In den Chrysler Pacifica baut Google nun seine Software ein

Google bastelt seit längerem an einem autonomen Fahrzeug. Nun macht das Unternehmen den ersten Schritt in Richtung Serienproduktion. Zusammen mit dem Fiat-Chrysler Konzern (FCA) wird man auf Basis des Chrysler Pacifica den ersten Mini-Van mit der Technik von Google ausstatten. Der Deal ist vor allem für den angeschlagenen FCA-Konzern ein Befreiungsschlag. Aber auch nur auf den ersten Blick.

Der erste Schritt in der neuen Kooperation umfasst die Herstellung von 100 Mini-Van. Dabei nimmt man den existierenden Chrysler Pacifica und passt diesen auf die Bedürfnisse von Google an. Das Auto wird von Fiat in Zusammenarbeit mit Google mit den für das autonome Fahren nötigen Computern und Sensoren ausgestattet. Dabei verbindet Google die gesamte Motor- und Steuerungselektronik mit der eigenen Software für das autonome Fahren.

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Es ist das erste Mal, dass Google direkt mit einem OEM (Original Equipment Manufacturer) zusammenarbeitet, um ein selbstfahrendes Auto zu bauen. Bisher hatte man nur eine Kooperation mit einem Zulieferer von Ford, der die kleinen Google Pods herstellt. Google verspricht sich von der Zusammenarbeit mit Fiat erste Erfahrungen, wie man die eigene Software in eine bestehende Produktionslinie einarbeitet. Die Erfahrungen sollen später in anderen Baureihen übernommen werden. Bisher war Google mit allen Anfragen bei den großen Herstellern abgeblitzt, darunter auch bei Mercedes und VW.

Für Fiat-Chrysler ist die Zusammenarbeit überlebenswichtig, denn der Konzern verfügt über keine eigene Forschung im Bereich des autonomen Fahrens. Für Fiat-Chef Sergio Marchionne ergibt es laut eigener Aussage keinen Sinn, wenn alle Hersteller ihr eigenes System entwickeln, statt auf eine gemeinsame Lösung zu setzen.

Laut Bloomberg wird Fiat aber keinen Zugriff auf die Software von Google haben. Fiat macht damit den ersten Schritt weg von der kompletten Herstellung des eigenen Fahrzeugs, hin zu einer Art Hybrid-Modell. Man stellt die Hülle her, die Software kommt aber von einem anderen Hersteller. Diesen Weg wollen Premium-Hersteller wie Audi, Daimler, Toyota oder Honda nicht einschlagen, da sie fürchten, zu einem reinen Zulieferer für andere zu werden. Das gilt vor allem für die Daten, die während der Fahrt gesammelt werden. Die landen in Zukunft bei Google, nicht bei Fiat.

Für Google ist die Herrschaft über die Software im Auto wichtig. Analog zu Android oder dem Chrome-Browser, kann Google in Zukunft Dienstleistungen wie Apps rund um das Fahren anbieten. Es ist davon auszugehen, dass Google sein Betriebssystem Android im Auto anbieten wird und es dem Fahrer leicht machen wird, sein Smartphone mit dem Fahrzeug zu verbinden. Gleichzeitig wird Google für die Nutzung der Software eine Lizenzgebühr verlangen. Der US-Konzern gewinnt also auf der ganzen Linie.

Bild: FCA