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Knapp ein Viertel aller Venture-Deals wird heute mit Beteiligung von Corporate Venture Capital (CVC) geschlossen – ein Beweis für das starke Interesse von Konzernen an der Startup-Landschaft. Doch auch wenn inzwischen VC-Arme von Unternehmen aller möglichen Segmente den Kapitalmarkt bevölkern, scheint das Verständnis für die nötigen Voraussetzungen, die CVC zum Erfolg machen, häufig noch gering.

Genau hier setzt mein „Corporate Venture Capital Manual“ an, das detailliert Vorteile und Erfolgskriterien für die Umsetzung eines CVC aufzeigt und damit Orientierungshilfe für alle Unternehmen bieten soll, die einen VC-Fonds aufsetzen wollen oder es schon getan haben.

Von neuen Märkten und Geschäftsmodellen lernen

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An Vorteilen, die das Aufsetzen eines VC-Arms aus Unternehmenssicht bringen kann, mangelt es nicht: Neben finanziellen Renditepotenzialen kann ein Corporate einen CVC gezielt nutzen, um sich am Nukleus digitaler Innovation zu positionieren, von neuen Märkten und Geschäftsmodellen zu lernen, Research & Development zu betreiben und Restkapazitäten auszunutzen. Ein CVC kann zudem als Business-Development-Vehikel für einen Corporate dienen, in dem der CVC dabei hilft, Startups als Partner oder Kunden zu gewinnen und ein Ökosystem zu fördern, das den eigenen Absatz steigert.

Nicht zuletzt lässt sich der CVC als Zubringer für Mergers & Acquisitions nutzen: Das VC-Scouting kann spannende M&A-Kandidaten ausfindig machen. Mithilfe von Minderheitsbeteiligungen durch den CVC lassen sich M&A-Kandidaten optimal für eine spätere Mehrheitsübernahme prüfen. Die Folge: Reduktion von Risiken und bessere M&A-Deals.

Ein CVC kann dank eines mächtigen Konzerns im Rücken aber auch den Startups wichtige Vorzüge bieten: etablierte Branchen-Netzwerke, jahrelange Markterfahrung, Reichweite, Vertriebsunterstützung oder hochspezifische Infrastruktur.

Fragen, die jeder Investor beantworten muss

Doch trotz der vielfältigen Vorteile, die ein CVC für seine Corporate-Mutter und seine Portfolio-Startups bringen kann, wird CVC am Kapital- und Startup-Markt im Vergleich zu unabhängigen, klassischen VC-Fonds oft als minderwertig angesehen. Die Gründe hierfür sind vielfältig, konzentrieren sich aber vor allem darauf, dass der CVC oft nicht optimal aufgesetzt und ausreichend durchdacht ist. Die Erfahrung zeigt, dass folgende Fragestellungen zwar offensichtlich erscheinen, von vielen Corporates in der Euphorie und dem Tatendrang, im VC-Bereich tätig werden zu wollen, nicht ausreichend definiert und beantwortet werden:

  • Welches Mindset wird vom Corporate abverlangt, um einen CVC im agilen Startupumfeld sinnvoll managen zu können?
  • Was sind die genauen Ziele des CVC? Sind sie eher strategischer oder finanzieller Natur? Wie soll der CVC am Markt positioniert werden? Was sind die KPIs, anhand derer die Performance des CVCs gemessen werden soll?
  • Welche Investmenkriterien sollte der CVC haben?
  • Wie soll die Zusammenarbeit zwischen CVC und Corporate konkret aussehen?
  • Wie sollte das CVC Team idealerweise zusammengesetzt sein?

Immer wieder die Frage nach der Zielsetzung

Die Folge sind CVCs, die von Anfang an nicht ideal aufgestellt sind, eine schwammige Marktpositionierung haben, unter langen Entscheidungswegen leiden, sich an der Schnittstelle zum Corporate aufreiben und deshalb die Potenziale eines CVC nicht annähernd ausnutzen können. Neben einer wohlüberlegten Strategie und einem zielgerichteten Setup des CVC ist es ebenso erfolgsentscheidend, die definierte Strategie im laufenden Deal-Making zu implementieren.

Die strategischen Ziele eines CVC können nur erreicht werden, wenn sie bei jedem Deal nachgehalten werden. Hier setzt mein „Corporate Venture Capital Canvas“ an: Es dient CVCs als Framework, um vor jedem Deal zu definieren, was die konkreten strategischen Ziele sind, die durch ein Investment angestrebt werden, welche Priorisierung sie haben und mit welchen Maßnahmen die Erreichung der Ziele sichergestellt werden soll.

Welche Vorteile hat das Startup?

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Parallel dazu diszipliniert das Canvas auch dabei, vor jedem Investment zu prüfen, welche Vorteile dem Startup durch eine Zusammenarbeit mit einem Corporate geboten werden können. Das Canvas bietet damit auch eine Diskussionsgrundlage, um mit den Startups vorab zu besprechen, welche strategischen Ziele mit einem Investment verfolgt werden und welche Erwartung das Startup vom Corporate hat. Auch dies klingt trivial, wird in der Praxis aber von beiden Seiten gerne vernachlässigt. Zudem hilft das Canvas, die Ziele eines Investments kontinuierlich zu überprüfen und nachzuhalten.

Die theoretischen Vorteile eines CVC sind vielfältig – für den Corporate, seinen M&A-Erfolg und die Startups selbst. In der Praxis wird das Potenzial oft nicht annähernd gehoben. Umso wichtiger ist es für jeden Corporate, vor dem Aufsetzen eines CVC die richtigen Fragen zu stellen, sich über das erforderliche Mindset bewusst zu werden, ausreichend Gedanken in ein optimales Setup zu investieren, und schlussendlich sicherzustellen, dass durchgeführte Deals in die strategischen Ziele des CVC einzahlen.

Iskender Dirik ist Geschäftsführer bei Bauer Venture Partners, dem 100 Mio. Euro CVC Fund der Bauer Media Group, Europas führendem Magazinverlag und Radiohaus.

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