Hielt es auf der elterlichen Farm nicht mehr aus: Kickstarter-Mitgründer Yancee Strickler
Hielt es auf der elterlichen Farm nicht mehr aus: Kickstarter-Mitgründer Yancee Strickler

Yancey Strickler liebt Rollenspiele. Die seien nicht nur was für Kinder, sagt er. Im Laufe seines Lebens habe er sich schon mehrmals neu erfunden, als Bad Boy zum Beispiel, manchmal habe er tageweise neue Rollen für sich ausprobiert. Die, für die er bekannt wurde, und die er wohl bislang am längsten eingenommen hat, ist die eines erfolgreichen Gründers.

Anfang der 2000er verlässt Strickler sein Zuhause, eine Farm in in den Appalachen im Nordosten der USA. „Ich musste einfach weg“, sagt er im gerade gestarteten Podcast State of Mind. Strickler geht nach New York, neben dem Notwendigsten hat er nur 2.000 Dollar Cash mit im Gepäck. Er schreibt Bewerbungen, findet bald einen Job: Nachrichtenmeldungen kürzen, damit sie auf Webseiten von Radiosendern erscheinen und von den DJs vorgelesen werden können.

In einem Diner in Brooklyn trifft Strickler auf Perry Chen, seinen späteren Mitgründer. Der arbeitet dort, hat aber eigentlich andere Pläne: Er will in New Orleans ein Konzert mit den österreischischen Elektronica-Musikern Kruder und Dorfmeister arrangieren. Doch dazu bräuchte Chen 20.000 Dollar.

Die Gründung als Nebenjob

Und so entsteht die Idee für ihre Crowdfunding-Plattform Kickstarter: „Wenn wir die Idee für das Konzert zunächst im Internet vorstellen, und erst loslegen, wenn alles ausverkauft ist, das müsste funktionieren“, erinnert sich Strickler an die damaligen Gedanken. Das Duo beginnt an der Idee zu arbeiten, neben ihren eigentlichen Jobs und am Wochenende. „Es war wie ein geheimes Zweitleben“, sagt Strickler.

Drei Jahre vergehen bis zum Launch Ende April 2009. „Keiner von uns beiden hatte jemals eine Firma und wir hatten keine Ahnung von Entwicklung“, sagt Strickler. „Wir wollten gar keine Unternehmer sein, aber für unsere Idee brauchten wir eine Firma.“ Als die Plattform steht, stellt Chen das erste Projekt ein: besprayte T-Shirts mit der Aufschrift „Grace Jones don‘t give a fuck“. Das Projekt war nicht besonders erfolgreich, ein Schicksal, das noch viele kommende Projekte auf der Plattform ereilen würde.

Lest auch

Aber es sorgte dafür, dass auch andere Ideen auf der Plattform einstellten. Heute ist Kickstarter weltweit bekannt. Ihren Betrieb finanziert die Firma, indem fünf Prozent des Volumens jedes finanzierten Projekts einbehalten werden. Wie viel die Plattform heute wert ist, lässt sich nur mutmaßen. In einer Finanzierungsrunde, so viel ist bekannt, hat Kickstarter 2009 zehn Millionen Dollar aufgenommen. Strickler spricht notorisch ungern über Finanzen. „Geld ist ein notwendiges Übel“, sagt er. Seit 2015 ist Kickstarter ein gemeinnütziges Unternehmen.

Aus seiner Firma hat sich Strickler vor zwei Jahren zurück gezogen. Und wieder einige Rollen für sich durchgespielt. „Ich sehe mich jetzt selbst ein bisschen wie ein Unternehmen – Yancey, Inc.“, sagt er. Was das für ihn bedeutet und was Paul McCartney und ein Oberlippenbart mit alldem zu tun haben, darüber spricht Strickler im State-of-Mind-Podcast, den ihr Euch hier anhören könnt (auf Englisch).

Bild: Web Summit / CC BY