7. Mai 2016 um 15.40 Uhr auf dem US-Highway 27 bei Williston/Florida. Es ist der erste tödliche Unfall mit einem Tesla-Autopiloten. Man hat fast den Eindruck, dass darauf gewartet wurde. Die vagen Ängste vor selbstfahrenden Autos, anfälliger Elektronik, Digitalisierung, Selbstüberschätzung des Tesla-Chefs Elon Musk – ist das alles auf einen Schlag bestätigt? Wenn man die vielen Kommentare und Berichte zu diesem Thema liest, auf alle Fälle. Da heißt es unter anderem: die Technik sei noch nicht ausgreift, Musk teste rücksichtslos Software im laufenden Betrieb seiner Fahrzeuge, selbstfahrende Autos seien sowieso ein Irrweg. Doch es sind noch einige wichtige Fragen offen, deren Antworten den tragischen Unfall vielleicht in einem etwas Licht erscheinen lassen.

Wer hatte eigentlich Schuld an dem Unfall?

In den Darstellungen des Unfallhergangs heißt es übereinstimmend, der Tesla S sei mit angeschaltetem Autopilot auf einem geteilten Highway unterwegs gewesen, „als ein Lastzug die Straße im rechten Winkel kreuzte“. Der Tesla sei dann ungebremst in seine Flanke gerast, schwer beschädigt weiter unter dem Lkw durchgefahren und erst später – 30 Meter von der Straße entfernt – zum Stillstand gekommen, nachdem er zwei Zäune durchbrochen hätte. Der 45-jährige Fahrer, Joshua Brown aus Ohio, starb an der Unfallstelle.

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Eine Frage wird leider nirgendwo beantwortet. Wer hatte eigentlich Schuld an dem Unfall? Offenbar wollte der weiße Lkw links abbiegen – und fuhr dem geradeaus fahrenden Tesla dabei direkt vor die Nase. In der Fahrschule lernt man, dass beim Linksabbiegen der Gegenverkehr Vorfahrt hat. Die Frage darf also erlaubt sein: Warum kreuzt ein Lkw einen Highway im rechten Winkel, wenn ihm ein Auto entgegenkommt? Der genaue Hergang des Unfalls wird jetzt von der zuständigen US-Verkehrsbehörde NHTSA untersucht.

Der tödlich verunglückte Tesla-Fahrer hat einen Fehler gemacht. Warum hat er nicht gebremst? In einigen Berichten heißt es, er hätte sich während des Fahrens wahrscheinlich einen Film angeschaut. Wenn sich herausstellt, dass der Lkw-Fahrer auch einen Fehler beim Abbiegen gemacht haben sollte, ist das alles natürlich immer noch kein Freispruch für das Versagen des automatischen Bremssystems des Tesla. Aber zwei schwere menschliche Fehler innerhalb weniger Sekunden und der Zufall, dass es sich um einen weißen Lkw handelte, der für das System schwer erkennbar war, sind derzeit noch nicht durch ein Assistenzsystem auszugleichen.

Testet Tesla wirklich unfertige Software?

Im Normalbetrieb ist die „Autopilot“-Software des Tesla deaktiviert. Der Fahrer muss sich für eine Aktivierung bewusst entscheiden und dann eine Meldung des Systems bestätigen, dass es sich nur um eine „unterstützende Funktion“ handelt, und dass es nötig sei, die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten. Tesla selber schreibt auf seinem Blog von einem „Fahrassistenz-System“, bei dem die Fahrer stets den Verkehr im Blick behalten sollten. Wenn der Fahrer die Hände längere Zeit vom Lenkrad nimmt, erfolgen Warnungen und das Auto wird automatisch verlangsamt.

Hat der Fahrer das Fahrassistenzsystem getäuscht und mit den Händen am Lenkrad einen Film angeschaut? Auch wenn es nicht so war: Wir lernen, dass sich die selbstfahrenden Autos der Zukunft nicht von Menschen überlisten lassen dürfen. Denn der Mensch selber ist und bleibt die größte Fehlerquelle.

Werden wir tödliche Unfälle in Zukunft vermeiden können?

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Jedes Jahr sterben im Straßenverkehr weltweit 1,25 Millionen Menschen. Die meisten davon sind Fußgänger, Motorrad- oder Fahrradfahrer. Sie kommen durch Autos zu Tode. Am Tag beklagen wir also durchschnittlich mehr als 3.400 Opfer. Häufigster Grund für Verkehrsunfälle: Menschen halten sich nicht an Verkehrsregeln. Selbstfahrende Autos werden ihren Fahrern keine andere Chance lassen, als nach den Regeln zu fahren. Dadurch wird die Opferzahl dramatisch sinken. Kein Schulterblick beim Abbiegen und dadurch den Radfahrer übersehen? Wird es schon bald nicht mehr geben. Hoffentlich.

Trotzdem werden weiter Unfälle passieren. Der Mensch ist erfindungsreich im Überlisten von technischen Systemen. Es wird auch zu technischen Fehlern kommen, wie wir es jetzt beim Tesla erlebt haben. Insgesamt wird die Entwicklung von selbstfahrenden Autos unsere Straßen aber dramatisch sicherer machen. Bis heute haben Assistenzsysteme unzählige Unfälle vermieden. Von diesen Fällen wird nur selten berichtet.

Hier die Meinung eines deutschen Tesla-Fahrers:

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