yourpainting

Hat ein Startup bewiesen, dass die eigene Idee auf grundsätzliches Interesse stößt, geht die Arbeit erst richtig los: Um das Unternehmen nach dem Proof-of-Concept zu langfristigem Erfolg zu führen, müssen Startups kontinuierlich ihr Geschäftsmodell erweitern, umbauen und verbessern. Nur selten ist der Weg vorgegeben und so begeben sich die meisten Gründer eigenständig auf die Suche nach sprudelnden Erlösquellen. Mit Yourpainting (www.yourpainting.de) lässt der Jungunternehmer Andre Lutter seit Ende 2010 aus Fotos Acryl- oder Ölgemälde entstehen – produziert wird in Fernost. Trägt sich das Geschäftsmodell, wie gestalten sich die Operations und wie bringt man die Gemälde an den Mann?

YourPainting globalisiert das Malerhandwerk

Die Idee entstand in Vietnam: Auf einer Reisen durch Südostasien entwickelte YourPainting-Gründer und CEO Andre Lutter bereits 2007 das Konzept, Gemälde aus Fotovorlagen entstehen zu lassen. Ende 2010 ging unter dem Namen YourPainting die entsprechende Website online. Ausgebildete Maler aus Indien, China und Vietnam erhalten hierfür eine Vorlage in Form eines Fotos, anhand dessen sie das Gemälde entwickeln. Je nach Geschmack kann der Kunde sich auch eine Vorlage im angefügten Bildarchiv aussuchen, zu dem Fotografen, Grafiker und Bildagenturen beitragen. Nach der Abnahme durch den Kunden (er bekommt ein Foto des fertigen Gemäldes zugeschickt und kann letzte Änderungswünsche angeben) wird das Gemälde vor Ort aufgespannt und zum Kunden versendet. Aus Deutschland heraus ist YourPainting bisher in vier weiteren europäische Länder aktiv geworden und wagte vor kurzem den Schritt in die USA.

Nach eineinhalb Jahren im Markt konnte das junge Startup bisher einen Pool aus 240 Künstlern bilden, die je nach Spezialisierung mit Aufträgen bedacht werden. Die Wartezeit für ein Gemälde inklusive Versand dauert laut Unternehmensangaben nicht länger als 18 Tage. Nach Launch der Website Ende 2010 gibt Andre Lutter im Gespräch mit MeinStartup.com an, im Geschäftsjahr 2011 mehr als 3000 Gemälde versendet zu haben. In 2012 wurden bisher 2000 Kunstwerke gemalt, Lutter rechnet jedoch mit 7000 weiteren bis zum Jahresende, was ein Wachstum um knapp 400% zum Vorjahr bedeuten würde. Entscheidend für diese Prognose wird die Marktentwicklung in den USA sein – YourPainting ist dort seit circa einem Monat aktiv.

Im Berliner Büro des Kunst-Startups arbeiten laut Unternehmensangaben zur Zeit elf Mitarbeiter, international verstärken das Team noch einmal sieben weitere Kunstbegeisterte.

2010 machte Business Angel Jan Dzulko mit einer Anschubfinanzierung die Gründung der YourPainting GmbH möglich. Hinter dem zweiten Investor Five Kings Limited verbirgt sich eine Software Firma, die im Austausch für Unternehmensanteile die Entwicklung des Shops übernimmt. Beide Investoren halten jeweils 20 Prozent am Startup.

Auge in Auge mit den etablierten Foto-Webshops

Auch wenn YourPainting auf dem deutschen Markt einzigartig erscheint, ist die Konkurrenz je nach Abgrenzung immens: Zwar muss sich das Kunst-Startup gegen keinen direkten Konkurrenten, sehr wohl aber gegen Anbieter von Substitutionsprodukten wie zum Beispiel bedruckten Fotoleinwänden durchsetzen. Der Markt der deutschen Fotodienstleister gestaltet sich als ziemlich unübersichtlich und zeichnet sich durch einen enormen Preiskampf aus. Das 2004 gegründete MyPhotobook (www.myphotobook.de) ist als Full-Service-Anbieter einer der stärksten Konkurrenten im Markt. Die 100-prozentige Holtzbrinck-Tochter setzt zwar einen Fokus auf klassische Fotobücher, stellt aber durch seinen Kundenstamm und lange SEO-Erfahrung auch eine Marktmacht im Leinwanddruck dar.

Schon 2010 erklärte Kaspar von Mellenthin, damals Geschäftsführer von Myphotobook, im Gründerszene-Interview worauf es für Webunternehmer im Markt der Fotoprodukte ankommt: „Die Kunst ist, dem Kunden durch hervorragende Produktfotos unser Angebot so greifbar wie möglich zu machen.“ Weiterhin betont Mellenthin die Bedeutung von wichtigen Kooperationspartnern, wie beispielsweise Gallerien, um den Kunden mit dem physischen Produkt in Kontakt zu bringen.

