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Sie wollen einem der erfolgreichsten Internet-Unternehmen der Welt Konkurrenz machen: Wimdu und 9flats ließen über Jahre anklingen, dass sie scharfe Wettbewerber für das erfolgreiche Wohnungsportal Airbnb aus San Francisco seien. Doch zahlreiche Entwicklungen machten den jungen Unternehmen das Leben schwer. So kämpften alle Player beispielsweise mit dem Zweckentfremdungsgesetz in Berlin, das vielen Wohnungseigentümern in der Hauptstadt verbietet, ihre Wohnung als Ferienunterkunft zu vermieten. 9flats verlegte seinen Unternehmenssitz nach Singapur, Wimdu ließ vor einigen Wochen etwa 60 seiner 250 Mitarbeiter gehen.

Nun schließen sich das 2011 von Rocket Internet gestartete Wimdu und das 2010 von Stephan Uhrenbacher gegründete 9flats zusammen, wie Wiwo Gründer zuerst berichtete. „Gemeinsam bilden wir eines der stärksten Unternehmen für die Vermittlung von Unterkünften im Internet“, sagte 9flats-Geschäftsführer Roman Bach, der das Unternehmen auch nach der Fusion führen wird, gegenüber dem Portal. Der rechtliche Sitz des Unternehmens wird in Singapur liegen, wo 9flats seinen Hauptsitz hat. Laut Bach sollen trotz der Fusion die „Struktur von Wimdu“ sowie beide Marken erhalten bleiben. Man wolle den Kurs von Wimdu aus dem vergangenen Jahr fortsetzen, sich profitabel aufzustellen.

Laut des Berichts bieten die beiden Player zusammen knapp 500.000 Unterkünfte an und wollen so jährlich einen Außenumsatz – Bach nennt es „Reiseumsatz“ – von 100 Millionen Euro erreichen.

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Allerdings scheint 9flats aktuell Probleme mit dem Management seines Geschäfts zu haben. Wie Der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, beschwerten sich dutzende Nutzer auf Facebook oder Trustpilot darüber, dass ihnen 9flats Geld schuldig geblieben sei. 9flats habe sie demnach wochenlang vertröstet, teilweise gar nicht geantwortet. 9flats-Chef Bach bezeichnet diese Nachricht gegenüber Gründerszene als „Old News“. Bach: „Das ist kein fundamentales Problem. Das sind Schwierigkeiten mit ein paar Social-Media-affinen Nutzern.“

Gegenüber Wiwo Gründer räumt Bach allerdings Fehler ein – und begründet die erhöhte Zahl an Streitfällen mit dem Umzug nach Singapur. „Wir haben das schlecht gemanaged, das ist mein Fehler und dafür kann ich mich nur entschuldigen“, sagt Bach. „Aber wir sind definitiv nicht pleite“. Insgesamt gehe es um eine fünfstellige Summe, 9flats wolle die offenen Fälle so schnell wie möglich abarbeiten.

Auch Rocket Internet ist mit seinem Wohnungsportal Wimdu klar hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Auf das mit 90 Millionen US-Dollar finanzierte Venture schrieb Rocket im Jahr 2015 fast neun Millionen Euro ab, wie aus den Rocket-Bilanzen hervorgeht. Auch Nestpick, ein Vermittler für längerfristige Mieten, schrumpfte stark. Im ersten Halbjahr 2016 minderte Rocket Internet den Wert des Startups um 8,5 Millionen Euro. Nestpick hatte knapp 13 Millionen US-Dollar Risikokapital bekommen und zuletzt monatelang große Schwierigkeiten mit Zahlungsflüssen.

Bild: Getty Images/Busà Photography