Dann nun mal los! Den Neulingen zeigen, was Sache ist. Dass Bankgeschäft mehr ist als eine hübsche App. Und Millionen Bestandskunden nicht so einfach abwandern, wenn sie auch bei ihrer Bank schicke digitale Angebote bekommen. So oder so ähnlich darf man sich wohl die Aufbruchstimmung bei den deutschen Kreditinstituten vorstellen. Gestern berichteten die Kollegen der Süddeutschen Zeitung von der offenbar schon kurz vorm Start stehenden Digitalbank mehrerer Sparkassen. Und letzte Woche auf der Wired-Money-Konferenz in Berlin hat sich die Deutsche Bank für ihre neue App bejubeln lassen. „Die Top-Banking-App im Appstore“, lautete die erste Erfolgsmeldung.

Damit nicht genug. Die Deutsche Bank hat zuletzt sogar schon reihenweise Fintech-Angebote von Startups wie Zinspilot, Figo oder Gini integriert. Auch Commerzbank, HVB und Direktbanken wie ING-Diba oder DKB treten technologisch längst nicht mehr auf der Stelle. Das alles sind erst einmal gute Zeichen – und wichtige Schritte in die richtige Richtung.

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Nur allzu genau hinsehen sollte man nicht immer, das könnte die Euphorie schnell bremsen. Denn beim zweiten Blick wird schnell klar, wie flach die Angebote derzeit noch sind. Vor allem, aber nicht nur, bei den Banken. Die Deutsche-Bank-App zum Beispiel soll es zwar ermöglichen, Geld per Knopfdruck an Freunde zu überweisen. Prima, genau wie es die vielen hoffnungsvollen Startups auch bieten wollen. Nur: Man benötigt dafür die unbeschreiblich unhandliche IBAN. Und wer hat die schon parat? Die kann dann mit einem schicken Profilbild des Empfängers verknüpft werden – manuell, aus dem Fotoalbum des Telefons. Irgendwie sollte Fintech im Jahr 2016 dann doch anders aussehen. Da hilft es auch nichts, dass man seine Bankdaten per Fingerabdrucksensor schützen kann.

Auch beim Vorstoß der Sparkassen sind noch genug Fragen offen – und das, obwohl es derzeit nur eine Webseite ohne Inhalt gibt. Denn den Informationen der SZ zufolge haben sich für das Projekt Your Money – Yomo – acht große Institute zusammengeschlossen. Bleiben im schlimmsten Fall also noch rund 400 Institute, die sich dagegen wehren können. Denn: In der Sparkassenorganisation hält man sich an das sogenannte Regionalprinzip – keine Sparkasse kommt der anderen in die Quere.

Bei einer überregionalen „Smartphone Bank“, wie sie Yomo sein soll, ließe sich das aber kaum vermeiden. Die 1822direkt, eine Onlinebank der Frankfurter Sparkasse, wurde bislang als Ausnahme bestenfalls geduldet. Bleibt zu hoffen, dass nicht ländliche Sparkassenchefs aus falschverstandenem Selbstschutz Yolo, Entschuldigung, Yomo noch stoppen – auch wenn die teilnehmenden Banken genau wie vermutlich der Großteil interessierten Kunden aus den großen Städten kommen. Schon bei dem Paypal-Konkurrenten Paydirekt konnte man beobachten, wie wenig die Sparkassen an einem Strang ziehen.

Und der Blick auf die schöne, neue Fintech-Welt der Startups? Die müssen sich auch erst langsam herantasten. Angebote wie das von Number26 machen sich gut auf dem Papier. Oder vielmehr: der Webseite oder dem Smartphone. Revolutionär sind sie aber nicht, sondern machen erst einmal altes moderner. Und sie bringen ihre ganz eigenen Hürden mit sich. Denn: Die App auszuprobieren ist eine feine Sache. Aber als Hauptkonto nutzen derzeit sicherlich die wenigsten der Nutzer die App des Berliner Jungunternehmens. Denn wer hat schon Lust, mühsam seine Bankverbindung bei Amazon, Apple, Google, Kabeldeutschland, der Telekom und der Berliner Zeitung zu ändern. Auch wenn Abhilfe von Fintechs wie Fino oder Finreach naht, die einen Kontowechselservice anbieten. Kaum wurde etwas vergessen, flattert die Mahnung ins Haus und der Schufa-Score sinkt.

Nur für eine hübsche App werden jedenfalls die wenigsten ihr Bankkonto wechseln. Der Knackpunkt für viele Fintech-Startups wird sein, durchzuhalten bis sie mehr „können“ als nur Geld versenden oder Konto- und Depotbewegungen hübsch anzuzeigen. Startups wie Kreditech, Avuba, Scalable Capital oder Cookies sind eine hoffungsvolle „Version 1.0“ – genau übrigens wie die neue App der Deutschen Bank. Potenzial, das ist nicht schwer zu erkennen, besteht allemal genug. Dann also mal los! Den Kunden zeigen, was Sache ist. Dass Fintech mehr sein kann, als eine hübsche App.

Bild: PeopleImages / Gettyimages