wywy Startup-Helden

Andreas Schroeter (36, l.) und Tobias Schmidt (37) studierten gemeinsam BWL an der WHU und arbeiten seit 2011 am Second-Screen-Dienstleister Wywy.

„Startup-Helden“ von Wywy im Interview

Fernseher und Handy sind keine Bildschirme, die einander ausschließen. Immer öfter beschäftigen sich TV-Zuschauer neben dem Fernsehprogramm auch mit ihrem Smartphone oder PC, den sogenannten „Second Screens“. Das Münchner Startup Wywy (wywy.com) entwickelte daraus verschiedene Geschäftsmodelle. Aufbauend auf seiner Technologie zur automatischen Erkennung von TV-Inhalten kann Wywy Online-Werbung synchron zur Fernsehwerbung ausspielen, TV-Daten in Online-Tracking-Tools integrieren und eine Social-TV-App anbieten, mit der sich Nutzer über laufende Sendungen austauschen.

Das Startup wurde von Cipio Partners und weiteren Investoren bisher mit insgesamt 7,7 Millionen Euro ausgestattet, übernahm 2012 das israelische Unternehmen Idioma mitsamt dessen Erkennungstechnologie für TV-Inhalte und Ende 2013 den US-Konkurrenten SecondScreen Networks. Derzeit beschäftigt Wywy 25 Mitarbeiter, davon fünf in Israel. Bei den „Startup-Helden“ sprechen die Gründer Andreas Schroeter und Tobias Schmidt über die Zukunft des Fernsehens.

Wie seid Ihr auf die Idee zu Wywy gekommen?

Wir haben Ende 2011 zusammengesessen und uns darüber unterhalten, wie Menschen zukünftig fernsehen. Da sah man die ersten Zeichen davon, dass die Zuschauer sich parallel zum Fernsehen immer öfter mit ihrem Smartphone, im Fachjargon „Second Screen“ genannt, beschäftigen. Wir waren uns einig, dass hier eine neue Gewohnheit entsteht. Wir hatten uns ja selbst während unseres gemeinsames Studiums gegenseitig angerufen, um etwas im laufenden Fernsehprogramm zu diskutieren. Der Weg vom Telefon hin zum Smartphone schien uns der logische nächste Schritt. Mit dieser Überzeugung sind wir losgelaufen, um ein Angebot für diese sogenannten „Second Screener“ zu bauen.

Wie hebt Ihr euch von potenten Mitbewerbern wie TunedIn und Zapitano ab?

Zapitano und TunedIn konzentrieren sich auf den deutschen Social-TV-Markt, wo Zuschauer sich via Apps über das TV-Programm austauschen, abstimmen und so weiter. Wir haben zwar auch eine deutsche Social-TV-App, aber hiermit erreicht man heute noch nicht die breite Masse. In der Realität surfen viele Second Screener parallel zum Fernsehen im Web, über 90 Prozent der Aktivität hat aber nichts direkt mit dem Fernsehprogramm zu tun. Sie lesen Nachrichten, checken E-Mails, spielen Candy Crush, sind auf Facebook und so weiter.

Anzeige
Diese Erkenntnis hat sich bei uns durch die Gespräche mit Nutzern, Agenturen und anderen Gründern entwickelt. TV-Werbetreibende möchten die Zielgruppe „Second Screener“ in der breiten Masse erreichen und wir ermöglichen das unabhängig vom Kanal. Wir nutzen dazu Real-time Bidding, um die Second Screener auf Webseiten, Facebook und in Apps mit zur TV-Werbung passenden Online-Werbung anzusprechen.

Mit eurer letzten Finanzierungsrunde gabt ihr Expansionspläne bekannt. Wie bereitet Ihr euch vor?

Die Mediaagenturen sind alle international aufgestellt. Durch unsere guten Kontakte in Deutschland hat sich das schnell rumgesprochen und deshalb war es nur eine Frage, wie schnell wir unsere Technologie in andere Märkte ausrollen konnten. Wir sind jetzt in Deutschland, Frankreich, UK, Italien und Österreich aktiv. In den USA haben wir den Wettbewerber SecondScreen Networks übernommen, damit wir nicht von null starten mussten.

Wie werden Menschen in zehn Jahren fernsehen?

Gewohnheiten ändern sich nicht so schnell, deshalb wird es in zehn Jahren auch noch so ähnlich aussehen. Allerdings wird es nicht mehr nur den typischen Fernseher im Wohnzimmer geben, die Menschen werden auch auf ihrem Smartphone oder Tablet konsumieren. Und sicherlich wird ein Teil des linearen Fernsehens mit den bekannten Fernsehkanälen durch OnDemand-Fernsehen ersetzt werden, wie wir es schon in den USA mit Netflix sehen.

Welche Tipps gebt Ihr jungen Gründern nach Euren eigenen Erfahrungen mit auf den Weg?

Die Idee ist nur der Anfang: Redet über eure Idee, geht schnell in den Markt, hört auf das Feedback eurer Kunden, anderer Gründer, eurer Nutzer. Das ist manchmal schmerzhaft, weil man in die falsche Richtung entwickelt hat, aber absolut notwendig, um den eigenen Kurs schnell zu korrigieren und in Richtung Erfolg zu steuern. Als Startup ist man in der einzigartigen Position, so agieren zu können, ohne dass Kunden und Nutzer sofort abspringen – solange man zeigt, dass man das Feedback ernst nimmt und schnell umsetzt.

Bild: Wywy