Doch kein Löwen-Geld für die magnetischen Lego-Möbel von Pazls

Interview. 400.000 Euro wollte Frank Thelen in das Regalsystem eines Berliner Startups investieren. Jetzt ist klar: Das in Aussicht gestellte Kapital ist nie geflossen.

Es hat Klick gemacht. Wenn auch nur beim Möbelaufbau. In der zweiten DHDL-Folge präsentierten die Gründer des Berliner Möbel-Startups Pazls ihren schrauben- und leimfreien Steckmechanismus für Regale. Die Funktionsweise: Integrierte Magnete und Pins stabilisieren die Möbel. Werden zwei Bauteile miteinander verbunden, zieht der Magnet des einen Elements den Pin des anderen heraus und die Verbindung rastet mit einem Klick ein. Das hält die Einzelteile zusammen.

Insgesamt drei Patente hat Pazls auf das Verbindungssystem angemeldet. Online können sich Nutzer die Module in einem Konfigurator nach Wunsch zusammenstellen. Das geht beispielsweise auch bei Anbietern wie Mycs, Stocubo oder dem Schweizer Traditionsunternehmen USM Haller.

Ihre Modulmöbel lassen die drei Pazls-Gründer Thomas Poddey, Philip McRae und Julian Bäßler in Deutschland produzieren. Das Trio hält zusammen 96 Prozent der Startup-Anteile, ein Business Angel ist als einziger Mitgesellschafter dabei. Zu Um- und Absatzzahlen will das 2015 gegründete Unternehmen keine Angaben machen. In der Show sprechen die Gründer von einem angestrebten Mindestumsatz von 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Frank Thelen kündigte daraufhin eine Beteiligung an, wollte in Onlineshop und Vertrieb investieren und den Konfigurator ausbauen. Warum daraus nichts wurde, hat uns Pazls-Geschäftsführer Poddey im Interview erzählt.

Thomas, wollt ihr Ikea Konkurrenz machen?

Wir vergleichen uns ungern mit dem Unternehmen. Als Startup können wir zwar niemals Ikea-Preise erreichen, dafür aber eine höhere Qualität. Und im Gegensatz zu Ikea können unsere Möbel immer wieder umgestaltet werden.

Mehrere hundert Euro sollte man für eines eurer Sideboards schon einkalkulieren. Wie kommt der Preis zustande?

Erst einmal hängt der Preis vom gestalteten Möbelstück ab. Der Vorteil ist, dass sich die Pazls-Möbel immer nach den eigenen Vorstellungen designen lassen. Du kannst also mit einem kleinen Regal starten und dir daraus nach und nach eine riesige Wohnwand bauen.

Frank Thelen habt ihr bei den Dreharbeiten von eurer Idee überzeugt. Er versprach euch 400.000 Euro für 25 Prozent eures Unternehmens. Was ist seitdem passiert?

Das Investment ist im Anschluss leider nicht zustande gekommen. Wir sind getrennte Wege gegangen (Freigeist Capital, Thelens Beteiligungsgesellschaft, hat das auf Nachfrage von Gründerszene bestätigt, Anm. d. Red.)

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Aus welchem Grund?

Thelen und sein Team haben uns bescheinigt, ein hochwertiges und innovatives Produkt entwickelt zu haben. Flexibilität und Individualisierung bei Möbeln seien obendrein zwei spannende Trends, die Pazls damit aufgreift. Dass der Deal nicht zustande gekommen ist, lag letztlich daran, dass Freigeist die Wettbewerbs- und Marktsituation anders eingeschätzt hat, als wir das tun.

Inwiefern?

Es ist teuer, im Möbelmarkt zu wachsen, das Wettbewerbsumfeld ist stark. Dem können wir grundsätzlich beipflichten. Gleichzeitig bieten wir aber klare Vorteile wie Individualität und Wandelbarkeit, können kurze Lieferzeiten realisieren. Außerdem wollen wir uns nicht wie andere Anbieter nur im E-Commerce aufstellen.

In der Sendung sagt ihr aber, dass ihr auf einen reinen Online-Direktvertrieb eurer Produkte setzen wollt.

Das hat sich geändert. Seitdem haben wir einige Vertriebskooperationen geschlossen. Wir arbeiten zum Beispiel mit einem anderen Möbelunternehmen zusammen, das unsere Modulmöbel bei Projekten einsetzt.

Wie war die Stimmung im Gründerteam, als klar war, dass es doch kein Geld von Thelen gibt?

Es war schon sehr schade für uns, weil wir glauben, dass uns ein strategischer Partner nach vorne bringen kann. Deswegen sind wir aber nicht am Boden zerstört.

Wie seid ihr seitdem ohne das Geld zurechtgekommen?

Erstmal wachsen wir aus den eigenen Umsätzen heraus.

Wie kamt ihr eigentlich auf die Idee, Möbel mithilfe von Magneten aufzubauen?

Julian, Philipp und ich sind seit über zehn Jahren befreundet. Während unserer Studienzeit haben wir uns bei Umzügen geholfen. Der Auf- und Abbau der Möbel hat uns immer genervt. In einer WG-Küche haben wir deshalb am Prototypen eines Magneten getüftelt, der Möbel miteinander verbindet, ohne selbst tragendes Element zu sein. Damals waren wir viel in Werkstätten unterwegs.

In Deutschland schwächelt der Möbelmarkt, das Exportgeschäft wächst aber. In China und den USA zum Beispiel boomt der Onlinehandel mit Möbeln. Wohin soll es für euch gehen?

Wir werden uns erstmal auf den deutschsprachigen Raum konzentrieren, dann erst auf die internationale Expansion. Einige interessante Märkte haben wir schon ins Auge gefasst, aber noch keinen Plan, den wir nach außen kommunizieren.

Bild: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer
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