Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Facebook, PayPal, Palantir – Wie Peter Thiel die Welt revolutioniert – Die Biografie“. Im folgenden Kapitel fasst der Autor Thomas Rappold die Aussagen von Peter Thiel zusammen, die einen Gründer erfolgreich machen sollen. Das Buch ist im Finanzbuch-Verlag erschienen.

1. Du bist der Unternehmer deines Lebens.

Du kannst Prioritäten setzen. Du hast die größtmögliche Freiheit, die sehr grundsätzlichen Entscheidungen zu treffen, was du mit deinem Leben anfangen möchtest. Thiel studierte Philosophie des 20. Jahrhunderts im Grundstudium an
der Stanford University.

2. Mache eine Sache einzigartig gut.

Das wichtigste bei einem Startup ist die Erkenntnis, dass Technologie ein globales Geschäft ist. Die wirklich guten Technologieunternehmen machen etwas signifikant besser als jeder andere auf der Welt. Und du solltest dich in eine solche Position bringen. Als erklärter Libertärer gründete Thiel 1987 die Studentenzeitung Stanford Review.

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Hardcover, 336 Seiten, 19,99 Euro

3. Versichere dich, dass die Personen, mit denen du verbunden bist, gut zu deinem Leben und zum Unternehmen passen und dass sie sich auch untereinander ergänzen.

Thiel ist immer sehr fokussiert auf die Struktur von Unternehmen. Die Gründer und Mitarbeiter müssen gut miteinander harmonieren und an einem Strang ziehen. Thiel fragt deshalb die Gründer vor einem Investment, wie sie sich kennengelernt haben. Eine schlechte Antwort wäre seiner Meinung nach: »Wir starteten die Firma, weil wir beide Unternehmer sein wollten.« Schließlich, so Thiel, heiratet man auch nicht die erstbeste Person, die man an einem einarmigen Banditen in Las Vegas kennengelernt hat. Gute Antworten auf die Frage sind für ihn, wenn sich die Gründer schon länger kennen und sich über ihre Geschäftsidee bereits intensiv ausgetauscht haben und sich komplementär in ihren Fähigkeiten (z.B. Technik und Betriebswirtschaft) ergänzen. Thiel schloss Freundschaften mit anderen Stanford-Studenten, von denen viele für seine Zeitung Stanford Review arbeiteten. Zahlreiche davon übernahm er später bei PayPal, woraus die verschworene Gemeinschaft der ›PayPal-Mafia‹ entstand. Auch bei Palantir und seinen Risikokapitalgesellschaften finden sich zahlreiche Freunde von ihm aus seiner Stanford- und PayPal-Zeit. Die Freundschaft zu LinkedIn Gründer Reid Hoffman, ebenfalls ein Stanford-Kommilitone und ehemaliger PayPal-Mitarbeiter, währt gar seit rund 30 Jahren.

4. Monopolstatus anstreben. Baue eine Firma auf, die der Konkurrenz so weit enteilt ist, dass niemand mit dir konkurrieren wird. Arbeite daran, dich von dem Wettbewerb stark abzuheben.

Als Gründer muss man einen Monopolstatus anstreben, was bedeutet, dass man das Ziel verfolgt, eine Firma aufzubauen, die einzigartig ist und sich stark von Wettbewerbern differenziert, um nicht in eine Wettbewerbssituation zu kommen. Für weite Teile der Allgemeinheit gilt der Grundsatz, dass Kapitalismus und Wettbewerb Synonyme sind. Tatsächlich sind sie für Thiel aber Gegensätze.

5. Sei kein Fake-Unternehmer. Gründe eine Firma, weil du eine Antwort
auf ein generelles Problem gefunden hast.

Die Antwort »Ich möchte Unternehmer werden« auf die Frage, was man mit seinem Leben anfangen möchte, ist für Thiel nicht zielführend. Das hat für ihn den Charakter wie »ich möchte reich werden« oder »ich möchte berühmt werden«. Niemand gründet mit einer derartigen Vorstellung ein erfolgreiches Unternehmen. Thiel sucht nach Unternehmen und Unternehmern, die ein wichtiges Problem erkannt haben, das bisher weder Unternehmen noch Behörden in Angriff genommen haben und das sie selbst lösen wollen.

6. Bewerte Substanz höher als Status und Prestige. Vom Status getriebene
Entscheidungen sind nicht nachhaltig und langfristig ohne Wert.

