Meckel

Youtube-Chefin Susan Wojcicki (links) im Gespräch mit der Wirtschaftswoche-Chefredakteurin Miriam Meckel.

Irgendwie will Youtube noch immer so etwas wie ein aufregender Rebell sein. „Du brauchst nur ein Smartphone, eine Internetverbindung und eine Idee – dann kannst du dein weltweites Publikum ansprechen“, heißt es in dem Video, das vor dem Firesidechat mit der Youtube-Chefin Susan Wojcicki gezeigt wird. „Du musst nicht allen Hassern und Zweiflern gehorchen.“ Die trinken in dem Werbe-Video Champagner und haben keine Ahnung. Der „Creator“, der seine Inhalte auf Youtube verbreitet, wird dagegen als eine Art moderner Punk dargestellt. Laut, frech, kreativ, digital. Aber am Ende lädt er seine Inhalte brav auf Youtube hoch und sorgt dafür, dass die Video-Plattform von Google gute Geschäfte damit machen kann.

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Im anschließenden Chat erzählte Susan Wojcicki von ihren Anfängen im Silicon Valley. Schon damals waren die Mieten sehr hoch. Deshalb vermietete sie ihre Garage an zwei junge Stanford-Studenten. Larry Page und Sergej Brin. Für die Erfindung der beiden Google-Gründer interessierte sie sich erst später. Am Anfang war ihr wichtig, dass sie nicht zu laut waren und pünktlich die Miete zahlten. Das haben sie offenbar getan. 18 Jahre sind inzwischen vergangen. Wojcicki: „Ich bin zur richtige Zeit am richtigen Platz gewesen. Ich habe gesehen, dass die Such-Technologie meine Arbeit völlig verändern wird. Sergej und Larry wussten nichts über Werbung. Aber ich wusste, dass es sehr aufregend wird.“ 1999 wurde sie zur ersten Marketingchefin von Google. Seitdem hat Google die Welt verändert. 

Wojcicki über Motivation

„Ich bin auf einem College-Campus aufgewachsen. Unter Experten. Ich und meine Schwestern wollten etwas machen, dass uns wirklich Spaß macht und unsere Leidenschaft entfacht. Sachen, die uns wichtig sind.“

Über Zweifel

„Man muss damit umgehen können, dass Leute fragen, warum man das alles tut. Warum man Risiken in Kauf nimmt. Das habe ich von meiner Mutter gelernt.“

Über Zensur und Verantwortung

„Bei Youtube gibt es einen ,Restricted Mode‘. Der ist zum Beispiel für Schulen, Bibliotheken gedacht. Wir bieten diesen Modus seit 2010 an. Jetzt fragen uns einige Leute, warum ihr Inhalt nicht zu sehen ist. Wir nehmen das ernst. Weil wir wollen, dass die Menschen gehört werden. Jetzt müssen wir uns die Algorithmen sehr genau anschauen. Wie können wir das intelligent regulieren? Es ist nicht unsere Absicht, Inhalte zu zensieren und wollen deshalb ,Überfilterung‘ vermeiden. Zu wenig Filter ist aber auch nicht gut. Eins ist klar: Zensur ist nicht unsere Absicht.“

Über Fernsehen

„TV hilft unserer Plattform. Weil unsere Nutzer gerne TV-Shows schauen. Aber sie schauen nicht mehr so viel Fernsehen wie früher. 150 Dollar kostet das TV-Kabel in den USA. Mit all Nachteilen, die lineares Fernsehen hat. Wir wollen junge Leute zurück zum TV bringen. Das wird sehr interessant und kostet 35 Dollar für sechs Accounts. Dazu gibt es persönliche Empfehlungen, eine sehr gute Suche und du kannst die Sendungen schauen, wann du möchtest.“

Über die aktiven Youtuber

„Creators sind die nächste Generation der Medien-Firmen. Sie sind am Anfang 15 oder 16 Jahre alt und starten im Schlafzimmer. Dort drehen sie ihre Fashion- oder Beauty-Videos. Dann kommen langsam immer mehr Abonnenten. Nach ein paar Jahren stellen sie Leute an, etablieren neue Kanäle. Dann entsteht plötzlich eine 20-Leute-Firma. Das gab es vor zehn Jahren noch nicht.“

Über Virtual Reality

„VR ist eine seht interessante Technologie. Junge Leute können nicht genug davon bekommen. Man muss schauen, was die Kinder damit machen. Noch sind die Headsets zu teuer. Es beginnt gerade erst. Aber mit dem Mobile-Trend war es ähnlich. Dann kam das Jahr von Mobile und es ging plötzlich los. Viele waren zu spät. Man muss vorher investieren. Auch wenn jetzt noch nicht das Jahr von VR ist.“

Über Frauen im Silicon Valley

„Frauen sind in jeder Firma extrem wichtig und wertvoll. Das ist eine Herausforderung, weil zu wenig Frauen Computerwissenschaften studieren. Aber es gibt gute Gründe dafür, dass sie es tun sollten. Digitales Können ist sehr wichtig, Meine Tochter hat mir eines Tages gesagt, dass sie Computer hasst. Daraufhin habe ich sie zu einem Computer-Camp geschickt. Hinterher sagte sie mir: Ich hasse Computer noch mehr. Dort gab es so schwarze T-Shirt, auf denen stand ,Techie‘. Natürlich hasste sie das Camp. Also haben wir ein Camp für Mädchen entwickelt. Das öffnet die Türen und sie erkennen, wie cool Digitaltechnik und Programmieren sein kann.“

Über Innovation

„Man darf nie mit den existierenden Produkten zufrieden sein. Zum Beispiel diese Mikrofone hier. Man kann sie nur sehr schlecht aufsetzen, wenn man ein Brille trägt. Also muss man bessere Sachen machen. Warum können wir nicht Videos-on-demand im Auto bekommen? Die Frage ist: Wie mache ich die Sachen besser? Das muss das Mindset sein. Einfache Fragen stellen – und trotz aller technischen Schwierigkeiten die Antwort geben.“

Foto: Frank Schmiechen