Elektronische Ticketsysteme für den Nahverkehr gleichen bisher einem Flickenteppich. Mal gehen sie, mal gehen sie nicht – und in Deutschland kocht jeder Verkehrsverbund sein eigenes Süppchen. Die Kunden dürfen weiter mit Kleingeld hantieren und Touristen verzweifeln an der Bedienung der Automaten. Die Bahn experimentiert seit einigen Jahren mit dem System „Touch & Travel“, bei dem man, einmal angemeldet, per NFC und Smartphones seine Fahrkarten erwerben kann. Aber gleichzeitig beteiligen sich nur wenige Verkehrsverbünde an dem durchaus praktischen System.

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Abhilfe soll nun eine komplette Neuentwicklung schaffen, die auf den Namen IPSI (Interoperable Produkt-Service-Interface) hört. Dieses neue System soll für alle großen Verkehrsverbünde funktionieren und bundesweit den Ticketverkauf vereinheitlichen. Der User gibt innerhalb der App einfach Start und Ziel ein und bekommt, ohne auf irgendwelche Tarifstrukturen achten zu müssen, sein Ticket aufs Smartphone.

Sollte IPSI so funktionieren, wie sich das die Hersteller vorstellen, könnte man mit jeder App eines regionalen ÖPNV-Anbieters irgendwo in Deutschland sein Ticket erwerben. Die BVG-App würde in Hamburg, Köln oder Frankfurt funktionieren. Nachteil von IPSI: Der Kunde muss weiter per Hand eingeben, wo er hinwill. Eine Kombination mit dem „Touch & Travel“-System der Bahn, wo man sich am Ende der Fahrt einfach ausloggt, ist nicht geplant.

Ein bisschen Geduld muss noch haben, bis das neue System in alle Apps integriert sein wird. Ab Ende 2015 wollen die ersten Verkehrsverbünde IPSI für ihre Kunden freischalten. Mit dabei sind bisher: die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die Deutsche Bahn (DB), die Hamburger Hochbahn (HHA), die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die Münchener Verkehrsgesellschaft (MVG), der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), die Stadtwerke Münster, der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), die Stuttgarter Straßenbahn (SSB) und der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS).

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