Blick auf das historische Umspannwerk an der Ohlauer Straße in Berlin-Kreuzberg

Im November hatte Google angekündigt, nach seinem Engagement bei der Berliner Factory einen eigenen Campus in Berlin eröffnen zu wollen. Im ehemaligen Umspannwerk an der Ohlauer Straße im Stadtteil Kreuzberg sollte auf 2.400 Quadratmetern ein neues Startup-Zentrum entstehen. Es wäre der siebte Standort von Googles Entrepreneurship-Programm weltweit, nach London, Warschau, Madrid, Sao Paulo, Seoul und Tel Aviv.

Nun durchkreuzt allerdings die Berliner Lokalpolitik die Pläne des Tech-Konzerns: Wie das Neue Deutschland berichtet, hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg den Bauantrag vorerst abgelehnt. Begründet wird dies mit dem Immissionsschutz (also den Auswirkungen auf Mensch und Umwelt) und der geplanten baulichen Dichte. „Befürchtet wird vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg unter anderem eine zu große Lärmbelästigung der Nachbarschaft durch Veranstaltungen“, erklärt Julian Schwarze, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg, der Zeitung.

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Außerdem stößt sich der Bezirk an dem Vorhaben, eine zusätzliche Etage in dem historischen Bau einzuziehen. Dadurch „wäre auch die für die Gegend festgelegte Geschossflächenzahl überschritten“, so Schwarze.

Google muss seine Pläne nun nachbessern. Man arbeite eng mit den zuständigen Behörden zusammen, „um die historischen Merkmale des Gebäudes nicht nur zu bewahren, sondern im Sinne des Projekts und der Umgebung hervorzuheben“, sagte Google-Sprecher Ralf Bremer der Zeitung.

Im betroffenen Stadtteil dürfte das Bezirksamt mit seiner Entscheidung für Zufriedenheit gesorgt haben. In den vergangenen Wochen hatte sich bereits eine Anti-Google-Initiative zusammengefunden. Die Kreuzberger Gentrifizierungsgegner von Bizim Kiez kritisieren die Google-Pläne ebenfalls: „Es wird also noch hipper für die mobile-verrückten und hemmungslos endsolidarisierten Disruptions-Jünger der New Economy hier in Kreuzberg zu leben und zu arbeiten“, sagt Magnus Hengge von der Initiative dem ND.

Bizim Kiez wendet sich auch gegen die Pläne des Modehändlers Zalando, der auf der umstrittenen Cuvry-Brache – die ebenfalls in Kreuzberg liegt – 34.000 Quadratmeter Bürofläche beziehen will. Zalando und Google würden „alles übernehmen wollen“, kritisiert Hengge. „Wir wollen aber die Gestaltungsmacht über die Stadt nicht in die Hände von Strategen ohne lokale Verankerung geben und werden uns wehren.“

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