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Das Tech-Team von ZenJob auf Bootsfahrt, dabei sind die Mitgründer Cihan Aksakal (vorne ganz links) und Frederik Fahning (ganz rechts, sitzend)

Wir schalten jetzt den Turbo ein, expandieren in X Länder, werden richtig groß – solche Sprüche gibt es häufig zu hören, wenn Startups ihre Finanzierungsrunden verkünden. Bei ZenJob gibt man sich bescheidener: „Wir greifen nicht sofort nach der Weltherrschaft“, sagt Gründer Fritz Trott im Gespräch mit Gründerszene. „Wir wollen erst einmal in Deutschland ein nachhaltiges Geschäft aufbauen, ein zuverlässiger und guter Partner für Arbeitgeber und Mitarbeiter werden.“

Die Finanzierung, die das Startup gerade von den VCs Redalpine, Acton und 500 Startups bekommen hat, kann sich trotzdem sehen lassen: Drei Millionen Euro fließen in der Runde. Zuvor wurde das Unternehmen, zu dessen Führungsteam neben Trott die Mitgründer Cihan Aksakal und Frederik Fahning sowie COO Cornelius von Rantzau gehören, von Christophe Maires Atlantic Labs und weiteren Business Angels unterstützt. Ein Team von 30 Leuten arbeitet in Berlin für das Startup.

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Das Geschäft von ZenJob ist die Vermittlung von Jobs auf Zeit. Anfang 2016 ist das Unternehmen gestartet, heute hat es nach eigenen Angaben bereits mehr als 300 Auftraggeber (die Hotelkette Sheraton, der Modehändler Gerry Weber und das Liefer-Startup Foodora sind darunter) und mehr als 1.000 Studenten in der Kartei, die regelmäßig im Einsatz sind. Die meisten arbeiten zwischen 10 und 20 Stunden im Monat, sagt Trott. Ihnen verspricht das Startup mindestens einen Stundenlohn von zehn Euro brutto. Die vermittelten Mitarbeiter sind bei ZenJob angestellt und versichert, die Auftraggeber bekommen nur eine Rechnung. Das Startup wirbt damit, innerhalb weniger Stunden Arbeitskräfte zur Verfügung stellen zu können.

Zeitarbeit ist ein umkämpfter Markt. Trott glaubt aber, dass sich ZenJob in einer Lücke positioniert hat: Anders als klassische Zeitarbeitsfirmen wie Randstad wickelt das Startup so viel wie möglich digital ab – und anders als digitale Job-Marktplätze wie HeyJobs oder auch eBay Kleinanzeigen, die lediglich wie ein schwarzes Brett fungieren, ist ZenJob auch in der Wertschöpfungskette aktiv.

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An einem Punkt muss aber auch ZenJob immer wieder aus dem digitalen Prozess ausbrechen: In Deutschland gilt für Arbeitsverträge die Schriftformerfordernis, es braucht Papier und Tinte. „Dabei kann ich inzwischen sogar ein Bankkonto übers Smartphone eröffnen“, ärgert sich Trott.

Auch eine Gesetzesänderung, die in wenigen Tagen in Kraft tritt, macht ZenJob das Leben schwer: Das ab dem 1. April geltende neue Arbeitnehmerüberlassungsgesetz fordert von Vermittlern zum Beispiel, für jeden Einsatz genau zu definieren, wer der Arbeitnehmer ist und welche Tätigkeit er in welchem Unternehmen verrichtet. „Das macht es für Arbeitnehmer und Arbeitgeber viel schwieriger“, schimpft der Gründer. Die Reform passe nicht in eine Zeit, in der mehr und mehr Menschen flexibel arbeiten wollten und das auch zunehmend digital möglich sei.

Das Geld aus der aktuellen Runde, so Trott, werde man daher vielleicht auch in politisches Lobbying investieren, um Änderungen im Sinne ZenJobs durchzusetzen. Ansonsten soll mit den drei Millionen die Technologie hinter der App verbessert werden, außerdem soll in weitere deutsche Städte außerhalb Berlins expandiert werden – das ist dann wieder eine fast traditionelle Gründer-Ankündigung, wie man sie bei Finanzierungsrunden häufiger hört.

Bild: ZenJob