Mit einer großen Auswahl an Referenzbildern scheint sich YourPainting an die Leitlinie der Branchengröße zu halten und auch im Bereich der Kooperationen scheint sich etwas zu bewegen: Bisher arbeitet YourPainting mit Offline-Partnern wie Fotostudios und Möbelhäusern zusammen.

„In Deutschland haben wir keine Konkurrenz“

„In Deutschland haben wir keine Konkurrenz“, bewertet YourPainting-CEO Andre Lutter die Marktsituation. „Es gibt einige kleine Unternehmen, die sich auf Portraits nach Foto spezialisiert haben, jedoch keine Kunstwerke nach Fotovorlagen internationaler Künstler anbieten. Zur Zeit planen wir zudem Kooperationen mit Leinwand- und Posterdruck-Seiten. Wir stehen diesen Anbietern also nicht als Konkurrent gegenüber, sondern sehen uns eher als eine Bereicherung für diese.“

Interessant ist jedoch ein Blick auf den US-Markt: Mit Paintmyphotonow und Yourartnow sind mindestens zwei Unternehmen aktiv, die schon seit längerem Gemälde mit Fotovorlage anbieten. Inhaltlich scheint sich das Berliner Kunststartup fleißig bei seinen amerikanischen Vorbildern bedient zu haben, warum der Markteintritt in die USA für Yourpainting trotzdem sinnvoll erscheint, erklärt ein einfacher Blick auf die bestehenden Angebote: Das Design erscheint überaltet, der Nutzer wird mit Informationen überfrachtet und der Erstellungsprozess der Bilder ist völlig intransparent.

Sofern es YourPainting schafft sich mit seiner .com-Domain im Google-Ranking anständig zu platzieren, sollte die bestehende US-Konkurrenz keine ernsthafte Gefahr darstellen, da sich auch die bestehenden Angebote auch preislich nicht signifikant abheben.

Andre Lutter zeichnet die Zukunft von YourPainting

YourPainting bedient mit seinen Gemälden ohne Frage einen Nischenmarkt, der nicht das Potenzial eines E-Commerce-Shops in Rocket-Internet-Dimensionen birgt, jedoch bei einem schlanken Team durchaus attraktive Erlöse erwirtschaften dürfte.

Mit sieben internationalen Mitarbeitern scheint YourPainting das Tagesgeschäft in Übersee zu kontrollieren, zur Entwicklung des Geschäftsmodells reist das Berliner Team jedoch trotzdem mehrmals jährlich nach Fernost: „Wir sind jedes Jahr mehrmals vor Ort und suchen die besten Künstler für uns aus“, erklärt Lutter. „Wir haben mehrere Mitarbeiter in China, welche die Künstler und Prozesse koordinieren. Durch unsere Besuche können wir sicherstellen, dass jedes Kunstwerk unseren gesetzten Qualitätsstandards entspricht.“

Die geringe Bekanntheit des YourPainting-Produktes scheint für das Unternehmen vertriebsseitig Fluch und Segen zu sein. Zwar kann es sich als Pionier und (zur Zeit noch) als Monopolist positionieren, allerdings nütz dies wenig, wenn potenziellen Kunden nicht über das Produkt bescheid wissen. „Wir setzten sehr stark auf die Verbreitung unserer Kunstwerke durch die angemeldeten Fotografen, Grafiker, Designer und Content-Anbietern wie Getty Images“, so Lutter auf die Frage nach den geeignetsten Marketingkanälen für sein Angebot. „Zudem nutzen wir neben den geplanten Kooperationen mit Druckanbietern alle klassischen Kanäle wir SEM, SEO und Affiliate„.

Für das Unternehmen erschiene aus Marketingsicht auch der Dreh in Richtung Social Business sinnvoll, doch grenzt sich Andre Lutter klar von diesem unternehmerischen Ansatz ab: „Die Frage nach dem Social-Business-Gedanken kommt relativ häufig, ich kann sie aber nur mit „Nein“ beantworten. Unseren Künstlern geht es gut, sie sind alle normale Menschen die ein normales Leben wie du und ich führen und sich über jeden Auftrag von YourPainting freuen. Wir haben darüber nachgedacht Kunstprojekte in Asien zu fördern, was uns jedoch, meiner Ansicht nach, noch zu keinem Social Business macht.“

Für die Zukunft wünscht sich Andre Lutter „die Nummer Eins in den Köpfen der Menschen zu sein, die ein einzigartiges Bild für ihr Zuhause suchen“. Internationale möchte das Unternehmen weiter wachsen und insbesondere die Bilder-Datenbank soll deutlich ausgebaut werden – als mögliche Kooperationspartner stehen hier Größen wie National Geographic oder Lonely Planet im Raum.

Bildmaterial: Michael Tompsett / YourPainting