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WeCharge-Gründer Andreas Felsl bei seinem DHDL-Auftritt

Wenn in den nächsten Jahren immer mehr Menschen E-Autos fahren, gibt es ein Problem: zu wenig Ladestationen. Andreas Felsl will das Problem lösen, indem er auch private Haushalte mit einer smarten Steckdose ausstattet. Energy-Sharing an jeder Ecke sozusagen. Der Verbrauch wird dabei per App abgerechnet.

Der Schweizer Andreas Felsl ist der Gründer von WeCharge. Felsl schätzt, es wird bis 2025 etwa 54 Millionen batteriebetriebene Zweiräder und knapp sechs Millionen E-Autos geben. Diese 60 Millionen E-Vehikel sollen etwa elf Milliarden Ladevorgänge im Jahr generieren. Sein Startup fokussiert sich dabei auf 90 Prozent dieser Vorgänge.

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Bei der TV-Show “Die Höhle der Löwen” wollte der Unternehmer für sein Projekt die Rekordsumme von drei Millionen Euro von den Investoren. Frank Thelen machte schnell klar, was er davon hält: „Das ist ein wirrer Misthaufen!“ Das ganze Businessmodell wirke wie „ein Studentenprojekt, über das man zwei Wochen nachgedacht hat“, so Thelen.

Im Interview verrät der Gründer, wie er mit der Kritik der Löwen umgegangen ist und wie es mit WeCharge weitergeht.

Andreas, werden wir in zehn Jahren alle elektrisch fahren?

Sicherlich. Und da es schon überall Strom gibt, muss es irgendeine Methode geben, wie man an diesen Strom gelangt. Es geht darum zwischen dem, der Strom hat, und dem, der Strom sucht, einen Deal einzuleiten. Ohne, dass sie miteinander sprechen müssen.

Und das machst Du mit WeCharge?

Wir wollen das bestehende Stromnetz ohne Modifikationen zugänglich machen für smarte Steckdosen. Das ganze erweitert um eine Abrechnungsmethode, die es erlaubt, den eigenen Strom auch einem Fremden zur Verfügung zu stellen. Durch das Scannen mit dem Smartphone kann man diese Dose aktivieren.

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Wie sieht die Konkurrenzsituation für WeCharge aus?

Wir Deutschen denken etwas zu kompliziert. Alle schauen auf Stromanbieter und Speedcharging. Wir hingegen denken an den Privat- und Grundstücksbesitzer. Mit einer Standard-Steckdose kann man über Nacht locker 100 Kilometer Reichweite laden, auch bei einem Tesla. In Asien gibt es Millionen elektrische Fahrzeuge auf den Straßen – hauptsächlich Roller. Dafür braucht man keine aufwändigen Ladesysteme. Das heißt aber nicht, dass WeCharge nur für 220 Volt Strom und Roller gedacht ist, denn ob man kleine oder große Ströme abrechnet, ist egal. Wir fangen nur beim einfachsten an, weil die Markteintrittsbarriere niedrig und das zu erwartende Nutzerwachstum vermutlich viel höher ist als bei E-Autos.

Jochen Schweizer verglich Dein Projekt mit einem „Lucky Punch“, also dem letzten Ausholen vor der Niederlage. Wie siehst Du das?

Mein Gefühl war, dass eine Summe in dieser Höhe grundsätzlich nicht auf dem Schirm der Löwen ist. Ein paar Hunderttausend bekommt noch jeder hin, dafür brauche ich kein DHDL. Das, was dort stattfindet, ist auch kein Investieren. Vielleicht haben sie schlechte Erfahrungen mit Leuten gemacht, die sich durch die Show nur bereichern wollen.

Hast Du Dir die DHDL-Folge denn angeschaut?

Nein, habe ich nicht. Ich hatte dazu auch keine Motivation, denn ich habe alles noch ganz gut im Kopf.

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Was hast Du denn bisher unternehmerisch gemacht?

Ich habe schon ein paar Firmen mitgegründet, die erste 1998. Als mein Hobby und schwierigste Aufgabe habe ich die Fahrradfirma Bionicon gegründet. Das habe ich in meiner Rolle als Gründer leider nicht zum Erfolg führen können. Der neue Besitzer wird es sicher schaffen, aufgrund seiner finanziellen Kraft.

Was waren die Gründe für den fehlenden Erfolg?

Hardware. Sie kostet unglaublich viel Geld, ist schwierig im Vertrieb, erfordert eine hohe Liquidität und verzeiht keine Fehler. Das ist der Unterschied zu einer Software-Firma. Aber aus dem Gelernten ist meine heutige Hauptbeschäftigung entstanden: BrandCloud. Hier geht es um Online-Offline-Probleme im Retailing. Die Idee zu WeCharge hat hier ihre Wurzeln.

Nach Außen hin scheint bei WeCharge seit der Aufzeichnung der Sendung wenig passiert zu sein. Wie ist der Stand?

Wir sprechen im Hintergrund mit vielen Leuten. Hauptsächlich in Asien mit den Zulieferern: Es geht um die Frage, wie man in großer Menge zu einem möglichst günstigen Preis Smart-Devices im Außenbereich auf die Straße bringt. Und wir denken sehr viel über Daten-, Businessmodell und Benutzerfreundlichkeit nach. Das Ganze muss unter anderem gegen Betrug geschützt, ausfallsicher und wasserfest sein. Und wir sprechen mit Investoren aus Holland und Deutschland.

Woher nimmst Du bisher das Geld für Deine Projekte?

Meine Frau hat eine Firma, die im Uhren-Business tätig ist. Und wir investieren gerne – und nicht gerade zimperlich.

Wie viel investierst Du?

Ausreichend. Wenn ich für WeCharge drei Millionen veranschlage, dann kriege ich bei dieser Zahl nicht gleich nasse Füße, sondern sehe das als realistisch. Es dauert immer alles etwas länger und kostet etwas mehr als man denkt.

Bild: Vox