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Das Team von WeltSparen mit CEO Tamaz Georgadze (6. von links)

WeltSparen und die bulgarische Bankenkrise

Die aktuelle Bankenkrise in Bulgarien dürfte den meisten deutschen Anlegern keine Angst einjagen – gäbe es nicht Zinskonten-Vermittler wie etwa das Berliner Startup WeltSparen, die den Zugang zu Geldanlagen bei ausländischen Banken erleichtern und dafür auch auf bulgarische Banken setzen.

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Der dortige Bankenmarkt steht seit vergangenem Donnerstag Kopf, nachdem E-Mails und SMS in Umlauf geraten waren, in denen inzwischen verhaftete Personen zum Abzug von Geldern bei drei der größten Banken Bulgariens (Unicredit Bank, Fibank und Tokuda Bank) mit Verweis auf eine angebliche finanzielle Schieflage dieser Banken aufgerufen worden war. Binnen kürzester Zeit hoben Fibank-Kunden einen dreistelligen Millionenbetrag ab. Mit ähnlichen Problemen hatte zwei Wochen zuvor schon die bulgarische Corpbank zu kämpfen.

Noch am vergangenen Freitagnachmittag warb WeltSparen für Festgeld bei der bulgarischen Fibank zu 3,3 Prozent Zinsen – da war die Krise schon in vollem Gange. Der Aktienkurs der Fibank scheint sich mittlerweile zwar wieder zu erholen. Vom Tisch ist die Krise allerdings damit noch nicht. Und auch das Vertrauen der Anleger – in Fibank und WeltSparen – muss nun mühselig wieder aufgebaut werden.

Die Fibank ist eine von derzeit drei europäischen Partnerbanken von WeltSparen und zudem die erste Bank, mit der das Unternehmen gestartet war. Mittlerweile ist die Fibank allerdings aus dem Portfolio gewichen. WeltSparen wirbt daneben mit BES aus Portugal und der BN Bank aus Norwegen – und nur noch 2,0 Prozent Zinsen. Zukünftig sollen Angebote einer Direktbank aus Italien und einer „führenden britischen Bank“ mit bis zu 2,5 Prozent Zinsen folgen.

WeltSparen ging im Dezember 2013 online und ist eine Plattform für Festgeld-Angebote von europäischen Banken in Kooperation mit der deutschen Partnerbank MHB. Gründer des Portals ist Tamaz Georgadze. Sein Abitur macht er mit zwölf Jahren, anschließend studierte er VWL und Jura, und als er mit seiner Promotion begann, war er gerade 16, wie er gegenüber Gründerszene verriet.

Finanziell ausgestattet wurden das Berliner Startup erst vor zwei Wochen von Index Ventures mit 7,5 Millionen Euro. Die erste große Finanzierung konnte das junge Unternehmen bereits vor dem Launch, im März 2013, einsammeln. Die Gesamtkapitalisierung beläuft sich nach Unternehmensangaben auf zehn Millionen Euro.

Gründer Tamaz Georgadze im Interview zu den Hintergründen.

Tamaz, im Handelsblatt ist zu lesen, dass Ihr euer Fibank-Angebot erst fünf Stunden nach Bekanntwerden eines möglichen Bankenruns heruntergenommen habt. Warum so spät?

Wir haben das Angebot der Fibank auf Wunsch der Fibank von der Homepage heruntergenommen. Die Fibank selbst möchte sich nach Aussagen des Bankmanagements in der aktuellen Situation vollständig auf eine Beruhigung der Situation im Heimatmarkt konzentrieren und insbesondere das erhöhte Kundenaufkommen in Bulgarien schnell, entschlossen und mit dem gewohnten Service-Level bearbeiten. Daher ist es der Wunsch der Fibank, in der jetzigen Situation zunächst keine Neuanträge von deutschen Kunden entgegenzunehmen, bis sich die Situation am heimischen Markt vollständig normalisiert hat. Alle Kunden, die über uns den Wunsch einer Festgelderöffnung an die Fibank herangetragen haben, werden wir um Verständnis bitten.

