Warum Carsten Maschmeyer noch nicht in den Venenschlauch investiert hat

Newsartikel. Das Silikonband eines Rostocker Startups soll die Blutabnahme hygienischer machen. 100.000 versprach der Juror dafür – bisher ist der Deal aber nicht abgeschlossen.

Krankenhäuser können auch krank machen. Bis zu 900.000 Patienten infizieren sich dort in Deutschland Schätzungen zufolge jährlich mit multiresistenten Erregern, gegen die gängige Antibiotika nichts ausrichten können. Über 10.000 Menschen sterben pro Jahr daran. Keimherde lauern in den Krankenhäusern quasi überall. Zu den Risikoobjekten zählen aus Sicht des Rostocker Startups Daisygrip auch sogenannte Venenstauer.

Mit ihnen werden die Arme von Patienten etwa vor der Blutentnahme abgebunden, um ihre Venen besser zugänglich zu machen. Sie bestehen in der Regel aus einer Baumwoll-Elastan-Mischung. „Die ist im Arbeitsalltag nur schwer zu desinfizieren“, sagt Daisygrip-Mitgründer Karl Hartmann. Sein Startup hat deshalb eine Alternative aus Silikon entworfen, die eine effektivere Reinigung möglich machen soll. „Baumwolle und Elastan sind relativ großporig, ein hervorragender Nährboden für Keime. Durch das Silikon und den kantenlosen Magnetverschluss ist die Oberfläche bei uns kleiner. Das ermöglicht die Sprüh- oder Wischdesinfektion und das Material ist schneller trocken“, so Hartmann. Patienten mit Herzschrittmacher würden durch den Magneten nicht beeinträchtigt, sagt der studierte Wirtschaftsingenieur.

In der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ (DHDL) versuchten Hartmann und sein Mitgründer, der Arzt Konstantin Altrichter (beide 26), die Löwen von ihrem Hygiene-Gadget zu überzeugen. Zunächst mit Erfolg: Carsten Maschmeyer kündigt in der Sendung an, 100.000 Euro plus 200.000 Euro Working Capital zu investieren und im Gegenzug 25 Prozent der Unternehmensanteile zu übernehmen. Die Gründer hatten zehn Prozent ihres Unternehmens angeboten. Mit den 100.000 Euro wollten sie unter anderem den Patentschutz ihres Produkts internationalisieren und den Vertrieb ausbauen. 

„Es sind noch wenige letzte Fragen zu klären“

Ein Blick ins Handelsregister zeigt: Aktuell sind nur Altrichter und Hartmanns Beteiligungsgesellschaft Vagabund Ventures zu je 50 Prozent an dem Startup beteiligt. Und das sechs Monate nach der Aufzeichnung der Sendung. Was ist passiert?

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„Noch sind wir am Bearbeiten der Verträge“, sagt Hartmann zu dem offenen Deal. „Zwischen uns ist aber alles entspannt, die Gespräche mit Herrn Maschmeyer waren sehr zielführend und die Zusammenarbeit ist geprägt von einem guten Verständnis unserer Bedürfnisse als Gründer. Jetzt müssen wir uns nur noch über ein bis zwei Punkte austauschen“, so der Gründer. Man befinde sich in der „finalen Phase“. In den Wochen vor der Ausstrahlung der Sendung sei so viel zu tun gewesen, dass zu wenig Zeit für intensivere Gespräche blieb, begründet Hartmann. Altrichter und er wollen je 12,5 Prozent ihrer Anteile an Maschmeyer abtreten.

Der Sprecher der Maschmeyer Group bestätigt den Stand des Deals auf Nachfrage von Gründerszene: „Wir haben eine verbindliche Vorvereinbarung längst schriftlich getroffen. Mit den Gründern haben wir uns mehrfach zu Strategiegesprächen getroffen und ihnen auch mit asiatischen Produzenten geholfen. Es sind noch wenige letzte Fragen zu klären, die Eintragung steht unmittelbar bevor“, heißt es.

Daisygrip wurde im vergangenen Frühjahr offiziell gegründet. Hartmann und Altrichter gewannen mit ihrem Prototypen einen Ideenwettbewerb in Rostock, erhielten die Exist-Förderung und Unterstützung der Universität Rostock. Die beiden steckten auch ihr eigenes Geld in das Produkt.

Produkt für den Fachgebrauch

Die Gründer versprechen sich viel von der Show, auch wenn sie kein klassisches Verbraucherprodukt sind. Ihr Venenstauer richtet sich vor allem an Krankenhäuser, Arztpraxen und Apotheken. „Wir wollen uns so auch bei Großeinkäufern und Patienten ins Bewusstsein rufen“, sagt Hartmann.

Nennenswerte Umsätze hat Daisygrip vor der Ausstrahlung nach Angaben des Mitgründers nicht gemacht. Verkaufsstart des Produkts war der 1. September. Nun stünden in den Büchern des Startups Anfragen für etwa 1.000 Venenstauer. 5.000 Stück will das Team bis Ende dieses Jahres verkaufen – zum Preis von je 25 Euro. 

Krankenhäuser sind hierzulande chronisch knapp bei Kasse. Die Frage ist, ob eine Mehrheit der Kliniken überhaupt bereit sein wird, in neue Venenstauer zu investieren. Konventionelle Modelle gibt es online schon ab wenigen Euro. Hartmann dazu: „Eine Herausforderung ist es schon, die Mediziner zu überzeugen. Die Argumente in der Gesamtkostenrechnung sprechen aber für uns. Es ist billiger, Krankenhauskeimen vorzubeugen als sie später behandeln zu müssen.“

Bild: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer
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