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Innovation Center der Merck-Gruppe in Darmstadt: Einige Konzerne setzen bereits auf Startups

Konzernchefs und Gründer nehmen die Wirklichkeit offenbar unterschiedlich wahr. Die einen finden, etablierte Großunternehmen und Startups arbeiten schon erfolgreich zusammen, die anderen sind sich da nicht ganz so sicher.

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Accenture und der Organisation Young Entrepreneurs Alliance, von der die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) heute berichtet, bewerten 71 Prozent der befragten deutschen Führungskräfte entsprechende Kooperationen als positiv. Das sehen hierzulande nur 53 Prozent der Gründer so.

Befragt wurden im Rahmen einer Online-Studie 1.020 Führungskräfte von Großunternehmen sowie 1.002 Gründer – alle aus den G20-Staaten.
Deren ungleiche Eindrücke machen deutlich: Die Zusammenarbeit zwischen Startups und Großunternehmen läuft, wenn sie denn überhaupt läuft, nicht immer rund. Accenture rechnet vor, dass die deutsche Wirtschaft durch bisher fehlende oder ineffiziente Kooperationen bis 2020 Wachstumspotenzial in Höhe von 99 Milliarden Euro verbummeln wird. Bezogen auf das aktuelle Bruttoinlandsprodukt von ungefähr drei Billionen Euro (2014) entspräche das einem Anteil von rund 3,4 Prozent.

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Dabei weiß man in den Chefetagen deutscher Konzerne durchaus um die Triebkraft der kleinen Kollegen: Demnach glauben 68 Prozent der befragten Entscheider in Deutschland, dass „Innovation und Wachstum“ ihres Unternehmens maßgeblich von der Zusammenarbeit mit Startups abhängen. In den weltweit untersuchten Konzernspitzen herrscht die Vorstellung, dass in den kommenden fünf Jahren 18 Prozent des Unternehmensumsatzes durch die Kooperation mit jungen Firmen zustande kommen werden.

Tatsächlich hapert es aber an der Realisierung. Die Gründer sind unzufrieden: Rund 240 der 1.000 befragten Gründer (24 Prozent) fühlen sich und ihre Interessen bei Kooperationen mit Konzernen nicht berücksichtigt, sie sehen das Eigeninteresse der Gegenseite im Fokus. Dazu bemängeln 30 Prozent der deutschen Gründer, die Unternehmen würden sich bei der gemeinsamen Sache nicht ausreichend engagieren. Dem stimmen, wenig überraschend, nur 10 Prozent der deutschen Führungskräfte zu.

Dr. Clemens Oertel, Geschäftsführer von Accenture Strategy, fordert in einer Mitteilung eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“. Dazu gehöre auf Unternehmensseite nicht nur die Bereitschaft, in Startups zu investieren, sondern auch partnerschaftlich mit ihnen zusammenzuarbeiten und gemeinsame Geschäftsmodelle zu entwickeln. Risiken und Gewinne sollten für beide Seiten in einem fairen Verhältnis zueinander stehen. Oertel empfiehlt außerdem, Mitarbeiter von Gründern lernen zu lassen und sie bei der eigenen Gründung zu unterstützen.

Der Tenor von Oertels Statement und der Studie: Großkonzerne könnten ihre Innovationsfähigkeit verspielen, wenn sie nicht korrekt mit Startups umgehen und kooperieren. Und nicht zuletzt eine ganze Menge Geld verschenken.

Bild: Merck