zu arbeiten.“

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Und Du, Edin?

Edin: „Ich habe in meiner Heimat in Baden-Württemberg einen Kunden sitzen, für den ich nebenbei Fullllservice-Werbemaßnahmen übernehme. So halte ich mich über Wasser.“

Hat die Entscheidung auch etwas mit Eurer Familie zu tun?

Sebastian: „Sicher, die Situation war für alle belastend. Oft ist es ja so in Partnerschaften, dass wenn der eine viel arbeitet und eine Führungsposition hat, der andere nicht so viel ins Büro muss und sich mehr um das Kind kümmern kann. Aber was, wenn der Partner, der viel arbeitet, so gut wie kein Geld mit nach Hause bringt? Bei uns gab es Phasen, in denen wir überlegt haben, ob wir 15 Euro für einen Wasserkocher ausgeben können. Das war prägend.“

Edin: „Wenn man selbstständig ist, muss man sich bewusst Freiräume schaffen. Ich habe schon immer darauf geachtet, dass ich unseren Kleinen an zwei bis drei Abenden die Woche sehe, bevor er ins Bett geht. Danach habe ich knallhart weitergearbeitet.“

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