Wooga Publisher Jens Begemann

Wooga-Mitgründer Jens Begemann

Wooga auf der Suche nach weiteren Umsätzen

Der Berliner Spiele-Hersteller Wooga (www.wooga.com) sucht nach neuen Wegen um Geld zu verdienen. Zukünftig will man daher nicht nur eigene Spiele vertreiben, sondern auch für externe Entwickler als Publisher auftreten – und das obwohl Wooga-Chef Jens Begemann selbst einmal davon gesprochen hatte, das Spiele-Publisher obsolet sind. Das Angebot umfasst insbesondere die Bereiche Marketing, Support und Lokalisierung, auch bei Monetarisierung und User Experience will Wooga Unterstützung leisten. Am Free-to-Play-Ansatz wolle man dabei festhalten, heißt es von dem Unternehmen.

Für den neuen Bereich soll jedoch keine eigene Abteilung aufgestellt werden. Stattdessen werde das Publishing im Unternehmen als Querschnittsaufgabe betrachtet, erklärt Wooga. Als ersten Partner stellte Wooga vor Journalisten die dänische Spieleschmiede Tactile Entertainment vor: Die Berliner werden deren Spiel „Airheads Jump“ für das iPhone und Android-Smartphones veröffentlichen. Das endlose Plattform-Jump-and-Run soll im September erscheinen. Die Zusammenarbeit soll sich zunächst auf einen Titel beschränken, ob weitere folgen sei dem Entwickler freigestellt. Wooga verlangt für seine Leistungen eine Umsatzbeteiligung, fixe Kosten sollen nicht anfallen.

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Der Reiz für Spiele-Entwickler liegt auf der Hand, sie können von der bestehenden Reichweite des Anbieters profitieren. Wooga selbst dürfte sich von der Neuausrichtung vor allem eine bald deutlich breitere Produktpalette versprechen, nicht zuletzt um eine breitere Klientel ansprechen zu können. Sicherlich aber auch neue Ideen für Spiele- oder Bedienkonzepte. Da Wooga bei diesen Spielen neben den Publisher-Aufgaben keinerlei Entwicklungskosten zu tragen hat, kann man also auch experimentierfreudiger sein. Dafür gibt man sich etwas dem Risiko hin, sein Image als Spieleschmiede zu verwässern.

Monetarisierung im Mobilbereich als Knackpunkt?

Zuletzt sahen sich die Spiele-Entwickler einer schwierigen Entwicklung gegenüber. So wurden in der Branche zuletzt mehrere Spiele geschlossen, hier und da war von schlechten Geschäftszahlen und Entlassungen zu hören. Insbesondere der einstige US-Games-Star Zynga, der den Umschwung zum mobilen Angebot verschlafen hatte, steht derzeit vor erheblichen Probleme. Gleichwohl, so betont Begemann, seien bei relativ konstanten Facebook-Nutzerzahlen insgesamt steigende Umsätze zu konstatieren. Und auch der Bereich Mobile wachse stark. Wie es konkret um sein Unternehmen bestellt ist, wollte er gleichwohl nicht verraten.

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Das neue Wooga-Geschäftsmodell, mit dem man Anbietern wie Hitfox oder Game Genetics sicherlich zu Teilen auf die Füße treten wird, soll vom bisherigen Team gestemmt werden, große Veränderungen seien nicht geplant. Man wachse im Schnitt um einen Mitarbeiter pro Woche und beschäftige rund 250 Mitarbeiter. Gerüchte über einen Einstellungsstop widersprach das Unternehmen entsprechend.

Mit Jelly Splash stellte Wooga zugleich ein weiteres Spiel vor. Wie mit allen neuen Titeln sei dabei eine „mobile first“-Strategie angewandt worden, das Produkt also zu allererst für Smartphones und Tablets entwickelt worden. Weil es sich auch gut für Facebook anpassen ließ, soll es in wenigen Wochen (nahezu) parallel auf allen Plattformen und in 20 Sprachen erscheinen. Entscheidend wird dabei sein, wie sich die mobilen Spiele monetarisieren lassen. Denn der Entwicklungsaufwand für die Mobile Games ist nicht gerade gering. Und bei 4.000 monatlich veröffentlichten Titeln dürfte es eine eher Schmale „Mittelschicht“ geben, in der sich eine gewisse Rentabilität einstellt. Damit gilt für das Gros der Spiele: top oder flop. Der Druck auf die Entwickler ist entsprechend groß.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Official GDC
Bild: Wooga