Gute Chancen für Startups in den Infotainmentsystemen

Je mehr das Auto Teil des Internet der Dinge wird, desto mehr Service- und Mehrwertdienste werden in die Infotaimentsysteme Einzug halten. Eine Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation und der Managementberatung Horváth & Partners wirft einen Blick in die Zukunft eines Marktes, auf dem sich weltweit Milliarden verdienen lassen sollen. Hier bieten sich auch große Chancen für die Startups.

„Drei Viertel der befragten 1.500 Autofahrer würden für Mehrwertdienste in einem autonomen Fahrzeug zahlen“, fasst Ralf Gaydoul, Partner und Leiter des Automotive Centers bei Horváth & Partners, das Ergebnis des Projekts zusammen. Besonders interessant sind dabei Angebote rund um das Thema Kommunikation und Produktivität. Aber auch Services werden sich laut der Studie in Zukunft gewinnbringend vermarkten lassen.

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Ein gutes Beispiel dafür sind unmittelbare Dienstleistungen rund um die Parkplatzsuche. BMW hat im letzten Jahr eine zweistellige Millionensumme in das US-Startup Zirx gesteckt, die in Innenstädten Parkplätze anmieten. Per App kann ein Fahrer einen Parkplatz buchen und sein Auto dort abstellen. Einen ähnlichen Service bietet auch das Startup Luxe an, in das die Autovermietung Hertz gerade 50 Millionen Dollar investiert hat.

Datensammlungen sind generell für die Hersteller interessant. Für Informationen aus der Umgebung, Restaurant- und Ausgehtipps würden laut der Studie Fahrer durchaus Geld ausgeben wollen. Geld verdienen lässt sich hier weniger mit den Point-Of-Interest Informationen, denn die liegen schon heute vor. Interessanter ist die Frage, wie man personalisierte Angebote erstellen kann. Der Fahrer einer Mercedes S-Klasse sucht vielleicht andere Restaurants, als der Fahrer eines VW Golf. Also müssen Daten aus verschiedenen Bereichen vernetzt werden, damit die richtigen Angebote erstellt werden können. Eine Aufgabe, die die Autohersteller laut eigener Aussage lieber auslagern wollen.

Eine Herausforderung bliebt aber weiter das technische Ökosystem der Infotainmentsysteme. Bisher beharren die Hersteller auf eigene Lösungen, ohne offene Schnittstellen. Das hält innovative Startups aus den Fahrzeugen raus.

Um das Potential für Dienstleitungen im Auto voll auszuschöpfen, würde es einen gemeinsamen App-Store zumindest der deutschen Hersteller benötigen. Doch der ist nicht in Sicht. Gleichzeitig bemühen sich Apple und Google ihr Betriebssystem in die Fahrzeuge zu bekommen, werden dabei aber von der Industrie an der kurzen Leine gehalten. Bisher lassen sich bei Android Auto und Apple Car Play nur Basis Apps wie Mails, Karten und auf dem Telefon gespeicherte Musik abrufen. Parkplatz Apps und andere Angebote bleiben weiter auf dem Smartphone.

Doch so wird die Situation nicht bleiben, davon geht auch die Studie des Fraunhofer-Instituts aus. Technische Innovationen werden dafür sorgen, dass Autofahrer ihre gewünschten Dienste selber konfigurieren können. Und auch die Hersteller werden von den geschlossenen Systemen abrücken. Denn damit lässt sich zum einen auf Dauer kein Geld verdienen, zum anderen sind die Hersteller auch nach eigenen Bekunden gar nicht in der Lage dazu, alle Applikationen selber zu programmieren.

So kommt es, dass mittlerweile jeder deutsche Hersteller ein Förderprogramm für Startups betreibt. Ein gutes Beispiel dafür ist die BMW Startup Garage. Gesucht werden da vor allem Unternehmen, die Service- und Dienstleistungen auf Softwarebasis anbieten oder im Bereich Big Data unterwegs sind. Der zukünftige Milliardenmarkt lockt ganz gewaltig.

Bild:VW AG