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Die Windeln.de-Gründer Alexander Brand und Konstantin Urban (rechts)

Windeln.de ringt bereits länger um das Vertrauen der Aktionäre, seit Wochen ist der Kurs im Keller. Auslöser für das anhaltende Tief war eine Korrektur der Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr. Wegen der geringeren Nachfrage auf dem chinesischen Markt, von dem Windeln.de stark abhängt, senkte das Management die Erwartungen. Statt eines Umsatzwachstums von 50 Prozent rechnete man noch mit 30 Prozent.

Gleichzeitig schafft es das Unternehmen nicht, profitabel zu werden. Der Händler erhöhte auch die Verlust-Erwartungen auf minus zehn bis zwölf Prozent der bereinigten Ebit-Marge. Der Stand heute ist, dass Windeln.de seit dem Börsengang mehr als zwei Drittel an Wert verloren hat. Der Ausgabepreis der Aktie lag im Mai 2015 noch bei 18 Euro, heute liegt der Preis bei unter vier Euro.

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Das Unternehmen muss nun offenbar Kosten sparen und sieht sich dazu gezwungen, drastische Schritte zu gehen. Der Shopping-Club Nakiki wird komplett eingestellt, wie Windeln.de heute verkündet. 100 Stellen fallen weg – damit werden insgesamt 22 Prozent aller Mitarbeiter entlassen. Es heißt in einer Mitteilung: „Aufgrund der Automatisierung von Funktionen, der Zentralisierung von Funktionen, sowie geringeren Neueinstellungen wird zukünftig nur mit moderat steigenden Personalzahlen gerechnet.“

Durch die Kürzung von Nakiki korrigiert der Händler auch sein Umsatzwachstum erneut nach unten: Das Management rechne nun mit einem Zuwachs von rund 25 Prozent – von 161 Millionen Euro in 2015 auf 200 Millionen Euro in 2016. Die Verlust-Prognose bleibt gleich.

Die Führungsebene hat sich außerdem Hilfe gesucht, um die Restrukturierung umzusetzen. Neuer COO ist Jürgen Vedie, vorher in gleicher Position bei Zooplus. Vedie soll die Logistik optimieren. Gründer und Vorstand Konstantin Urban wird eine neue Management-Ebene unterstellt: Zwei Managerinnen sollen den Ausbau des China-Geschäfts und die Leitung des deutschen Kundengeschäfts voran bringen.

Die Geschäftsführer nehmen sich außerdem weitere Bereiche des Unternehmens vor. So arbeiten sie beispielsweise künftig nur noch mit den 290 umsatzstärksten Lieferanten zusammen – und nicht mehr mit 750 wie zuvor. Das Angebot bleibe dabei gleich groß, heißt es.  

Windeln.de hofft, „zu einem nachhaltig profitablen E-Commerce-Champion“ zu werden. Ziel sei es, mit der bestehenden Kapitalausstattung in den kommenden Jahren ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen und langfristig eine Ebit-Marge von mehr als fünf Prozent zu realisieren.

Die Börse nimmt die Nachricht zunächst nicht wohlwollend auf: Die Aktie sinkt am Donnerstagmorgen um knapp sieben Prozent (Stand: 11:45 Uhr).

Bild: Windeln.de