Podiumsdiskussion auf der Wired-Mobility-Konferenz

Das Geschäftsmodell der Kfz-Versicherungen mag sich seit 100 Jahren nicht verändert haben, aber die Branche ist einem deutlichen Wandel unterworfen. Je mehr autonome Fahrzeuge auf der Straße sind, desto weniger Unfälle werden passieren – Experten gehen davon aus, dass die Anzahl um bis zu 90 Prozent sinkt. Doch damit werden auch die Tarife der Versicherungen dahin schmelzen, denn bisher zahlen Fahrer, die keine Unfälle bauen, deutlich weniger.

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Stefan Schulz vom Consulting Arm der Münchner Rückversicherung macht sich um die Einkommensmöglichkeiten der Versicherungen wenig Sorgen. Auf der Wired-Mobility-Konferenz am Donnerstag wies er darauf hin, dass vor allem in der Übergangszeit, wenn „smarte“ Autos auf analoge Fahrzeugen treffen werden, weiter Unfälle passieren werden. Vor 2025 wird nur ein Bruchteil der Neufahrzeuge über Funktionen wie „Car-2-Car“-Kommunikation und andere Funktionen verfügen.

Und die Zeit danach? Zwar würden die vom Auto gesammelten Daten der Hersteller unangetastet bleiben müssen. Man wolle die Fahrer aber ermutigen, diese Daten den Versicherungen zur Verfügung zu stellen. Schon jetzt kann man bei verschiedenen Anbieter sogenannte Telematik-Tarife buchen. Dabei wird der Wagen mit einem zusätzlichen Gerät ausgestattet, das Daten wie die Geschwindigkeit, Gas- und Bremspedalnutzung, GPS-Ortung und weitere Angaben an den Versicherer sendet. Der rechnet dann einen Score-Wert aus.

Und genau hier will die Versicherungsindustrie andocken: Je besser der Score ist, desto mehr Geld kann man bei der Versicherung sparen. Und: Nur wer seine Daten zur Verfügung stellt, kommt in den Genuss der Rabatte. Stefan Schulz erklärte auf der Konferenz, dass Fahrer, die in Zukunft ihre Daten nicht freigeben wollen, dann wohl automatisch in die Ecke „schlechter Fahrer“ gestellt werden – und automatisch mehr für seine Versicherung zahlen.

Bild: Gründerszene