Onlineshop Relaxdays

Er lieh sich 2.000 Euro von seinem Bruder – daraus machte er Millionen

Porträt. Um sein eigenes Business zu starten, bekam Martin Menz Geld von der Familie. Seitdem hat er den Umsatz seines Onlineshops jedes Jahr verdoppelt – auf 51 Millionen Euro.

Die 2.000 Euro seines Bruders hat Unternehmer Martin Menz (Foto) gut investiert.

Martin Menz steht morgens gerne zwischen fünf und sieben Uhr auf und plant seinen Tag, bevor er ins Büro geht. Er hat schon viele Zeitplanungssysteme ausprobiert, aber „das coolste Gefühl“ sei es immer noch, mit einem Kuli über einen erledigten Punkt auf der To-Do-Liste zu „rattern“, wie er uns im Interview erzählt.

Der Onlineshop Relaxdays, den Menz im Jahr 2006 gründete und der heute einen Jahresumsatz von 51 Millionen Euro erwirtschaftet, geht zurück auf ein 2.000-Euro-Darlehen seines damals 18-jährigen Bruders und den Erfolg beim Verkauf eines Kopfmassage-Geräts mit Herstellungskosten von maximal 30 Cent.

Millionärswunsch schon als Kind 

Im Jahr 2005 hatte Menz seinen Eltern mitgeteilt, er wolle Millionär werden. Heute tut er das als „typische rebellische Phase“ eines jungen Mannes ab. Unseren Einwurf, dass er seine Ankündigung ja wahr gemacht habe, relativiert der 34-Jährige mit der Aussage, er sei ja „nur Umsatzmillionär“ und Reichtum sei ihm nicht mehr so wichtig.

2005 war auch das Jahr, in dem Martin Menz begann, Dinge, die er nicht mehr brauchte, auf Ebay zu versteigern. Natürlich besitzt der durchschnittliche 20-Jährige nicht unendlich viele Dinge, die er nicht braucht, sodass dieses Geschäftsmodell nicht besonders lange erfolgreich war. Darum suchte er nach Produkten, die er günstig ein- und mit Profit auf Ebay wieder verkaufen konnte. Vergeblich.

Ein Jahr später machte Menz Urlaub in Alicante, Spanien. Ein Marktschreier schwang ihm ein Kopfmassage-Gerät, auch als Kopfkrauler bekannt, auf den Kopf. Menz fand das in dem Moment „einfach nur krass“, wie er berichtet. Er ahnte nicht, wie sehr dieser eigentlich belanglose Moment sein Leben verändern würde.

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Denn zurück in Deutschland schlug er die Zeitschrift eines Großhändlers auf und ein Angebot darin kam ihm bekannt vor: Kopfmassage-Geräte. Zehn Stück sollten vier Euro kosten, 50 nur drei Euro. Er beschloss, es damit zu versuchen. Das Geschäft lief an. Um groß in den Handel einsteigen zu können, fehlte ihm jedoch das Geld. Glücklicherweise hat er einen Bruder.

„Mein Bruder war und ist ein sparsamerer Typ als ich. Er hatte das Geld mit Nebenjobs verdient und es mir geliehen, weil er es gerade nicht brauchte. Ein halbes Jahr später habe ich es ihm zurückgezahlt.“ Die 2.000 Euro hat Menz seitdem jedes Jahr verdoppelt.

Studienabbruch für das Business

Sein BWL-Studium an der Uni Halle-Wittenberg begann er mit mäßiger Begeisterung. „2006 gab es in der BWL bei uns noch das Diplom und mich hat von Anfang an der Gedanke gestört, fünf Jahre zu studieren und kein Geld zu verdienen.“ Er überlegte zunächst, wie er das Curriculum auf 3,5 Jahre verkürzen könne, entschied sich dann aber anders. „Nach einem Vierteljahr war ich an der Uni nicht mehr zu sehen, weil mein Business so gut lief“, sagt er.

Den Unternehmergeist hat er offensichtlich von seinen Eltern. Schon zu Zeiten der DDR umgingen sie die Schranken der Planwirtschaft, indem sie Selbstgenähtes auf Flohmärkten verkauften. Damit haben sie sich sogar Autos finanziert.

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Das Ende der DDR war für seine Familie nicht nur in einer Hinsicht eine Befreiung. Der Vater machte sich selbstständig, die Mutter, eine Lehrerin, ging mit Mitte 40 noch einmal an die Uni, um ihre Unterrichtsrepertoire zu erweitern. Menz dachte darüber nach, mit Aktien zu handeln, verwarf den Gedanken jedoch wieder.

Er hat schon früh die Erfahrung gemacht, dass er hart arbeiten muss, wenn er etwas erreichen will. Seine Grundschullehrerin hatte wegen unterdurchschnittlicher Leistungen im Lesen und Schreiben davon abgeraten, ihn auf‘s Gymnasium zu schicken. Er entschied sich trotzdem dafür. Während anderen alles zufiel, musste er diszipliniert lernen. Schließlich erreichte er eine Abiturnote von 2,3, worauf er „stolz wie Bolle“ ist.

Von vollen Schubladen und unfertigen Fundamenten

Heute ist Menz nicht mehr alleine für seinen Erfolg verantwortlich, sondern jeder einzelne seiner fast 300 Mitarbeiter. „Bei unserer Größe ist jeder Erfolg eine Gemeinschaftsleistung“, sagt er. „Ich habe viel mehr Themen in meiner Schublade, als ich bewältigen kann.“

Das Verhältnis zu seinen Mitarbeitern beschreibt er mit einem einzigen Wort: Klar. „Wir müssen zueinander brutal ehrlich sein, um zu erkennen, welche Projekte erfolgversprechend sind und in was wir unsere Kraft investieren“, sagt er.

Er verzichtet bewusst auf klassische Reportingpflichten, damit Zahlen nicht geschönt werden. Eine solche Atmosphäre solle gar nicht erst entstehen, erklärt er: „Wir versuchen, nicht von irgendwelchen KPIs, Investoren oder Zahlen getrieben zu sein. Unser Antrieb ist ein genereller Mehrwert in der Organisation und Wirtschaft.“

Einen Börsengang schließt Menz nicht grundsätzlich aus. Er betont aber, es fühle sich gerade gut an, noch mit seinem Team im Hintergrund das Fundament zu stärken, bevor alle auf sie schauen und das Unternehmen beurteilen. Es sei völlig okay, in den nächsten fünf Jahren noch „Hausaufgaben“ zu machen.

Schöne Momente im Leben

Der Name Relaxdays stammt übrigens von seinem ersten Ebay-Shop aus dem Jahr 2005 und wurde maßgeblich von dem schicksalhaften Kopfmassage-Gerät beeinflusst. Martin Menz hatte damals nicht damit gerechnet, dass ein Kopfkrauler zum Trendprodukt würde.

Er plante deshalb, um den Kopfkrauler herum einen Ebay-Shop mit Massagezubehör aufzubauen. Da er bei Anbietern entsprechender Produkte keine guten Preise bekam, dehnte er sein Sortiment auf andere Produkte aus. Der Name blieb und steht heute für schöne Momente im Leben.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Business Insider Deutschland.

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Bild: Relaxdays

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