Thomas Herzog

Thomas Herzog ist Mitgründer und CEO des E-Antrieb-Startups Pendix

Während der Hype um Tesla vor allem Millennials in seinen Bann zieht, wird die E-Bike-Branche das Senioren-Image nur schwerlich los. Dabei sind die E-Antriebe für Fahrräder in den vergangenen zwei Jahren smarter, leichter und auch im Design moderner geworden. Dem ZIV zufolge sollen bereits 2,5 Millionen E-Bikes auf deutschen Straßen unterwegs sein. Einen zeitgemäßen E-Antrieb fürs Bike wie auch das Bewusstsein für die Image-Problematik bringt Mitgründer Thomas Herzog mit. Er hat 2013 in Zwickau das Startup Pendix mit vier anderen Partnern gegründet und vertreibt bereits in acht europäischen Ländern einen nachrüstbaren E-Motor für Fahrräder.

Zuvor war Herzog in der Automobilbranche tätig. Das Thema E-Bike hat den heutigen Pendix-CEO dann durch Zufall auf Abwegen gebracht – „zum Glück“, wie er heute sagt. Nach anderthalb Jahren Entwicklungszeit und durch die Unterstützung des Technologiegründerfonds Sachsen wurde der Antrieb schließlich im August 2015 gelauncht. Über 1.000 Motoren sollen bereits im vergangenen Jahr verkauft worden sein, so der Gründer. Derzeit produziere man 500 im Monat. Kostenpunkt 1490 Euro – nicht gerade günstig, aber gefragt.

Im Interview mit Gründerszene erzählt der Pendix-Gründer, warum er aufs E-Bike umgestiegen ist, was es mit dem Image auf sich hat und warum auch Zwickau als Gründerstandort taugt.

Haben E-Bikes ein Image-Problem?

Egal wen du fragst: Wer selber noch kein E-Bike gefahren ist, geht meistens davon aus, dass E-Bikes nur etwas für ältere Leute sind.  Dabei ist unsere zweitgrößte Interessengruppe mittlerweile unter 23 Jahre alt. Selbst Extremsportler nutzen E-Antriebe, etwa beim Downhill. Mehr als 530.000 E-Bikes sind allein in diesem Jahr in Deutschland verkauft worden. Und trotzdem glaube ich, dass der Image-Aufbau eine längerfristige Angelegenheit sein wird.

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Woran machst du das fest?

Du merkst auf Fahrrad-Messen, dass die Akzeptanz gegenüber E-Bikes extrem hoch ist, wenn die Technologie vorgeführt wird und man sie ausprobieren kann. Man sollte trotz des Image-Problems berücksichtigen, dass E-Bikes mittlerweile einen Marktanteil von 12 Prozent haben. Dagegen sind E-Autos ein Nischenprodukt. Beim Fahrrad hast du einen Zusatznutzen, beim Auto musst du auf Komfort verzichten. Denn für das Fahrrad braucht man nicht die zusätzliche Infrastruktur wie beim Auto. Vor fünf Jahren hätte man noch gesagt, ein solches Rad ist nur was für Omas. Aber gerade was das Design und die Funktionalität angeht, hat sich viel getan. Den Leuten ist es wichtig, dass das Rad nicht wie ein Dampfer aussieht.

Bei eurem Antrieb sieht man erst auf den zweiten Blick, dass es sich um einen Akku und nicht um eine Getränkeflasche am Rahmen handelt. War das gewollt?

Es war unsere Strategie, den Antrieb an der Kurbel unscheinbar zu machen und den Akku hervorzuheben. Wenn du beispielsweise in der Nacht unterwegs bist, dann kann jeder die  Ladeanzeige erkennen, du siehst die LED. Das ist auch als Markeneffekt gedacht.

Was unterscheidet euren E-Antrieb von anderen?

