Uber-CEO Travis Kalanick (links) diskutiert mit Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Es sind die kleinen Zeichen, die dieses Gespräch entscheiden. „Uber ist eine treibende Kraft des Wandels“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche, in Richtung des CEO des umstrittenen Startups. Ein Wandel, der die Autoindustrie dazu zwingt, nicht nur Autos zu bauen, sondern künftig über Mobilitätsdienstleistungen wie Uber nachzudenken. Und der Uber-Chef Travis Kalanick zeigt einen ähnlichen großen Respekt für die alte Auto-Welt. So schwärmt er von seinem Ausflug in das Daimler-Werk in Stuttgart. Mehrmals fällt das Wort „Excellence“.

Die beiden Chefs reden auf Augenhöhe – das fällt auf bei dem Gespräch am Mittwoch auf der Tech-Konferenz Axel Springer Noah. Beide Unternehmen sind ähnlich viel wert: Uber hat eine Unternehmensbewertung von 62,5 Milliarden Dollar und das deutsche Traditionsunternehmen bringt es an der Börse auf etwa 63 Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Und doch repräsentieren sie komplett unterschiedliche Welten: Daimler verkauft hauptsächlich Autos, Uber organisiert Mobilität. Wie stehen sie also zueinander?

„Es wäre dumm, in einen Verteidigungsmodus zu gehen“

Die beiden Unternehmen müssten eigentlich auf Konfrontationskurs gehen. Denn im Selbstverständnis von Uber-Chef Kalanick soll es bald viel weniger Autos geben. „Mehr Menschen, weniger Autos“, ist das Ziel, mit dem Kalanick sein Angebot Uberpool promotet. Verschiedene Taxi-Strecken sollen damit zusammengefasst werden. In einigen Städten läuft das Angebot bereits.

Aus diesem Plan folgt: Weniger Autos sind schlecht für Daimlers Geschäft. Darauf angesprochen, entgegnet Dieter Zetsche: „Es wäre dumm, in einen Verteidigungsmodus zu gehen.“ In vielen Länden seien zwar momentan noch Autokäufe sehr angesagt, doch der Dax-Konzern müsse viel weiter in die Zukunft denken. Dafür hätten sie beispielsweise MyTaxi gekauft, in Blacklane investiert und die Mobilitätsapp Moovel gestartet.

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Also, warum nicht zusammenarbeiten? Schließlich hat Toyota kürzlich viel Geld in Uber investiert und von Volkswagen sind gerade 300 Millionen in den Uber-Konkurrenten Gett geflossen. Zetsche erklärt: „Bei Blacklane haben wir einen starken Einfluss durch das Investment“. Um so einen Einfluss bei Uber zu haben, hätten sie wohl 35 Milliarden Dollar investieren müssen. Und ohne diesen großen Einfluss hätte ein Investment nicht den strategischen Wert, den es für Daimler braucht.

Zu eventuellen Kooperationen schweigen sich die beiden aus. Es gab etwa Gerüchte, dass Uber 100.000 selbstfahrende Mercedes geordert habe. Dieses Thema ist für beide entscheidend für die Zukunft: autonome Autos. „Aus Car2Go wird Car2Come“, sagt Zetsche. Dadurch würde aus ihrem Carsharing-Angebot ein ähnliches Angebot wie Uber. Auch Kalanick sieht dort für seinen Dienst die Zukunft: „Aber es wird noch Jahrzehnte dauern, bis es soweit ist.“

Und so beschreibt Zetsche sein Verhältnis zu Uber als „Frenemy“, eine Mischung aus Freund und Feind. „Das nennen wir in Deutschland Ehe“, sagt der Daimler-Chef. Seine vielen Gags deuten darauf hin: An diesem Abend liegt der Akzent mehr auf Freund als auf Feind.

Bild: André Vollbracht. Hinweis: Axel Springer ist Gesellschafter der Vertical Media GmbH, dem Medienhaus von Gründerszene. Weitere Informationen zur Vertical Media GmbH hier: www.vmpublishing.com.