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Mounir Laggoune ist Deutschlandchef von Captain Train und kennt die Chancen und Probleme der Bahngesellschaften.

Wer sein Ticket über das Deutsche-Bahn-Portal bucht, findet sich in einem unübersichtlichen Wust aus schwer nachvollziehbaren Preisgefällen, bunten Schaltflächen und Werbung für Zusatzangebote wieder. Der französische Bahnticket-Seller Captain Train versucht deshalb die Buchungsvorgänge bei der DB und 19 weiteren europäischen Bahngesellschaften smarter, übersichtlicher und schneller zu gestalten.

Das 2009 in Paris gegründete und seit 2012 auch in Deutschland aktive Portal beschäftigt mittlerweile 65 Mitarbeiter. Dem Unternehmen zufolge habe Captain Train 2015 einen Umsatz von 72 Millionen Euro erwirtschaftet. Zu Beginn dieses Jahres wurde die französische Firma vom britischen Wettbewerber Trainline für 180 Millionen Euro übernommen.

Zusammen kommen beide Ticket-Seller laut der Unternehmensangaben auf einen Kundenstamm von rund 6,5 Millionen registrierten Nutzern. Eine vergleichbare Plattform, die über Landesgrenzen und einzelne Bahngesellschaften hinaus Fahrten verkauft, gebe es bislang nicht, sagt Mounir Laggoune von Captain Train. Preisvergleichs-Seiten wie GoEuro leiten den Nutzer beim Ticketkauf wieder auf die Seite der Transportunternehmen, etwa der Deutschen Bahn. Bei FromAtoB ist allerdings auch die Buchung über das Portal selbst möglich.

Seit Ende 2015 kümmert sich Mounir Laggoune für Captain Train um den deutschen Markt. Im Interview erklärt er, mit welchen Features Captain Train die Bahnreise erleichtert, warum die Deutsche Bahn die Digitalisierung zum Teil verschlafen hat und weshalb immer noch nicht alle Regionalstrecken online gebucht werden können.

Was macht ihr, was die Deutsche Bahn mit ihrem Online-Buchungsportal nicht hinbekommt?

Wir vereinen Strecken aus 20 europäischen Ländern und sind direkt an die Buchungssysteme der Bahnunternehmen angeschlossen. Captain Train sucht für eine Verbindung in allen Systemen gleichzeitig nach der preiswertesten Kombination verschiedener Züge aus unterschiedlichen Bahnunternehmen. Die Idee ist, dass wir der Reisebegleiter für alle Belange sind. Wenn etwas passiert, dann informieren wir dich oder du kannst über uns Kontakt zur Bahn aufnehmen.

Mit welchen Features unterscheidet ihr euch sonst noch?

Die Buchung dauert in der Regel nicht länger als eine Minute. Eine angefangene Desktop-Buchung kann über unsere App zu Ende geführt werden und muss nicht immer wieder neu angefragt werden. Wenn man ein Konto anlegt, werden die gebuchten Fahrten beispielsweise als Kalendereintrag bei Outlook hinterlegt. Außerdem nutzen wir Live-Daten über GPS. Kommst du etwa eine halbe Stunde vor Abfahrt am Bahnhof an, dann schicken wir dir per Push-Nachricht das Gleis oder einen Hinweis, dass der Zug Verspätung hat. Wir versuchen immer so viel Infos wie möglich an den Kunden weiterzuleiten.

Gebt ihr die Daten an Dritte weiter?

Die Kundendaten werden nicht an Dritte weitergegeben. Wenn allerdings die deutsche Bahn eine Identifizierung fürs Ticket fordert, dann müssen wir diese Daten für die Buchung an die Bahn weiterleiten. Ansonsten sind wir komplett transparent – das ist wichtig für uns. Deshalb haben wir auch auf Wunsch der deutschen Kunden eine Version ohne Kundenkonto eingeführt. Wir haben gemerkt, dass sie erst mal den Service testen wollen. Vielen User legen sich dann aber später ein Konto an.

Wie viele Kunden habt ihr bereits gewonnen und womit verdient ihr euer Geld?

Wir haben 1,8 Millionen registrierte Nutzer in Europa, in Deutschland sind es derzeit 150.000. Jedes Mal wenn wir ein Ticket verkaufen, zahlen uns die Bahnunternehmen eine Provision aus. Das sieht der Kunde nicht. Das gehört zu der Idee: Wir wollen nichts Überflüssiges anzeigen. Deshalb gibt es auch keine Werbung.

Ihr habt 2009 begonnen. Versteht ihr euch noch als Startup? Und wie seid ihr mit der Szene vernetzt?

Ja, das tun wir. Die Arbeitsweise verläuft noch wie am Anfang. In unserem Pariser Büro sitzen alle Abteilungen vermischt, damit wir uns besser austauschen können. Wir stehen zudem mit vielen Startups aus der Mobility-Szene im Kontakt. Es ist extrem wichtig, sich nicht als alleinstehende Lösung zu sehen, sondern als Schnittstelle. Man sollte sich immer überlegen: Wie kann ich mit anderen Apps kommunizieren? Ich denke, dass wird sich in den nächsten Jahren stark entwickeln.

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Kannst du nochmals präzisieren, was die Digitalisierung für die Bahn bedeutet?

Die Bahnbranche hat lange für die Digitalisierung gebraucht. Das war bei Fernbussen anders – alles war von Anfang an online, die Preise transparent. Bei Flügen ist das ähnlich. Man schaut nicht auf die Airline, sondern auf den Preis. Das gab es nicht bei den Bahnunternehmen. Als wir dann mit unserem Angebot eingestiegen sind, sahen uns die Bahngesellschaften am Anfang als Wettbewerber. Jetzt, nachdem sie verstehen, was wir machen, erkennen sie die Vorteile. Wir bringen denen neue Kunden und Zusatzeinnahmen.

Über die DB-Seite kann man Fahrten mit der S-Bahn und anderen regionalen Anschlüssen aus verschiedenen Verkehrsbünden nicht online buchen. Geht das mit eurer Seite?

Heute ist das leider noch nicht möglich. Das ist sehr frustrierend, denn wir wollen jedes Ticket anbieten. Allerdings können generell Tickets der Verkehrsverbünde nicht online über Dritte gebucht werden. Das liegt daran, dass sich die Verkehrsbünde nicht einigen können, wie sie die Einahmen untereinander aufteilen. Deshalb ist ein Teil des Bahnverkehrs fast vollständig offline. Auch aus politischer Sicht fehlt es an einer Regelung, dass sich alle Verbünde an das DB-Portal anbinden. Es gibt aber Initiativen, die das ändern wollen. Aber es wird wahrscheinlich noch einige Zeit dauern. Das Thema ist extrem komplex. Bisher ist die Regionalbahn nur bei der Buchung dabei, wenn die Verbindung auch ein Fernverkehrsticket enthält.

Danke für das Inteview, Mounir!

Bild: Captain Train; Der Artikel wurde nachträglich angepasst.