Thiel hat dies am eigenen Leib erfahren. Zunächst Studium in Stanford, dann Anwalt in einer Kanzlei in Manhattan. Hinterher fragte er sich zu Recht, warum er nicht mehr darüber nachgedacht hat, welchen Weg er da mit eingeschlagen hat. Er war zu sehr mit Dingen beschäftigt, die der Norm und dem Prestige entsprachen, als mit dem, was er wirklich tun wollte. Deshalb gilt für ihn die Lektion »Substanz vor Status«.

7. Wettbewerb ist ein zweischneidiges Schwert. Du kannst dich darauf konzentrieren, die Leute um dich herum zu besiegen, aber man bezahlt es mit dem Preis, die Sicht auf das zu verlieren, was wertvoller und wichtiger ist.

Thiel hatte als sehr guter Schachspieler in der Jugend bereits ein ausgeprägtes Verhältnis zum Wettbewerbsgedanken. Die starke Fokussierung auf den Wettbewerb in Schule, Sport, Studium und später als Anwalt in Manhattan hat ihn nicht glücklich und zufrieden gemacht. Als Unternehmer und Risikokapitalgeber baute er seine Geschäfte auf Basis von starken Freundschaften und großem Vertrauen auf. Er versuchte mit seinen Gründungen und Investments dem Wettbewerbsdruck, so weit möglich, aus dem Weg zu gehen und sich mit einzigartigen Geschäftsmodellen zu beschäftigen. Folgerichtig erhielt Thiel im Februar 2013 den TechCrunch Crunchie Award als Risikokapitalgeber des Jahres.

8. Sämtliche Trends sind überbewertet. Strebe nicht nach den aktuellsten und heißesten Dingen, strebe nach einer soliden Lösung für ein generelles Problem.

Thiel hält die aktuellen Technologietrends wie Software für den Gesundheits- oder Bildungssektor für überbewertet, genauso die »Buzzword« Themen wie SaaS-Software für Unternehmenskunden (Software-as-a-Service), Big Data und Cloud Computing. Fallen diese Worte in einem Investment-Gespräch, dann empfiehlt Thiel, so schnell wie möglich wegzurennen. Die IT-Modewörter stellt er einem Bluff beim Pokern gleich. »Sie möchten nicht die vierte Hundefutterfirma werden, sie möchten nicht die 10te Soarpanel-Unternehmung sein, sie möchten nicht das 1000ste Restaurant in San Francisco sein.« Thiel schlussfolgert: Unternehmen, die sich mit diesen weithin bekannten Füllwörtern schmücken, haben zumeist eine schlechte Geschäftsidee als Grundlage.

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9. Verharre nicht in der Vergangenheit. Sich auf Dinge zu konzentrieren, die nicht funktionieren, beeinträchtigt nur das Selbstvertrauen. Verwende nicht zu viel Zeit in die Analyse, warum etwas nicht funktioniert hat, bewege dich stattdessen nach vorne und ändere die Richtung.

In Westeuropa gilt Scheitern als Malus. Wer einmal gescheitert ist, kann nicht noch einmal durchstarten. In Kalifornien erlebt man genau das andere Extrem. In der Regel sagt man, dass man aus Fehlern klug wird. Scheitern kann also vordergründig lehrreich sein. Thiel widerspricht dieser These. Scheitern hat Thiel zufolge eine schädliche Wirkung auf Menschen. Vor allem dann, so Thiel, wenn man unter hohem Einsatz mit viel Energie an etwas Neuem arbeitet und sich dann eingestehen muss, dass man es nicht zum Erfolg führen kann. Das führt zu negativen psychischen Reaktionen. Thiel ist der Ansicht, dass man aus dem Scheitern keine Lehren für die Gründung eines neuen Unternehmens ziehen kann. Das Scheitern, so Thiel, geht auf fünf einzelne Gründe zurück: »Die falschen Leute, die Idee war schlecht, das Timing war falsch, es handelte sich um kein Monopol, das Produkt funktionierte nicht.«

10. Finde den geheimen Weg für deinen eigenen Erfolg. Folge nie der
Allgemeinheit.

»Jeder versucht, aus der kleinen Tür nach draußen zu gehen, aber ums Eck ist ein schneller, aber geheimer Ausgang, den niemand benutzt. Du solltest immer den geheimen Weg finden. Geh voraus und nehme ihn.« Was ist also der Sinn und Zweck von Startups, was muss ein Startup nun leisten? Auch hier hat Thiel eine einfache wie stimmige Erfolgsformel: »Es muss Gemeinplätze infrage stellen und das Unternehmen von Grund auf neu erfinden.«

Bild: Getty Images / VCG