Whats Your Place

WhatsYourPlace: Von der Finanzkrise überrollt, von technischem Fortschritt überholt

Ob Eiffelturm, Lieblingsstrand oder das Nachbarsgrundstück: Auf der 2007 von Christian Weese und Tobias Lampe gegründeten Plattform WhatsYourPlace konnten Nutzer real existierende Orte virtuell kaufen – mit echtem Geld. Spätestens jetzt aber ist klar, dass der ursprüngliche Plan der Gründer, ein soziales Netzwerk der Erinnerungen zu kreieren, nicht aufgegangen ist. Schon seit mehreren Jahren hat sich bei WhatsYourPlace nicht mehr viel getan. Zum 1. August soll die Seite nun endgültig vom Netz gehen.

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„Obwohl das Projekt erfolgreich gestartet war, ist es uns am Ende nicht gelungen, ein wirtschaftlich nachhaltiges und tragfähiges Konzept dafür zu entwickeln“, erklärt WhatsYourPlace-Mitgründer Christian Weese im Gespräch mit Gründerszene. Kurz nach der Seed-Runde habe die Finanzkrise dem Unternehmen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Eine Anschlussfinanzierung kam nicht zustande, weswegen die technische Entwicklung stagniert sei: „Wir sind beide keine Programmierer und mussten entsprechendes Know-how extern einkaufen.“ Ohne weitere Finanzspritzen sei das aber nicht zu stemmen gewesen. Schon seit geraumer Zeit mussten die Gründer das Unternehmen daher in Eigenregie führen. Mit dem Aus von WhatsYourPlace wird auch die Betreibergesellschaft Value Maps aufgelöst.

Etwa zehn Euro kostete der Hektar Land, selbst der Handel mit dem digitalen Grund und Boden war möglich. Primärer Zweck des Online-Eigentums war aber die Darstellung nach außen. Mit Texten, Bildern oder Videos sollten die Nutzer dokumentieren, was sie mit den erworbenen Plätzen verbindet. „Diese besondere Beziehung zu einem Ort festzuhalten war die Idee hinter WhatsYourPlace“, sagt Weese. Mehr als 15.000 Hektar Land rund um den Globus hat die Plattform nach eigenen Angaben bislang an den Mann gebracht.

Dabei lieferte das Geschäftsmodell von WhatsYourPlace von Anfang an Zündstoff für Diskussionen. Die einen taten die Idee als Geldmacherei a lá Mondgrundstück-Verkauf ab, andere wollten im Konzept rechtliche Grauzonen entdeckt haben. Aufmerksamkeit erregte etwa der Kauf der Berliner SPD-Zentrale durch die Linkspartei oder die virtuelle Belagerung des Innenministeriums durch die Piraten vor der Bundestagswahl 2009. Beide Käufer hatten WhatsYourPlace als Protestplattform genutzt.

„Wir glauben weiterhin an unsere Idee“

Die Kombination aus sozialem Netzwerk für bedeutungsvolle Orte und dem Handel mit Grundstücken habe bis zu dem Punkt funktioniert, an dem der technische Fortschritt das Startup überholt habe, glaubt Weese. „Jeder hat einen Ort, mit dem er etwas besonderes verbindet, zu dem er eine einzigartige emotionale Beziehung hat – beispielsweise durch ein spezielles Erlebnis oder eine Erinnerung. Wir sind noch immer der Meinung, dass man diese Stationen sehr schön dokumentieren kann und glauben weiterhin an unsere Idee.“

Damit das Projekt nicht stirbt, sind die Gründer jetzt auf der Suche nach einem Nachfolger, der sich ihrer Idee annimmt. „In unserem Projekt steckt viel Herzblut und Leidenschaft. Vielleicht findet sich ja jemand, der die Plattform weiterbetreibt und das Potential hat, sie weiterzuentwickeln.“

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Bild: © panthermedia.net / Aleksandar Kosev