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Die Wimdu-Geschäftsführer Sören Kress (links) und Arne Kahlke

Viel Geld hat Wimdu einst bekommen – mindestens 90 Millionen US-Dollar. Damit sollte es der Wohnungsvermittler von Rocket Internet mit dem Original aus den USA aufnehmen. Heute steht fest: Gegen Airbnb hat Wimdu keine Chance.

Die Finanzlage scheint das Unternehmen nun stark unter Druck zu setzen. Aus verschiedenen Quellen heißt es gegenüber Gründerszene, dass Wimdu seine Geschäfte deutlich kürze und Mitarbeiter entlasse. Zu genauen Zahlen will sich das Rocket-Venture auf Nachfrage nicht äußern. In einem Statement schreibt ein Sprecher lediglich: „Wimdu befindet sich in einem Restrukturierungsprozess, um das Unternehmen langfristig zukunftsfähig zu machen. In dem Zuge kommt es auch zu Personaleinsparungen.“ Zuvor kommunizierte das Unternehmen, 250 Mitarbeiter zu beschäftigen.

Update, 16:07 Uhr: Laut einem Bericht des Manager Magazins hätten in der vergangenen Woche etwa 60 Mitarbeiter Angebote für Aufhebungsverträge erhalten.

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Die große Belegschaft hat viel Geld verbrannt. Und das 90-Millionen-Investment von Kinnevik und Rocket Internet liegt bereits fünf Jahre zurück. Es floss kurz nach der Gründung im Sommer 2011 in das Startup. Falls Investoren nach dieser Seed-Runde noch einmal Kapital gaben, wurde das nie öffentlich gemacht. Aus dem Rocket-Umfeld heißt es immer wieder, Wimdu sei hinter den Erwartungen zurück geblieben. Im Portfolio des Company Builders findet sich das Logo nur noch in der Kategorie der umsatzschwächeren „New Companies“.

Tatsächlich zeigen die verfügbaren Zahlen alles andere als beeindruckende Entwicklungen. Aus dem Jahresbericht 2015 des schwedischen Investors Kinnevik geht hervor, dass Wimdu in dem Jahr etwa elf Millionen Euro Verlust gemacht hat. Seinen Anteil von 27 Prozent bewertet der Investor noch mit knapp 29 Millionen Euro, investiert hatte Kinnevik allerdings mehr als 38 Millionen. Eine eindeutig negative Bilanz.

Wimdu selbst hat zuletzt im Jahr 2014 einen Jahresabschluss veröffentlicht. Demnach verlor das Unternehmen auch in jenem Geschäftsjahr mehr als elf Millionen Euro – bei einem Umsatz von 13,6 Millionen. Es heißt in dem Abschluss: „Die Ertragslage des Unternehmens hat sich im Jahr 2014 nicht verbessert, was auf die erheblich gestiegenen Investitionen und nicht äquivalent steigenden Umsätze zurückzuführen ist.“ 2013 setzte Wimdu 9,4 Millionen Euro um, dem gegenüber stand ein Jahresfehlbetrag von sieben Millionen Euro. Weiter steht in dem Finanzbericht: „Die geplante Verbesserung der Profitabilität wurde zulasten weiterer Investitionen in die Bekanntheit sowie Nachhaltigkeit der Marke […] neu ausgerichtet.“

So bekannt wie das US-Vorbild konnte Wimdu allerdings nie werden. Ein Vergleich des Traffics mit dem Schätzungstool Similar Web zeigt, wie groß die Unterschiede zwischen den Webseiten Wimdu.de und Airbnb.de sind:

Zuletzt bekam Wimdu außerdem in Berlin Schwierigkeiten mit seinem Geschäftsmodell. Ein Gericht entschied: Wer seine Wohnung als Ferienwohnung vermieten möchte, benötigt nach wie vor eine Erlaubnis des Bezirks. Die wird allerdings selten erteilt. Wer gegen die Regel verstößt, muss mit Bußgeldern von bis zu 100.000 Euro rechnen. Wenige Tage nach dem Urteil Anfang Juni hatten laut Wimdu bereits 20 Prozent der Berliner Vermieter ihre Angebote auf der Plattform zurückgezogen. Das Unternehmen gibt an, in der Hauptstadt 1.700 Ferienwohnungen zu haben, im Rest Deutschlands 61.000. Vor kurzem kündigte das Unternehmen an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Ein weiterer, teurer Schritt.

Für Rocket Internet bedeuten die Kürzungen bei Wimdu eine weitere Niederlage auf dem Wohnungsmarkt: Das Startup Nestpick kürzte in diesem Jahr sein Geschäft bereits bis zur Bedeutungslosigkeit zusammen.

Die Autorin kann unter christina[at]gruenderszene.de kontaktiert werden.

Bild: Wimdu