Der Versicherungskonzern Allianz will nun auch in den Markt der Telematiktarife einsteigen. Diese Sondertarife richten sich an Kunden, die freiwillig eine Blackbox in ihrem Auto installieren, damit die Versicherer ihre Fahrweise bewerten können. Je enger man sich an die Verkehrsvorgaben hält und je nachhaltiger man sein Fahrzeug bewegt, desto mehr Punkte kann man sammeln. Ab einem bestimmten Punktestand lassen sich Rabatte erzielen. Diese liegen in Deutschland durchschnittlich bei 15 Prozent.

Neben der Allianz haben auch die HUK Coburg, die VHV und die Itzehoer Versicherung bekanntgegeben, dass man einen Telematiktarif anbieten möchte. Ab dem vierten Quartal 2015 sollen die Tarife für alle Neu- und Altkunden buchbar sein. Bisher bieten nur die Unternehmen Signal (über die Tochter Sijox), Axa und Generali einen solchen Tarif an.

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Telematik-Tarife werden von Verbraucherschützern massiv kritisiert. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen warnte im Winter: „Absolute Transparenz der Verbraucherinnen und Verbraucher kann zu ungleicher Behandlung bei Preisen und zur sozialen Ausgrenzung bei Verweigerung oder Falschverhalten führen.“

Tatsächlich ist es für Verbraucher nicht ganz einfach zu kontrollieren, welche Daten denn nun über die Blackbox an den Versicherer gesendet werden und wie der dann mit den Daten umgeht. Klar ist, dass die Geschwindigkeit, Querbeschleunigungen (Kurvenfahrt), Uhrzeiten (nachts ist es gefährlicher) und auch GPS-Daten gespeichert werden. Ob die kleinen Kästen, die über die ODB-Schnittstelle auf die Motorelektronik zugreifen, auch Dinge wie Motordrehzahl, Verbrauch usw. ausliest, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, wie genau die GPS-Daten sind.

Die ersten Startups tummeln sich mittlerweile auch schon auf dem Markt der Versicherungen. In den USA sammelt seit ein paar Jahren Drivefactor Daten aus Telematiksystemen, um diese Versicherungen zur Verfügung zu stellen, in Deutschland will Safe.me als Versicherungsmakler eine Art persönlicher Berater für seine Kunden sein, der immer nach den besten Angeboten sucht. In allen Fällen geht es darum, dass die Daten der Kunden eine wichtige Rolle spielen. Ein Geschäft, dass sich Allianz und Co. nicht entgehen lassen wollen.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungsgesellschaften verweist aktuell auf eine „freiwillige Selbstverpflichtung“ der Wirtschaft, aber die ist eben nur freiwillig, nicht verpflichtend. Sicher ist aber, dass die Daten auch neue Formen der Analyse zulassen. Zwar wissen die Versicherungen schon einiges über ihre Kunden, jetzt kommen aber weitere Daten hinzu, die zudem live gesammelt, ausgewertet und auch verkauft werden können. Bisher gibt es in diesem Bereich keine gesetzlichen Regelungen, die über den normalen Datenschutz hinausgehen.

Bild: Allianz