Die Startup-Szene ist immer noch ein Herrenclub.
Die Startup-Szene ist immer noch ein Herrenclub.

95 Prozent der CEOs der größten börsennotierten Unternehmen der Welt sind Männer. In der jungen, innovativen Startup-Szene sieht es sicherlich ganz anders aus – könnte man meinen. Tatsächlich ist auch hier der Frauenanteil nach wie vor klein. Neben 15,1 Prozent Gründerinnen stehen in Deutschland 84,9 Prozent Gründer. Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesverband Deutsche Startups in seiner neuen Studie Female Founders Monitor, für den er Daten von 3.747 Gründerinnen und Gründern aus dem Jahr 2018 ausgewertet hat. Als Startups bezeichnet die Studie Firmen, die jünger als zehn Jahre sind, ein signifikantes Umsatz- oder Mitarbeiterwachstum und ein innovatives Geschäftsmodell haben.

 

Die Kernergebnisse der Studie:

  • Die typische Gründerin ist 35 Jahre alt, hat 8,9 Jahre Berufserfahrung und einen Hochschulabschluss – mit hoher Wahrscheinlichkeit in BWL, Geistes-, Kultur- oder Sozialwissenschaften oder einem künstlerischen Fach wie Grafikdesign. Auch die meisten männlichen Gründer haben BWL studiert, auf den Plätzen zwei und drei liegen bei ihnen aber Informatik, Mathematik und Ingenieurwissenschaften.
  • Die Wahl des Studienganges spiegelt sich in der Gründungsbranche wider: Im Tech-Bereich gründeten 8,3 Prozent der in der Studie berücksichtigten Frauen, aber 35,8 Prozent der Männer. In den Bereichen Gesundheit, Textil, Ernährung, Konsumgüter, Bildung und Medien liegen Gründerinnen vorn.
  • Auch die Geschäftsmodelle sind bei Frauen weniger technisch als bei Männern. Die meisten der in der Studie befragten Gründer verdienen ihr Geld mit Software-as-a-Service, Software- und Hardware-Entwicklung. Gründerinnen sind in diesen Bereichen jeweils mit unter zehn Prozent vertreten, stattdessen sind bei ihnen Online-Handel und „analoge Dienstleistungen“ (in der Studie nicht näher definiert) die beliebtesten Geschäftsmodelle.
  • Gründerinnen bekommen weniger finanzielle Unterstützung als Gründer. Durchschnittlich 3,4 Millionen Euro hätten sie bisher eingesammelt, gaben die in der Studie befragten Gründer an. Bei den Gründerinnen sind es 200.000 Euro. Mehr als 80 Prozent der Männer und Frauen setzten für ihr Startup ihr eigenes Erspartes ein. Darüber hinaus unterscheiden sich die Kapitalquellen. So sammelten 45,2 Prozent der Gründerinnen Geld von Familie und Freunden ein, bei den Gründern sind es 29,8 Prozent. Staatliche Fördermittel erhielten 20,9 Prozent der Frauen, aber 35,7 Prozent der Männer. Business Angels haben 9,5 der Gründerinnen und 22,3 Prozent der Gründer an Bord. Bei den Wagniskapitalgebern sind es acht beziehungsweise 17 Prozent.
  • Frauen gründen seltener wegen des Geldes als Männer. 36,8 Prozent der Frauen sagen, sie wollten mit ihrem Startup persönlichen Wohlstand erzielen, bei den Männern sind es 52 Prozent. Die größte Motivation zu gründen ist bei beiden Geschlechtern Unabhängigkeit.
  • Gründerinnen leisten weniger Arbeitsstunden pro Woche für ihr Startup als Gründer. Bei den Frauen sind es 52,2 Stunden, bei den Männern 57,7. Kinder wirken sich bei Frauen negativ auf die Arbeitszeit aus: Gründerinnen mit Kind arbeiten noch einmal sechs Stunden weniger pro Woche, bei Gründern drückt der Nachwuchs die Wochenarbeitszeit dagegen gar nicht.
  • Die niedrige Frauenquote in Startups ist kein deutsches Problem. Im Silicon Valley liegt sie bei 16 Prozent, in London bei 15, in Paris bei zehn und in Tel Aviv bei acht Prozent.
  • Insbesondere zwei Gründe für den geringen Gründerinnen-Anteil nennt die Studie: 
    • In Deutschland sei die Sozialversicherungs- und Steuergesetzgebung auf den „männlichen Familienernährer“ zugeschnitten. Für Frauen gebe es daher wenig Anreize, zu gründen.
    • Die Gesellschaft habe geringes Vertrauen in die wirtschaftlichen Fähigkeiten und Managementkompetenzen von Frauen. Das führe einerseits dazu, dass sich Frauen das Gründen nicht zutrauen, andererseits dazu, dass Investoren seltener in Frauen investieren.

Im Vergleich zum Vorjahr ist der Frauenanteil zwar leicht gestiegen. Doch das ist keine Garantie dafür, dass das so weitergeht, wie die Entwicklung der Quote in den vergangenen Jahren zeigt: 

Frauen im Vorstand? Für diese Digitalfirmen offenbar nicht so wichtig

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Bild: Getty Images / Comstock