Springer Scout24

Volle Springer-Kassen – aber nicht für alles

Es ist eine stattliche Summe, die die Telekom für ihre Tochter Scout24 haben will. Rund 1,5 bis zwei Milliarden Euro waren zuletzt im Gespräch. Das Pochen auf den Preis hat den Bonner Konzern nun das Interesse eines der wohl aussichtsreichsten Übernahmekandidaten gekostet: Axel Springer verabschiedet sich aus dem Bieterwettstreit, wie die (noch) verlagseigene Morgenpost nun berichtet.

Am Geld an sich kann es nicht gelegen haben. Gerade erst hat der Traditionsverlag für 920 Millionen Euro eine ganze Reihe seiner Printprodukte an die Funke-Gruppe abgegeben. Zusammen mit dem parallelen Anstieg der Aktie wäre der Zukauf schon fast finanziert gewesen. Demnach dürften es also die Wachstumsprognosen für das Kleinanzeigengeschäft der Scout24-Gruppe sein, die den Preis aus Springer-Sicht nicht rechtfertigen.

Strategisch hätten ImmobilienScout24, Autoscout24 und Co jedenfalls gut zum Verlag gepasst, der gerade intensiv versucht, digitaler zu werden. Konzernchef Döpfner hatte aus einem „grundsätzlichen“ Interesse auch keinen Hehl gemacht. Auch nicht daraus, dass der Preis (zu) hoch sei.

Die Telekom pokert

Das Kleinanzeigen-Segment ist überaus wichtig für den Berliner Traditionsverlag. Mit einem Volumen von 630 Millionen Euro größter Zukauf der Firmengeschichte war bisher der Erwerb des französischen Immobilienanzeigen-Anbieters Seloger.com, mit dem Springer im Jahr 2011 sein Kleinanzeigengeschäft ergänzte. Mit Portalen wie Immonet oder Stepstone – aber auch Online-Vermarktungsdiensten wie Zanox – verdient der Medienkonzern immer mehr Geld. Dass weitere Zukäufe anstehen, legt neben den gefüllten Kassen auch die zuvor eingegangene Kooperation mit dem US-Finanzinvestor General Atlantic nahe.

Anzeige
Währenddessen muss die Telekom für ihre seit Jahresanfang zum Verkauf stehende Scout-Tochter, die sie im Jahr 2003 für 180 Millionen Euro übernommen hatte, nun weiter auf Brautschau gehen. Dass ihr Springer nun einen Korb gegeben hat, könnte sich dabei auch auf die Zahlungsbereitschaft der verbliebenen Bieter auswirken. Zu denen gehören Berichten zufolge etwa Hellman & Friedman, Providence, CVC, EQT, KKR, Apax sowie Silverlake. Und wer weiß – sollte der Preis womöglich deutlich sinken, könnte auch Springer wieder Interesse zeigen.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von CAMPUS OF EXCELLENCE