Deutsche Hersteller suchen neue Vertriebswege für ihre Fahrzeuge.

Die Frage, ob man in Metropolregionen überhaupt noch ein Auto benötigt, stellen sich gerade viele Menschen. Carsharing-Angebote machen es leicht, auf das eigene Fahrzeug zu verzichten. Das ist ein Problem für die Hersteller, die ihr Absätze gefährdet sehen. Daimler und BMW haben sich vor Jahren schon dazu entschieden, eigene Mobilitätsplattformen zu gründen. Zwar sind Car2Go (Daimler) und DriveNow (BMW) noch nicht in allen Städten profitabel. Aber vor allem BMW nutzt DriveNow auch, um neue Fahrzeuge zu promoten. Beim dritten deutschen Premiumhersteller Audi gab es bisher wenig Bewegung in die Richtung. Doch nun geht der Konzern einen anderen Weg und probiert weltweit verschiedene Systeme aus, mit denen Kunden flexibel Fahrzeuge des Konzern mieten oder teilen können, ohne die Fahrzeuge kaufen zu müssen.

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 In Deutschland gibt es seit Anfang des Jahres das Programm Audi Select. Kunden können entweder für sechs oder zwölf Monate bis zu drei verschiedene Modelle mieten. Das Angebot umfasst allerdings eher teure Fahrzeuge des Unternehmens. Der monatliche Mietpreis liegt zwischen 999 Euro und 1.621 Euro. Im Preis inbegriffen sind Steuer und Versicherung, ein Hol-und Bringservice und die Wartung des Fahrzeugs. Praktisch: Man kann sich für den Sommer ein Cabrio und für den Winter einen SUV mit Allradantrieb mieten. Nicht so praktisch: Audi beschränkt die Bewegungsfreiheit, man darf mit den Mietfahrzeugen nicht nach Grossbritannien oder ins osteuropäische Ausland fahren. Warum Audi auch ausgerechnet in Städten nur große Fahrzeuge und nicht einen Kleinwagen wie den A1 anbietet, ist unverständlich.

In den USA gibt es gleich zwei neue Vertriebswege. Audi on Demand ist ein System, das zur Zeit ausschließlich in San Francisco angeboten wird: Im Grunde handelt es sich um ein eigenes Autovermietungssystem. Per App kann man sich einen Wagen für einen oder mehrere Tage mieten, das Auto wird dann von einem Mitarbeiter gebracht und auch wieder abgeholt. Die Kosten sind relativ hoch, unter 165 Dollar am Tag geht nichts.

Einen anderen Weg geht Audi at Home. In den USA sind gated communities, also geschlossene Siedlungen für eher betuchte Einwohner an der Tagesordnung. Diese Wohnbereiche, meist hinter Mauern und bewacht, bieten bis hin zum Einkaufsservice verschiedene Services. Audi stellt für ausgewählte Siedlungen Fahrzeuge zur Verfügung. Ein Mieter kann sich beim Concierge der Siedlung einen Schlüssel für ein Fahrzeug holen, abgerechnet wird auf Stundenbasis. Preise hat Audi bisher nicht kommuniziert.

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Bereits vor zwei Jahren hatte der US-Gigant General Motors in New York etwas ganz Ähnliches versucht. In den Mieten eines Wohnungskomplexes war die Nutzung eines Klein-SUV inkludiert. Dazu hatte man Platz in verschiedenen Tiefgaragen in New York angemietet. Eine Auswertung des gesamten Versuches steht zwar noch aus. Zufrieden war man bei GM aber wohl nicht, denn weitere Experimente in diese Richtung gab es nicht.

In Schweden soll währenddessen Audi Unite eine etwas andere Art des Carsharing sein. Hier kann man sich mit Freunden einen Wagen und damit alle Kosten teilen. Das Auto wird also von einer ganzen Gruppe von Menschen angemietet, die sich dann absprechen müssen, wer wann mit dem Wagen unterwegs ist. Das Micro-Carsharing genannte System ist bislang nur in Stockholm verfügbar.

Die Bemühungen aus Ingolstadt können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der gesamte Volkswagen-Konzern das Thema Carsharing bisher komplett verschlafen hat. Zwar testet VW seit zwei Jahren in Hannover unter dem Namen Quicar ein eigenes Angebot. Doch eine Expansion in andere Städte ist bisher nicht geplant. Immerhin: Die Suche nach neuen Vertriebsformen über den normalen Verkauf hinaus verdeutlicht ein Bewusstsein, dass reine Abverkäufe vor allem in Metropolregionen in den nächsten Jahren schwierig werden. Die Kunden verlangen spontane Mobilität – ohne selber ein eigenes Auto besitzen zu müssen.

Bild: Audi AG