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Die Gründer von Park Here: Felix Harteneck, Clemens Techmer, Jakob Sturm (v.l.)

Parkplatzsuche ist ein lästiges Thema. Im Schnitt brauchen wir zehn Minuten, um eine freie Parklücke zu finden, zeigt eine Umfrage. Einer Analyse von Audi zufolge tragen Parkplatzsuchende sogar zu 30 Prozent der Staus während der Hauptverkehrszeit bei. Grund genug für zahlreiche Startups, das Parkproblem mit Algorithmen und Apps anzugehen.

Parktag etwa hat im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Euro Fördergelder von der EU erhalten, um freie Stellflächen mittels der Smartphone-Sensoren zu erfassen. Das Kölner Startup EvoPark bekam im Juli dieses Jahres von Porsche ein siebenstelliges Investment – mit elektronischen Tickets für die Tiefgarage oder das Parkhaus konnten die Gründer den Autohersteller überzeugen. Ein anderes Kölner Startup, Ampido, vermittelt private und gewerbliche Stellplätze. Und auch BMW hat mit seiner Beteiligung an dem US-Startup Zirx das Thema Parkplatzsuche auf dem Schirm.

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Da stellt sich zu recht die Frage, braucht es wirklich noch mehr Player in diesem Segment? Ja, meint Felix Harteneck, einer der drei Gründer des Münchner Startups Park Here. Viele der Möglichkeiten, die es bisher gebe, seien zu kosten- und wartungsintensiv. Das 2015 gestartete Unternehmen ist eine Ausgründung der TU München und bietet neben den virtuellen Plattformen zudem eine handfeste Alternative. Es geht um energieautarke Bodensensoren, die weder gewartet noch geladen werden müssen. Diese streifenartigen Module werden in den Asphalt eingelassen oder aufgeklebt.

In den Modulen befänden sich eine Art Kristalle, die durch Druck oder Vibration Energie erzeugten, erzählt Harteneck. Es handle sich dabei um den sogenannten Piezoeffekt. Wenn ein Auto über den Parkplatz mit den verbauten Sensoren fährt, laden sich die Module selbst wieder auf. „Sie halten bei hoher Belastung bis zu 25 Jahre ohne Wartung“, so der Gründer. Die Informationen aus den Sensoren werden an eine Basisstation via Funk geschickt. Diese befindet sich im Umkreis von 250 Metern an einer Laterne oder an einem Straßenschild und werden über ein smartphonegroßes Solar-Panel mit Strom versorgt. Über eine Basisstation könnten so unzählige Sensoren angesteuert werde, sagt Harteneck. Die Daten gehen per GPRS an den Server.

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Die energieautarken Sensoren laden sich durch Druck und Vibration von darüber fahrenden Autos auf.

An möglichen Partnern mangelt es nicht

Am Hauptbahnhof in München seien die Sensoren schon an den Park-and-Ride-Plätzen verbaut, erzählt Harteneck.  Jemand, der eine Bahnfahrt gebucht hat und mit dem Auto zum Bahnhof anreist, kann dadurch vorab einen freien Parkplatz ausfindig machen und reservieren. „Die Deutsche Bahn hat ein Interesse daran, die gesamte Reisekette vom Kunden digital abzubilden“, sagt der Gründer.

Der Autofahrer selbst bekommt über das Navigationsgerät im Auto oder über eine App, etwa die der Deutschen Bahn, die freien Parkplätze angezeigt. Dass Park Here dahinter steckt, sieht er allerdings nicht. Das Startup liefert lediglich die Plattform mit den Daten und beschränkt sich aufs B2B-Geschäft. Was die Sensoren genau kosten, sagt Harteneck nicht. „Die Kunden zahlen nicht für die Hardware, sondern für die Daten“, so Harteneck. Neben der Deutschen Bahn seien bereits 15 Mitarbeiterparkplätze sowie rund 50 Ladesäulen-Plätze für E-Autos im Münchner Umland mit der Technologie ausgerüstet.

Mit BMW befinde man sich bereits in Gesprächen. Genaueres will Harteneck dazu nicht verraten. Auch mit dem Mitstreiter Evopark führe das Startup einen regen Austausch. Eine Kooperation sei durchaus denkbar, da man unterschiedliche Anwendungsfälle abdecke: Während die Kölner sich auf Parkhäuser konzentrierten, seien die Münchner unter freiem Himmel unterwegs.

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Gründer Felix Harteneck erklärt der Kanzlerin Angela Merkel an der TU München, wie Park Here funktioniert

Ein mittlerer sechsstelliger Umsatz

Vor allem in der E-Mobilität sieht Harteneck großes Potenzial: „Gemeinsam mit den Ladesäulen-Betreibern wollen wir ein Preismodell aufbauen, bei dem die Parkzeit mit der Ladezeit kombiniert wird.“ Das sei günstiger, so der Gründer. Bisher werden E-Auto-Besitzer überwiegend nach Kilowattstunde zur Kasse gebeten. Ein beliebter Parkplatz nahe einer Einkaufmeile könnte so zugleich auch als Ladestation genutzt werden – zwei Leistungen, ein Preis.

Und auch ein weiteres Problem will Park Here angehen. Denn häufig sind Parkplätze mit Ladesäule besetzt, weil Fahrer dort ihre Autos abgestellt haben, obwohl es keine E-Autos sind. Sie versperren die Flächen und die Besitzer von E-Autos finden keine Lademöglichkeit. In so einem Fall soll die Park-Here-Technik durch Vibrationen im Boden erkennen, um welches Fahrzeug es sich handelt – und im Falle eines Benziners gleich den Abschleppdienst informieren.

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Eine viertel Million habe das 25 Mitarbeiter große Startup insgesamt in die Produktentwicklung gesteckt, erzählt der Gründer. Die eine Hälfte stammt von Accelerator-Programmen, darunter TechFounders und der Startup-Förderung Exist, die andere sei durch Privatmittel zusammengekommen. Im Juli hat das Startup außerdem die Münchner Business Plan Competition gewonnen und 15.000 Euro Preisgeld erhalten.

Alles weitere sei durch Bootstrapping realisiert worden: „Wir machen derzeit einen mittleren sechsstelligen Umsatz und bezahlen unsere Mitarbeiter aus unserem Cashflow“, verrät Harteneck.

Bild: Park Here