Schoenberger Xird Stardrinx

Xird startet als Schnäppchenplattform in Berlin

Update vom 10. Juli 2013: Thomas Keup, der sich in den Kommentaren mit deutlichen Worten gegen die Berichterstattung ausgesprochen hatte, scheint nun selbst Geschädigter zu sein. Wie er auf seinem Blog schreibt, blieb Christian Lutz Schoenberger ihm die Summe von 1.000 Euro nun schon über Monate hinweg schuldig, von „Sauerei“ und „über den Tisch ziehen“ spricht Keup. Die Ironie: Beauftragt hatte ihn der Hamburger Unternehmer für Reputationsmanagement. Währenddessen mehren sich in den Kommentaren die Anschuldigungen vermeintlich geprellter Kunden und Geschäftspartner.

Derzeit macht das noch nicht gestartete Xird.de mit der Nachricht über eine 7,5-Millionen-Euro Finanzierung auf sich aufmerksam – eine beachtliche Summe für ein Frühphasen-Investment. Weitere Angaben machte das Jungunternehmen nicht, weder zum weiteren Team noch zu den „verschiedenen Investoren und Business Angels“, welche die Summe zur Verfügung gestellt haben. Auf Nachfrage erklärte das Unternehmen, dass die Summe auch nur zirka hälftig in frischem Kapital „von ehemaligen Groupon-Investoren“ fließen wird, der verbleibende Rest seien Mediadeals.

Xird, das von derzeit sechs auf mittelfristig 60 bis 70 Mitarbeiter wachsen soll, will Schnäppchen anbieten und den gesamten Prozess inklusive Abwicklung und Versand – anders als etwa Branchenprimus Groupon – selbst übernehmen. Insbesondere bei Support und Usability will man dabei laut Selbstdarstellung punkten.

Hinter dem Startup steht als Geschäftsführer und Gesellschafter Christian Lutz Schoenberger. Der ist kein Unbekannter. Negative Schlagzeilen machte der Hamburger Unternehmer im vergangenen Jahr, als seine Firma Stardrinx – die Edel-Champagner und Luxus-Wodka zum Schnäppchenpreis über die Deal-Plattform Groupon durch eine Vielzahl von Kundenbeschwerden auffiel: Hunderte Lieferungen erreichten die Käufer nicht, Stornierungen wurden nicht bearbeitet, Mails blieben unbeantwortet. Groupon und Stardrinx schoben sich gegenseitig die Schuld zu: Beide Seiten behaupteten, die Gegenseite schulde ihnen jeweils eine halbe Million Euro.

Lange laufender Rechtsstreit

Es resultierte ein handfester Rechtsstreit, die Staatsanwaltschaft Hamburg erhob „Anklage wegen gewerbsmäßigem Betrug in mehr als 100 Fällen“ gegen Schoenberger, wie die zuständige Oberstaatsanwältin gegenüber Focus Online bestätigte. Der Unternehmer hat nach eigenen Angaben einen Teil der betroffenen Groupon-Kunden entschädigt, ihm hätten aber nicht alle Adressen beziehungsweise Bankverbindungen zur Verfügung gestanden. Das Verfahren läuft derzeit noch, rund eineinhalb Millionen Euro hat Schoenberger nach eigenen Angaben verloren.

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Die Anschuldigungen gegenüber Schoenberger, der nach eigenen Angaben in seiner auf Agenturdienstleistungen fokussierten Unternehmensgruppe Schoen Gesehen derzeit 120 Mitarbeiter beschäftigt, reichen weit – ob nun gerechtfertigt oder nicht: Nach Informationen etwa von Bild.de soll als Stardrinx-Lager ein einfacher Container im Garten des Hauses seiner Mutter gedient haben. Schoenberger widerlegt dies gegenüber Gründerszene mit Bildern eines gefüllten Lagerraums dem und kontert mit beachtlichen Zahlen: 182.000 Kunden habe Stardrinx gehabt und zwölf Millionen Euro Umsatz in drei Monaten gemacht. Im April dieses Jahres verwies er noch auf einen bevorstehenden Stardrinx-Neustart. Heute gibt es Stardrinx nicht mehr.

Crowdfunding-Plattform Founderr startete nie

Zum Jahresende 2012 hatte Schoenberger zudem mit großen Worten ein neues Projekt angekündigt: die Crowdfunding-Plattform Founderr. Neben Schoenberger stand nach dessen Angaben ein ehemaliger „Groupon-Top-Manager“ hinter der Plattform. Auf der Plattform sollten „Menschen mit kreativen Ideen, ausgefallenen Business-Projekten und Startups, die sich überwiegend in der Gründungsphase befinden“, eine Finanzierung finden. Gestartet ist Founderr nie. Ebenfalls nicht exitent ist die Webseite des Unternehmens CLS Capital Retail & Investment, dessen Gründer und Geschäftsführer Schoenberger laut seinem Xing-Profil ab November 2010 war. Auch die Suche nach den angegebenen Gesellschaften im Handelsregister oder im Bundesanzeiger endet meist im Leeren.

Durch gezieltes Direktmarketing und einer großen Anzahl an Kooperationen mit den größten Youtube-Kanälen in Deutschland, will das in Berlin ansässige Unternehmen Xird laut Pressemitteilung („7,5 Mio Euro für Schoenbergers neues Startup!“) für entsprechende Reichweite sorgen. Ab dem Weihnachtsgeschäft sei zudem Fernsehwerbung geplant. Durch einen Vorlauf mehrerer Monate habe Xird.de Marken wie Adidas, Samsung, True Religion, Ray Ban, Gucci, Mont Blanc, Sony und viele mehr für die Plattform gewinnen können.

Kann Xird das schlechte Image abschütteln?

Die erneut großen Ankündigungen Schoenbergers werden überschattet vom bisherigen Gebahren des Hamburger Unternehmers. Aus diesem Grund, so sagt er zumindest selbst, wollen auch die Investoren nicht genannt werden. Von unerreichbaren Hotline-Nummern über Bankverbindungen zu Personengesellschaften, die zuvor schon mit zweifelhaften Geschäftspraktiken in Verbindung gebracht wurden, bis hin zu nicht enden wollenden Negativ-Bewertungen in Nutzerforen – die bisherige Unternehmerbilanz von Christian Lutz Schoenberger erscheint jedenfalls in keinem guten Licht. Ob er sich mit Xird vom schlechten Image reinwaschen können wird?

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