Mit der Urban Future Initiative hat Audi vor ein paar Jahren ein Programm ins Leben gerufen, mit dem der Konzern die Zukunft der Mobilität vorhersagen möchte. Dabei wird schnell deutlich: es ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Technologien.

Ein Beispiel: das autonome Fahrzeug in der Stadt kann nur dann fahren, wenn die Innenstadt auch „smart“, also vernetzt ist. Eine smarte Stadt funktioniert aber nur mit einem intelligenten Energienetz. Also: ohne die Vernetzung des einen, wird es das andere nicht geben.

Mit Gründerszene redet Jutta Frisch, Leiterin der Abteilung Kommunikation Kultur und Trends bei Audi AG, über die Zukunft der Mobilität und die damit einhergehenden Herausforderungen.

Welche Entwicklungen werden den Automarkt am meisten verändern: Elektroantrieb, autonomes Fahren oder Car-to-X, also die vernetzte Kommunikation zwischen Auto und Umwelt?

Die Car-to-X-Kommunikation und das automatisierte Fahren werden in den kommenden Jahren das Autofahren signifikant verändern. Der Straßenverkehr wird deutlich sicherer werden, weil die überwiegende Unfallursache – menschliches Versagen – durch die Technik zunehmend reduziert wird. Die zukünftigen Assistenzsysteme werden zuverlässiger, schneller und besser auf Unfallrisiken reagieren können als der Mensch. Mit der Vernetzung der Autos mit ihrer Umwelt bekommt das individuelle Fahrzeug einen viel umfangreicheren Überblick über die Verkehrs- und Risikosituation als es mit den eigenen Sensoren möglich wäre.

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Das Auto wird um viele Kilometer voraus und um Kurven blicken können, es wird Warnungen von anderen Autos empfangen und verwerten können. Die Car-to-X-Kommunikation wird zur Grundlage für die Weiterentwicklung des automatisierten Autos werden. Die Technologie wird aber auch die Effizienz und den Komfort steigern. Vor allem wird sie dem Fahrer und den Passagieren Zeit schenken. Diese können arbeiten, entspannen, kommunizieren oder sich unterhalten lassen, während sie gefahren werden.

Städte wie London oder Oslo überlegen, Autos ohne Elektromotoren aus den Innenstädten zu vertreiben. Auch Plugin-Hybride sollen nicht erlaubt sein. Ist das der richtige Weg, um die Elektromobilität zu forcieren? Wären staatliche Subventionen nicht der bessere Weg?

Aus Sicht der Städte ist es nachvollziehbar, dass nach Wegen gesucht wird, CO2-Emissionen zu senken und Elektromobilität zu fördern. Aus Sicht der Kunden muss es sinnvoll und bezahlbar sein, in neue Technologien wie die E-Mobilität zu investieren. Daher sind unterschiedliche Anreizsysteme denkbar, staatliche Subventionen sind nur ein Weg. In jedem Fall muss die Bereitstellung und der Ausbau des Ladenetzes mit bis zu 150 kW und mehr Ladeleistung gefördert werden. Um emissionsfrei in der Innenstadt fahren zu können, haben die Audi Plug-in-Hybride eine vergleichsweise große Batterie für eine möglichst hohe elektrische Reichweite.

Die Urban Future Initiative von Audi gibt es seit ein paar Jahren. Was hat der Konzern bisher gelernt?

Städte müssen Mobilität in ihrer Zukunftsplanung stärker gewichten. Diese Diskussion muss jetzt geführt werden: denn weltweit erfinden sich Städte gerade neu. 75 Prozent der Infrastruktur, die in 2050 existiert, ist heute noch nicht geplant oder gebaut. Erst die intelligente Symbiose aus Stadt und Auto bringt urbane Mobilität weiter. Diese Schnittstellen untersucht die Audi Urban Future Initiative. Beispiele dafür sind intermodale Übergänge zwischen Verkehrsmitteln, die Vernetzung im Internet der Dinge – intelligente Ampelanlagen können bereits heute mit Autos kommunizieren – oder die intelligente Nutzung von Parkraum durch selbstfahrende Autos.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene „Mobilität muss spontan sein“

Im Gegensatz zu BMW oder Daimler hat Audi kein eigenes Carsharing-Programm. Ist für die Zukunft eins geplant?

Audi bietet bereits mehrere Mobilitäts-Services, die speziell auf die Ansprüche unserer Premium-Kunden zugeschnitten sind. „Audi shared fleet“ ist beispielsweise ein exklusives Carsharing-Angebot für Unternehmen. Mitarbeiter haben die Möglichkeit, Autos aus einem individuell angelegten Fuhrpark zu buchen – für dienstliche und private Fahrten. Die gemeinsame Nutzung wird über ein Online-Buchungsportal koordiniert. Jeder Mitarbeiter erhält eine persönliche Mitgliedskarte, mit der er schlüssellos Zugang zu allen Autos hat. Mit diesem ganzheitlichen Mobilitätsangebot für Unternehmen schafft Audi neue Möglichkeiten im Bereich des Flottenmanagements.

Wie stellt sich Audi die Zukunft der Mobilität vor? Wird der Besitz eines Autos in Zukunft unwichtiger sein?

Das Auto wird dank innovativer Technologie und intelligenten Services weniger städtischen Raum beanspruchen und ein wesentlicher Teil eines intelligenten urbanen Mobilitätssystems bleiben. Öffentlicher Nahverkehr kann aus Kosten- und Kapazitätsgründen nicht alle Mobilitäts-Bedürfnisse bedienen. Die große Herausforderung wird sein, öffentlichen und individuellen Verkehr in einem intelligenten System zu kombinieren.

Bild: Audi AG