Unser Abschlussprozess ist zweistufig und der eigentliche Festgeldabschluss erfolgt erst im gesicherten Onlinebanking, nicht bereits auf der öffentlichen Webseite. Alle Kunden, die bereits schon Donnerstag oder Freitag früh das Angebot ausgewählt haben, also deutlich vor dem Zeitraum, auf den sich das Handelsblatt bezieht und auch vor dem – wie das Handelsblatt formuliert – „Bekanntwerden des Runs“, sind auf Wunsch der Fibank zunächst aus den vorstehenden Gründen nicht mehr entgegengenommen worden. Es gibt folglich keinen einzigen Kunden, der das Angebot der Fibank im fraglichen Zeitraum abgeschlossen hat.

Wie viel Geld ist insgesamt über Euch in die Fibank geflossen?

Ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag.

Der Fibank geht es derzeit wieder besser, trotzdem erscheint sie derzeit nicht in Eurem Portfolio. Was bedeutet das für WeltSparen?

Das Pausieren des Angebots ist eine nach unserem Verständnis vorübergehende Maßnahme der Fibank. Wie lange es bis zu einer möglichen Wiederaufnahme des Angebots dauern wird, wissen wir noch nicht und ist auch abhängig von der Geschwindigkeit, mit der sich die Situation im bulgarischen Bankenmarkt nachhaltig normalisiert. Wir werden natürlich zeitnah und in enger Abstimmung mit den Verantwortlichen der Fibank die nächsten Schritte erörtern und sowohl unsere Kunden als auch Interessenten über das weitere Vorgehen informieren.

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WeltSparen versteht sich nicht als ein Produktvermittler für die Fibank sondern als Marktplatz für europäische Festgelder. Das heißt für uns, dass wir natürlich weiter alles daran setzen, deutschen Sparern den Zugang zu weiteren attraktiven Festgeldangeboten zu ermöglichen. Neben einer möglichen Wiederaufnahme des Fibank-Angebots sind wir dran, in den kommenden Wochen Banken aus Polen, Großbritannien und Italien über unsere Plattform deutschen Kunden zugänglich zu machen. Erst letzte Woche haben wir im Übrigen unseren neuesten Partner, die norwegische Direktbank BN Bank, auf unserer Plattform präsentieren können – und damit die erste norwegische Bank, die aktiv um deutsche Sparer für ihr Festgeldprodukt wirbt.

Was passiert, wenn sich die Fibank oder der bulgarische Bankenmarkt doch nicht erholen? Was passiert mit dem Geld Eurer Anleger? Müsst Ihr oder Eure deutsche Partnerbank für irgendetwas haften?

Die Fibank hat keine Anträge oberhalb der Sicherungsgrenze von 100.000 Euro je Kunde entgegengenommen, dies ist auch in den Geschäftsbedingungen der Fibank ausgeschlossen. Im Fall der Fälle eines möglichen Ausfalls – dies gilt im Übrigen nicht nur für die Fibank, sondern auch für andere innerhalb der EU abschließbare Festgelder – wären damit die Einlagen bis zum Gegenwert von 100.000 Euro je Kunde durch die bulgarische Einlagensicherung abgesichert.

Wie kommuniziert ihr diesen Sachverhalt gegenüber Euren Kunden?

Unser Kundenservice kommuniziert sehr eng und mit hohen Servicestandards mit unseren Kunden. Wir haben stets zeitnah, nach Verfügbarwerden von nachprüfbaren externen Informationen, die aktuellen Informationen auf unserer Homepage prominent und über die Startseite verlinkt veröffentlicht. Nachdem wir am Freitag Kenntnis über die Situation erlangt haben, haben wir kurzfristig die heute im Kundenservice aktive Mitarbeiteranzahl verdoppelt und haben über rund 250 Anfragen ohne jeden „Backlog“ abgearbeitet. Auch am Wochenende haben wir im Schichtbetrieb alle Kundenanfragen tagesgleich beantwortet, um jeden Kunden schnellstmöglich Auskunft zu etwaigen Rückfragen zu geben. Nachdem die Situation nun deutlich klarer auf externen Quellen beruhend beschreibbar ist, werden wir diese natürlich auch allen Kunden zur Verfügung stellen.

Bild: WeltSparen