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So könnte der rund 16.000 Euro teure Solar-Flitzer schon bald aussehen.

Die meisten Automobilhersteller haben bereits ein E-Auto im Sortiment oder werden bald in den Markt einsteigen. Viele Autofahrer zögern allerdings noch, komplett auf E-Mobilität umzusteigen – und das trotz der staatlichen Prämie. Nicht nur die Anschaffungskosten sind vergleichsweise hoch, auch die Ladestationen sind noch rar gesät. Das Münchner Startup Sonor Motors ist sich dieser Problematik bewusst und entwickelt deshalb ein E-Auto, das nicht nur bedeutend günstiger sein soll als der Wettbewerb, sondern sich auch selbst aufladen kann.

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Der bislang ausschließlich am Computer designte „Sion“ erinnert von der Form noch ein wenig an die erste Mercedes A-Klasse. Allerdings ist die Oberfläche des Autos samt Türen, Dach und Motorhaube mit Solarzellen bedeckt. Diese befinden sich unter einer, wie das Unternehmen schreibt, stoßsicheren Kunststoffschicht und sollen dafür sorgen, dass der Fahrer pro Tag bis zu 30 Kilometer nur mit Hilfe von Sonnenenergie vorwärts kommt. Mit einer regulären Ladung über die Säule oder Steckdose läge die Reichweite dann bei 250 Kilometern. Die zusätzliche Solarzellen-Betankung ist allerdings nicht das einzig ungewöhnliche Features des für 2018 geplanten Wagens, von dem es bereits einen funktionstüchtigen Prototyp geben soll.

Moos sorgt für das gute Klima an Bord

Und dann gibt es noch Moos – und zwar im Innenraum. „Die Leute sind erst mal stutzig, wenn sie davon hören“, sagt Gründer Laurin Hahn. Die Idee: Durch die negative Aufladung des Mooses, werde positiv geladener Feinstaubpartikel aus der Luft gefiltert, erklärt Hahn. Das Material werde bereits von Innenarchitekten genutzt, um das Raumklima zu verbessern, sagt der Gründer. Die Naturklimaanlage brauche außer Licht keine weitere Pflege, sei trocken und hinter einer Plexiglas-Blende verbaut. Das soll auch optisch einiges hermachen (siehe Bild).

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Die Moos-Belüftung ist durch eine Plexiglas-Blende einsehbar.

Neben den beiden Features ist auch der anvisierte Preis des Münchner Auto-Projekts eher ungewöhnlich. 16.000 Euro soll das größere von zwei Modellen später mal kosten – allerdings ohne Batterie. Die würde nochmals rund 3600 Euro extra kosten, ergänzt Hahn auf Rückfrage von Gründerszene. Dennoch wäre der Sino damit bedeutend günstiger als etwa der Bayrische Mitstreiter BMW mit seinem i3, der etwa 40.000 Euro kostet. Was die Extras anbelangt, werde bei Sono Motors lediglich auf eine Grundausstattung Wert gelegt und die Produktionskosten somit möglichst niedrig gehalten, so das Unternehmen.

Begonnen hat alles in einer Münchener Garage von Jona Christians vor etwa vier Jahren. Der damals 18-Jährige hat dort zusammen mit Laurin Hahn im Rahmen eines Studienprojekts an einem Elektroantrieb getüftelt. Einige Prototypen und Entwicklungsstufen später hat das mittlerweile 8-köpfige Team Anfang 2016 die GmbH gegründet und diesen Monat eine Crowdfunding-Aktion gestartet. 150.000 Euro sollen für die Produktion mehrerer Testfahrzeuge eingesammelt werden, heißt es dort. Erste Probefahrten sollen dann 2017 möglich sein.

Bisher habe man sich komplett eigenfinanziert, sagt Hahn. Das nötige Kapital für Sono Motors habe man sich bisher durch die Gewinne bei anderen Gründungen finanziert. So zum Beispiel mit einer Crêperie und einer Smoothie-Bar, erzählt Hahn. Ob man noch Investoren dazu hole, hänge auch davon ab, wie die Crowdfunding-Kampgane ausläuft, so der Gründer. Aktueller Stand: rund 58.000 Euro von 353 Unterstützern.

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Das junge Gründer-Team: Navina Pernsteiner (28), Jona Christians (23) und Laurin Hahn (22).

Die Gewinnmarge ist knapp kalkuliert

„Es ist geplant, das Fahrzeug nicht selber zu produzieren, sondern in Kooperation mit bestehenden Automobil-Herstellern und Zulieferern“, sagt Hahn zu Gründerszene. Man befinde sich dahingehend bereits in Gesprächen, Namen will er aber bisher nicht nennen. Eine eigene Fabrik sei kapitaltechnisch gar nicht zu stemmen und auch nicht Sinn der Sache, sagt er. Das Startup verstehe sich vielmehr als Ideengeber.

Da die Gewinnmarge für das Fahrzeug bisher recht bescheiden kalkuliert wurde, schließt Hahn nicht aus, dass das Fahrzeug im Nachhinein vielleicht doch noch etwas teurer werden könnte. Hier komme es letztlich auf die Masse an, die es zu produzieren gilt. Wo allerdings produziert wird, stehe noch nicht fest.

Bild: Sono Motors