Bei der Vorstellung des Bezahlangebots noch im Einhorn-Fieber: SoundCloud-Gründer Alex Ljung und Eric Wahlforss

Bei der Vorstellung des Bezahlangebots noch im Einhorn-Fieber: SoundCloud-Gründer Alex Ljung und Eric Wahlforss

Update vom 6. Juli 2017: SoundCloud entlässt 173 seiner zuletzt 420 Mitarbeiter, wie Mitgründer Alex Ljung in einem Blogpost schreibt. Die Büros in San Francisco und London würden geschlossen, heißt es weiter, und die Aktivitäten in Berlin und New York gebündelt. Ziel sei es, Kosten einzusparen und das Unternehmen finanziell auf eine gesündere Basis zu stellen. Das Unternehmen zu verkaufen, dürfte Ljungs Worten nach keine Option (mehr) sein: Die Massenentlassungen dienten dem „langfristigen, unabhängigen Erfolg“, schreibt der SoundCloud-Gründer weiter.

SoundCloud ist eine riesige Plattform, daran besteht kein Zweifel. Mit mehr als 175 Millionen monatlich aktiven Nutzern wirbt der Musikstreamingdienst gerne, allerdings stammt diese Zahl aus dem Jahr 2014. Das sind immerhin mehr als beim Platzhirschen Spotify. Auf das, was sie erreicht haben, sind die Gründer Alex Ljung und Eric Wahlforss sehr stolz. Ein Unicorn hatte ihr Berliner Startup unbedingt sein sollen, wenn es nach ihnen ging, also mindestens eine Milliarde Dollar wert. 

Dass das nicht klappen wird, haben sich die Gründer bereits eingestehen müssen. Denn SoundCloud ist auch eine schwierige Plattform, zumindest in Sachen Geschäftsmodell: Von den vielen Millionen Nutzern bezahlen die allermeisten keinen Cent. Angaben zum Bezahlangebot macht das zehn Jahre alte Unternehmen nicht, sicher auch aus gutem Grund, denn viele werden es nicht sein. Dass die Investoren langsam ihre Returns sehen möchten, oder wenigstens ihr Investment wiederbekommen, daraus machen sie schon lange keinen Hehl. 200 Millionen Dollar haben sie in die Plattform gesteckt, nachlegen um den Geschäftsbetrieb zu finanzieren wollten sie nicht mehr, neue Geldgeber hatte SoundCloud vergeblich gesucht.

Während in Berlin nun bereits vereinzelt gemunkelt wird, ein Verkauf stehe unmittelbar bevor, präsentiert die New York Post den jüngsten Reigen an möglichen Übernahmekandidaten:

  • Deezer scheint zwar der wahrscheinlichste Übernahmekandidat. Dem zu Len Blavatnik’s Access Industries gehörenden Unternehmen würde die SoundCloud-Nutzerbasis endlich erlauben, sich deutlicher gegen das vorherrschende Spotify zu positionieren. Weil es nicht einfach sein wird, entsprechende Synergien auch umzusetzen, wird der französische Dienst aber nicht besonders tief in die Taschen greifen wollen. Auf Nachfrage von Gründerszene heißt es von Deezer lapidar, man kommentiere Gerüchte generell nicht.
  • Auch Apple könnte mit einer Übernahme in Summe der Nutzer endlich die Marktführerschaft beim Musikstreaming für sich beanspruchen. Und jeder weiß, wie gerne das Unternehmen aus Cupertino Marktführer ist. Apples Musikmanager Jimmy Iovine hatte in der Vergangenheit immer wieder einmal über die Plattform gesprochen. Die New York Post selbst aber will gehört haben, dass es sich bei den Übernahmegerüchten um „Fake News“ handle.
  • Das Private-Equity-Haus KKR hat sich gerade erst mit 250 Millionen Dollar am US-amerikanischen Musikdienst Pandora beteiligt, interessiere sich ganz offensichtlich für den Musikmarkt.
  • Google darf in der Kandidatenliste natürlich nicht fehlen, neu ist der Name allerdings nicht. So richtig ins Portfolio des Tech-Konzerns passen will SoundCloud allerdings nicht, dazu ist das Geschäftsmodell aufgrund der Vielzahl an Vertragsbeziehungen zu komplex, auch wenn Audio-Werbung natürlich für Google bei der Riesen-Reichweite der Plattform durchaus attraktiv wäre.

Übernahmegerüchte gab es in der jüngeren SoundCloud-Historie immer wieder. Twitter etwa soll vor einem Jahr interessiert gewesen sein, wollte aber offenbar die Milliarde nicht bezahlen. Letztendlich investierte der Kurznachrichtendienst 70 Millionen Dollar in die Musikplattform, der Firmenwert soll dabei bei 700 Millionen Dollar gelegen haben.

Kurz danach kam SoundCloud dann zusammen mit dem vielleicht offensichtlichsten Partner in die Schlagzeilen, und das bereits zum dritten Mal: Spotify. Ein paar Monate dauerte es, dann war auch diese erneute Liaison Geschichte. Während bei den ersten Versuchen ein Deal an den überhöhten Preisforderungen der SoundCloud-Gründer Alex Ljung und Eric Wahlforss gescheitert sein soll, standen nun offenbar die IPO-Pläne von Spotify im Weg: CEO Daniel Ek habe sich nicht mit den Kosten und komplizierten Lizenzverhandlungen einer SoundCloud-Übernahme belasten wollen, heißt es.

Als Verkaufsargument spielt dem Berliner Unternehmen derweil immer stärker in die Karten: Musikstreaming ist zur Commodity geworden, zum Alltagsgegenstand. Frische Titel gibt es bei Amazon Prime mit dazu, Spotify kommt mit dem Zeitungsabo, in den USA hat der Radiogigant iHeart Media – Reichweite: 250 Millionen Hörer – längst ein Spotify-Konkurrenzprodukt vorgestellt, und selbst Tesla soll derzeit einen eigenen Musikdienst aufbauen. Saturn, Mediamarkt, Tidal buhlen um die Kunden, eine Konsolidierung ist also sicher. Wer auch immer SoundCloud übernimmt, kauft sich einen großen Batzen vom Musikkuchen ein – allerdings einen, der nicht allzu gerne bezahlt.

Bild: Matthias Nareyek / Gettyimages