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Der Kult gehört zum Geschäftsprinzip bei Apple. Ein bisschen Aufklärung würde für mehr Überraschung sorgen – vor allem, wenn darauf auch Verlass ist.

Es soll um das nächste große Ding bei Apple gehen: Project Titan – auch gerne als iCar tituliert. Dass der iPhone-Hersteller ein eigenes Fahrzeug mit E-Antrieb entwickelt, ist, wie Elon Musk es ausdrückt, längst ein „offenes Geheimnis“. Am Dienstag vermeldeten mehrere große Medien, darunter auch die New York Times, dass Apple mit der Übernahme von Autohersteller Mclaren und dem Startup Lit Motors liebäugle. Wenig später folgte das Dementi von Mclaren: Es gebe keine Gespräche mit Apple. Doch die Journalisten halten an ihrer Story fest.

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Das Startup aus San Francisco, das eine Art vollverkleidetes E-Motorrad entwickelt, dementierte bisher nicht. Also eine ausgemachte Sache? Natürlich nicht. Die Mutmaßungen werden sich fortsetzen. Wie schon das Manager Magazin im Juli in einer ausführlichen Reportage zum Project Titan herausstellte, werde nicht nur viel Geheinmiskrämerei bei Apple betrieben und Verträge zur Verschwiegenheitspflicht vorgelegt.

Auch was die mögliche Zusammenarbeit mit anderen großen Autoherstellern wie BMW und Daimler anbelangt, muss eher von einem Taktieren und Ausloten die Rede sein als von konkreter Zusammenarbeit. Nichtsdestotrotz werde Apple Zulieferer aus der Automobilbranche brauchen, um das Projekt zu stemmen – so die Schlussfolgerung der Reportage. Diese Einschätzung dürfte nicht weit gefehlt sein.

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Das Bike von Lit Motors würde auch vom Design her in Apples Portfolio passen. (Bild: Lit Motors)

Was aber will Apple mit einem Motorrad, dass lediglich die Besonderheit aufweist, nicht umkippen zu können, indem es sich selbst ausbalanciert? Womöglich die Option, Teile dieser Entwicklung in das eigene Konzept zu integrieren – und wenn es nur der E-Antrieb ist.

Letztlich gehen auch Siri oder iTunes auf Ideen anderer Startups zurück, die von dem Konzern geschluckt und teilweise implementiert wurden. Obwohl das Motorrad 2012 angekündigt wurde, ist es bisher nicht zur Marktreife gekommen. Einige Mitarbeiter von Lit Motors sollen bereits von Apple abgeworben worden sein, heißt es in den jüngsten Medienberichten zum Fall Mclaren und dem Motorrad-Hersteller.

Wollte man andere Teile zum Ganzen von Project Titan hinzuziehen, sollte auch die Beteiligung von Apple an dem chinesischen Mitfahr-Service Didi Chuxing nicht außer Acht gelassen werden. Vermutungen, dass Apple ein Car-Sharing-Modell mit seinem Fahrzeug anbieten will, machten schon im April diesen Jahres die Runde.

Auch Elon Musk denkt seit seinem Masterplan Teil 2 laut über diese Option nach. Apple würde sich wahrscheinlich auch diese Option offen halten wollen. Die Vielzahl an Patenten, die von Apple eingereicht wurden und bisher nicht umgesetzt wurden, sind ein weiteres Indiz für diese Unternehmenspolitik: Erst weiträumig absichern, dann in Verschwiegenheit hüllen und schließlich mit Überraschungen den Markt überrumpeln.

Nach der iPhone-Präsentation von 2007 ist das nächste große Ding längst überfällig. Ob es aber zu einer Überraschung kommen wird, ist in Anbetracht der Vielzahl von Vermutungen, Leaks und Insider-Informationen eher unwahrscheinlich. Überraschen würde Apple eher damit, konkrete Ansagen zu machen: Wir bauen mit XY zusammen ein Fahrzeug, das genau an diesem Tag erscheint. Damit würde Apple sogar Elon Musk verblüffen, der zwar klarere Worte als Tim Cook findet, dafür aber seine Timing-Probleme nicht in den Griff bekommt.

Bild: Getty Images / Justin Sullivan