Gründer, Unu, E-Roller

Die Unu-Gründer Pascal Blum und Elias Atahi

In den Städten zeigt sich überall ein ähnliches Bild: Stillstand, Abgase, Lärm. Gleich drei Dinge, die Unu aus der Welt schaffen will. Immer öfter sieht man den geräuschlosen Elektroroller von Unu an Staus vorbeihuschen. Wenn es nach den Gründern des in Berlin ansässigen Startups geht, soll sich das gewohnte Stadtbild so schon bald verändern.

Elektro-Antrieb, Sharing und autonomes Fahren seien die drei großen Bereiche, die man bei Unu miteinander in Einklang bringen wolle, erzählt Mitgründer Elias Atahi: „Wir wollen den Leuten wieder den vollen Zugang zum Stadtleben ermöglichen.“ Die Idee, die auf einer Asienreise durch die chaotischen Megastädte Peking, Shanghai und Hong Kong reifte, haben die beiden Gründer Elias Atahi und Pascal Blum nach ihrer Heimkehr 2013 sogleich in Angriff genommen.

Die beiden Business Angels Maximilian Thyssen und Michael Hoeck haben das Startup in der frühesten Phase dabei begleitet. Nachdem auch der US-amerikanische Investor Michael Baum als Geldgeber hinzukam, hatte Unu Ende 2013 bereits 350.000 Euro zusammen. Mithilfe des Startkapitals ging der E-Roller ein Jahr später in Berlin an den Start.

Mittlerweile sind drei verschiedene Leistungsvarianten erhältlich, was sich überwiegend bei der Beschleunigung bemerkbar macht. Die mittlere Variante ist vom Anschaffungspreis her ähnlich wie ein vergleichbarer Benzinroller. Allerdings sollen für den Elektroflitzer im Jahr gerade mal 40 Euro Stromkosten anfallen. Geladen wird an der heimischen Steckdose, der Akku unter dem Fahrersitz lässt sich einfach herausnehmen.

Anzeige
„In den ersten zwölf Monaten konnten wir über 1.000 Kunden gewinnen“, berichtet Atahi. Schon jetzt lasse sich absehen, dass die Absatzahlen im noch laufenden zweiten Jahr deutlich höher ausfallen werden, betont er. Genaue Angaben möchte er darüber allerdings nicht machen. Mitgründer Pascal Blum ist momentan in den USA unterwegs und pitcht für die nächste Finanzierungsrunde. Insgesamt hat Unu bereits 3,5 Millionen Euro von Investoren eingesammelt – auch von Capnamic Ventures, Iris Capital oder Andy Goldstein.

Gogoro ist bislang der einzig größere Wettbewerber mit einem vergleichbaren Produkt. Auf die Konkurrenz blickt der Unu-Gründer allerdings relativ gelassen. Sogar die Gerüchte, dass BMW in China bereits Elektroroller in der gleichen Klasse produziere und kurz vor der Markteinführung stehe, scheinen ihn nur wenig zu beunruhigen. Die bestehende Automobilindustrie sei aufgrund der zu unterhaltenden Fabriken, aufwendigen Produktionsketten und hohen Zwischenhändlermagen zu schwerfällig, sagt Atahi.

Das Startup könne hingegen jederzeit auf andere Partner ausweichen und agiler auf Marktsituationen reagieren. Unu baut bislang auf das Prinzip Build-to-Order: Wenn genügend Roller-Bestellungen eingegangen sind, werden die Roller bestellt – ebenfalls in China. In naher Zukunft will Unu jedoch mehr auf Vorrat produzieren und in Stadtnähe lagern, um die Auslieferung zu beschleunigen.

Apple ist der eigentliche Wettbewerber

„Ich sehe es eher als problematisch an, wenn die ganzen Tech-Unternehmen auch noch auf den Markt drängen“, verrät der Gründer. Wie auch Apple liegt dem Startup viel am Design. Während Automobilhersteller mit Performance punkten wollen, konzentriert sich Unu mehr auf den dazugehörigen Lifestyle und die User Experience – auch dank direkten Kundenkontakts.

Statt in klassischen Showrooms und Glashäusern auszustellen, kooperierte Unu beispielsweise mit Fashion-Läden und setzt momentan vor allem auf sogenannte Pioniere. Möchte man den Roller ausprobieren, kommt der Pionier zuhause vorbei, stellt den Roller vor und lässt den potenziellen Kunden eine Testfahrt unternehmen. „Etwa 30 Prozent der Leute, die sich auf den Roller setzen, kaufen ihn auch“, berichtet der Gründer.

Anzeige
Als nächstes plant das Startup, den Sharing-Aspekt aufzurollen, um das Ideal einer staufreien und für alle zugänglichen Stadt zu realisieren. Eine naheliegende Kooperation mit dem bereits recht erfolgreich agierenden E-Roller-Verleih eMio aus Berlin sei allerdings nicht anvisiert. Mittelfristig wolle man sich zudem auch Lösungen im Bereich Autonomous Mobility anschauen: „Wir könnten jetzt aufhören bei den Rollern, – aber das ist nicht unser Ziel.“ In diesem Jahr sind allerdings noch keine neuen Produkte zu erwarten. Wie die neuen Fahrzeuge aussehen werden und ob so etwas wie ein fahrerloser Roller kommt, der den Kunden wie ein Taxi abholt, ließ Atahi mit einem Grinsen unkommentiert.

Der in deutschen, schweizerischen und österreichischen Städten erhältliche E-Roller soll in diesem Jahr in den Niederlanden und Frankreich an Fahrt aufnehmen. Mit monatlich sechsstelligen Umsätzen wolle man in zwei Jahren den Break Even schaffen, sagt Atahi.

Bild: Unu / Hinweis: Die Überschrift des Artikels wurde geändert