Robot

Roboter müssen böse sein. Sonst ist es keine Geschichte?

Dinge, die wir nicht verstehen, machen uns Angst. Roboter, Algorithmen und Computer sind hochkomplexe Gebilde. Hollywood-Filme haben ihnen in Filmen wie Terminator oder Matrix ein einprägsames Gesicht gegeben. Aber nicht erst seit diesen Filmen ist das ungute Gefühl in Deutschland weit verbreitet: Maschinen sind der natürliche Feind der Menschheit.

In diesen latent technologiefeindlichen deutschen Gemütshaushalt passt natürlich hervorragend die Geschichte vom Autopilot eines Teslas, der für einen tödlichen Unfall verantwortlich gewesen sein soll. Vor einigen Wochen war das Internet voll mit Berichten zu einem Unglück in Florida. Was dort passierte, ist bis heute nicht ganz geklärt. Doch die Schuld an dem tödlichen Unfall wurde etwas überhastet einer technischen Fehlfunktion im Tesla zugeschrieben.

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Kette von menschlichen Fehlleistungen

Heute wissen wir, dass wahrscheinlich ein weißer LKW den Unfall verursacht hat, weil er beim Linksabbiegen den Tesla übersehen hatte. Außerdem wissen wir, dass der Tesla-Fahrer zu schnell unterwegs war, entgegen der Vorschrift seinen Wagen nicht unter Kontrolle hatte und wahrscheinlich von einem Film abgelenkt war. Ausgerechnet die Technik – das letzte Glied in der Kette – hätte nach all diesen menschlichen Fehlleistungen diesen Unfall verhindern und den Wagen stoppen sollen?

Jetzt gibt es die Gegengeschichte zu Florida. Der Autopilot von Tesla soll geholfen haben, ein Leben zu retten. Ein Anwalt aus Missouri, Joshua Neally, hat einem Lokalsender erzählt, er hätte am Steuer seines neuen Tesla X eine Lungenembolie erlitten. Die starken Schmerzen hätten ihn gezwungen, die Kontrolle seines Fahrzeugs für die Strecke von 20 Meilen auf dem Highway weitgehend an den Autopiloten zu übergeben. Dieser hätte ihn in die Nähe eines Krankenhauses gefahren. Die letzten Meter wäre er dann wieder selber gefahren und anschließend in der Notaufnahme sofort behandelt worden.

Kein Vertrauen in die Technik

Das ist bestimmt nicht der erste Fall, dass die Fahrassistenztechnik Leben rettet. Nur selten wird darüber berichtet. Neallys Geschichte findet sich bis jetzt in keinem deutschen Online-Medium wieder. Dafür aber auf unzähligen US-Websites. Warum? Der inzwischen wieder gesunde Tesla-Fahrer sagt: „Es wird keine wirklich perfekte Technologie geben. Aber ich denke, sie kann das Leben besser und sicherer machen.“ Dieses Vertrauen in die Technik und die Wissenschaft scheint in Deutschland nicht sehr weit verbreitet zu sein. Im Gegenteil. Auch wenn Joshua Neally seine Geschichte dramatischer erzählt haben sollte, als sie sich wirklich zugetragen hat.

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