YogaTrail Startup-Helden

Die beiden Geisteswissenschaftler und Ehepartner Alex Klein und Alexandra Jaton trafen in Chiang Mai auf den Wirtschaftsinformatiker Sven Ernst (v.l.n.r.), mit dem sie im Mai 2012 den Yogakursfinder YogaTrail gründeten.

„Startup-Helden“ von YogaTrail im Interview

Sie verarbeiteten ihre Leidenschaft in einem Startup: 2009 hatten die Ehepartner Alexandra Jaton und Alex Klein in Indien ihre erste begeisternde Yoga-Erfahrung, fünf Jahre später betreiben sie gemeinsam mit Sven Ernst YogaTrail, ein Onlineportal für die Yoga-Unterrichtssuche mit über 20.000 Nutzern. Ähnlich wie bei Tripadvisor für Reisen können Interessierte dort Kurse und Lehrer bewerten.

Das Unternehmen firmiert in Stuttgart, bis auf zwei Teilzeitler arbeitet das derzeit siebenköpfige Team jedoch im thailändischen Chiang Mai, wo sie das Startup mit Eigenmitteln hochzogen. Im Interview erklären die Gründer, weshalb sie dies in Deutschland nicht hätten schaffen können und warum sie eine kürzliche Ablehnung durch das renommierte Accelerator-Programm Y Combinator aus dem Silicon Valley nicht deprimiert.

Wie seid Ihr auf die Idee zu YogaTrail gekommen?

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YogaTrail ist aus eigener Not heraus entstanden. Alexandra Jaton (Yogi im Team) praktiziert täglich Yoga. Immer wieder steht sie dabei vor derselben Herausforderung: Wie findet man den richtigen Yoga-Lehrer beziehungsweise das passende Studio oder gar eine Fortbildung oder Yoga-Reise?

Yoga ist extrem diversifiziert, und es gibt Hunderte von Stilrichtungen und eine sehr weitgefächerte Zielgruppe. Daher sind die Anforderungen und auch Erwartungen oft grundverschieden. Wie lösen Yogis dieses Problem? Die meisten verlassen sich auf Google oder die altbewährte Mund-zu-Mund-Propaganda. Beides ist aber wenig zielführend.

Ihr habt euer Startup per Bootstrapping aufgezogen. Wie habt ihr das angestellt?

Wir haben das Unternehmen über die letzten zwei Jahre aus Eigenmitteln finanziert. Vor wenigen Tagen wurde der Break-Even erreicht. Wir haben für das Bootstrapping bewusst Thailand gewählt. Sven Ernst hatte hier bereits eine andere Firma aufgebaut. Damit waren wichtige Voraussetzungen wie etwa Büro und Personal bereits vorhanden, die YogaTrail kostenlos mitnutzen konnte.

Was macht Chiang Mai zum Gründungsgeheimtipp, und wie regelt ihr die Zusammenarbeit zwischen Thailand und Deutschland?

Faktisch sind Lohn- und Lebenshaltungskosten in Thailand deutlich niedriger als in Deutschland. Realistisch gesehen wären wir in der Heimat ohne Fremdkapital nicht so weit gekommen. Chiang Mai bietet zudem eine enorme Lebensqualität (klimatisch, kulturell und nicht zuletzt kulinarisch), und in den letzten Jahren ist hier ein respektables IT- und Startup-Ökosystem entstanden. Die Zusammenarbeit über große Distanzen bereitet dabei keine Probleme. Unser multikulturelles Team (Kanadier, US-Amerikaner, Deutsche, Schweizer und Thais) ist es gewohnt, remote zu arbeiten, und wir nutzen diverse Tools, die den Workflow optimieren.

Vom Y Combinator wurdet ihr kürzlich abgelehnt. Hat sich die Fahrt ins Silicon Valley für euch trotzdem gelohnt?

Absolut. Das Ganze war für uns ein positives Erlebnis. Eine Einladung von Y Combinator ins Silicon Valley kommt beinahe einem Ritterschlag gleich. Auch wenn es zum Schluss nicht ganz gereicht hat, sind wir motivierter und ambitonierter denn je. Wir haben kurz nach dem Interview auf unserem Blog einen Erfahrungsbericht veröffentlicht. Der hatte zur Folge, dass uns Gründer aus der ganzen Welt (und sogar ein anderer Inkubator aus den USA) kontaktiert und sich mit uns ausgetauscht haben.

Die Zeit im Silicon Valley haben wir zudem optimal genutzt: Kurz vor unserer Abreise hatten wir die Chance, uns mit 500 Startups (ebenfalls ein sehr renommiertes Accelerator-Programm) in deren Büro in San Francisco auszutauschen.

Welche Tipps gebt ihr nach euren Erfahrungen anderen Gründern mit auf den Weg?

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Der entscheidende Faktor bei einem Startup ist unserer Meinung nach das Team. Wobei eine Gruppe aus mehreren Gründungspartnern (idealerweise zwei bis vier) immer zu bevorzugen ist. Im Vergleich zu Sologründern kann sich ein Team die Bälle zuspielen und sich in schwierigen Zeiten gegenseitig motivieren.

Vor allem kommt es darauf an, sich in problematischen Phasen nicht entmutigen zu lassen, das heißt, einen langen Atem zu haben. Erfolgreiche Startups haben oft nicht das bessere Produkt oder eine überlegene Idee, sondern vor allem ein Team, das da weitergemacht hat, wo andere aufgegeben haben.

Bild: YogaTrail