Der Antrieb kann nachträglich an ein Fahrrad montiert werden. Wir verkaufen es an Fahrradhändler als Nachrüstlösung oder Hersteller, die es direkt verbauen. 180 Fahrradhändler und sieben Hersteller sind bereits Vertragspartner. Der Antrieb selbst hat ein vergleichsweise niedriges Gesamtgewicht. Damit bleibst du etwa fünf bis sieben Kilo unter dem E-Bike von der Stange. Außerdem ist der Motor geräuschlos und behält das normale Fahrradfahrgefühl bei.

Pendix_bike

Die Antriebskurbel ist unscheinbar, der abnehmbare Akku erinnert an eine Getränkeflasche.

Wie bist du überhaupt aufs E-Bike gekommen?

Das war eher Zufall. Ich hatte schon vorher ein Startup mitgegründet, bei dem es ebenfalls um Antriebstechnologien ging – Herms Technologies. Dort haben wir überwiegend Prototypen für Hersteller und Zulieferer aus der Automobilbranche entwickelt, unter anderem Steuergeräte für Rallyes und den Le-Mans Einsatz. 2012 kam dann erstmals ein Auftrag rein, einen Motor fürs Fahrrad zu entwickeln. Dieser hatte konzeptionell nicht mit Pendix zu tun, hat uns aber für das Thema Elektrofahrrad begeistert. Unsere Idee stand dann schnell fest: Der eigene Antrieb sollte einfach zu integrieren und intuitiv zu bedienen sein. Aus dem Konzept wurde 2013 dann eine Gründungsidee.

Kannst du dein Aha-Erlebnis genauer schildern?

Wir hatten schon 2012 mit Herms Technologies ein Investment angestrebt, aber das ist im Automobilbereich äußerst schwierig. Die Zeitschiene und der Kapitalbedarf für einen eigenen Antrieb im Automobilumfeld waren einfach zu umfassend, um ein Investment in dieser jungen Unternehmensphase zu erhalten. Wir haben stattdessen das Knowhow aus dem letzten Unternehmen, das komplett eigenfinanziert war, in das neue mitgenommen. Pendix ist also kein klassisches Startup, sondern mit drei Jahren Vorerfahrung weitergedacht worden. Nach der Gründung 2013 ging es bei Pendix dann mit der Seed-Finanzierung recht schnell. Mittlerweile können wir auch auf eine Folgefinanzierung im siebenstelligen Bereich zurückblicken.

Akku

Der Akku auf der Ladestation. Die grüne LED-Leiste zeigt an, dass der Akku voll ist.

Euer Hauptsitz ist in Zwickau. Die Stadt ist nicht gerade als Startup-Hotspot bekannt. Habt ihr euch bewusst für den Standort entschieden?

Es war schon eher ein extremer Schritt, hier zu bleiben (lacht). Im technischen Bereich kannst du aber viele gute Leute bekommen wegen der Hochschulnähe. 31 Mitarbeiter haben wir bereits. Die Umgebung ist auch so sehr automobillastig, für uns passt das hervorragend wegen der Zulieferer. 90 Prozent des Antriebs wird bei deutschen Zulieferern beschafft. Die Endmontage und Prüfung nehmen wir aber selbst in Zwickau vor. Wir haben wenig Rückläufe und technische Probleme bisher. Du merkst am Feedback der Leute, dass es sinnvoll ist, das Qualitätsmanagement auf unserer Seite zu haben.

Ihr vertreibt den Motor auch im Ausland, wie geht es da weiter?

Unser Fokus ist auf den deutschen Markt gerichtet. Wir haben aber schon Distributionspartner in acht europäischen Ländern gewinnen können. Und so soll es weiter gehen. Wir wollen außerdem das Produkt so weiter entwickeln, dass es einen größeren Akku mit mehr Ladekapazität gibt und unterschiedliche Tretlager verwendet werden können.

Vielen Dank für das Interview, Thomas!

 

Bild: Pendix