Das Tutorus-Team: Albrecht Nacke, Robert Schröder und Konstantin Kraut­häuser (von links)
Das Tuovu-Team (von links): Albrecht Nacke (17, inzwischen ausgeschieden), Robert Schröder (16) und Konstantin Kraut­häuser (17)

Dieser Artikel erschien zuerst am 06. März 2019 und wurde im Rahmen unseres Themenspecials Chef mit 20 noch einmal veröffentlicht und aktualisiert. 

Die Generation Z sei unselbstständig, nicht kreativ und habe keine Lust auf Arbeit – das sagte ein Hamburger Gründer kürzlich über die nach 1995 Geborenen. Zwei Dresdner aus dieser Altersgruppe entsprechen den Klischees eher nicht: Robert Schröder (16) und Konstantin Krauthäuser (17) besuchen die zwölfte Klasse eines Gymnasiums. Nach Schulschluss gehen sie weder zum Yoga noch schauen sie Netflix in Dauerschleife – sondern bauen ihr Startup Tuovu auf. Anfangs war auch Mitschüler Albrecht Nacke dabei, er ist inzwischen ausgeschieden.

Über ihre App, die sie seit vergangenem Jahr entwickeln, wollen sie Schüler als Nachhilfelehrer an andere Schüler vermitteln. Jeder ab der siebten Klasse soll Tutor werden können, wer unter 16 ist, benötigt allerdings die Einverständniserklärung der Eltern. Nachhilfe-Suchende sehen in der App Tutoren in ihrer Nähe, können mit ihnen chatten und dann eine Unterrichtsstunde buchen. „Wir wollen, dass Nachhilfe wieder sexy wird“, sagt Robert Schröder beim Gespräch mit Gründerszene im Café der Berliner Factory. „Wie N26 das Banking wieder schön gemacht hat, wollen wir die Nachhilfe wieder schön machen.“

DHDL als Inspiration

Ein Satz, der klingt, als stamme er direkt aus einem „Die-Höhle-der-Löwen“-Pitch. Und vielleicht hat Schröder ihn sich sogar wirklich aus der TV-Show abgeschaut. Sie war jedenfalls der Ausschlag dafür, dass Krauthäuser und er überhaupt ein Startup gründen wollten: „Wir haben die Sendung gerne geschaut und in der Schule immer Carsten Maschmeyers Sprüche nachgemacht“, erzählt Schröder grinsend. „Frank Thelen haben wir vergöttert. Er ist immer noch unser Role Model.“ Die Idee, eine App zu bauen, hätten sie durch den TV-Investor bekommen, sagen sie – weil der bei DHDL immer in Tech-Startups investiere. „Und dass da eine Monetarisierungsstrategie hinter muss, wussten wir, weil Maschmeyer immer danach fragt.“

Diese Strategie sieht nun so aus: Eine Nachhilfestunde soll auf Tuovu maximal zehn Euro kosten. Rund einen Euro davon wollen die Schüler einbehalten. Die Bezahlung erfolgt per hinterlegter Kreditkarte direkt über die App. Barzahlung wäre ihnen eigentlich lieber gewesen, sagen sie – nicht alle Schüler hätten schließlich schon eigene Konten. Aber Erwachsene aus der Startup-Szene, mit denen sie sich manchmal austauschten, hätten ihnen nahegelegt, nur auf Onlinezahlung zu setzen.

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Eigentlich wollen sie aber möglichst wenig Hilfe von Erwachsenen, sagen die drei. Unternehmerisches Wissen brächten sie sich selbst bei, etwa durch den Youtube-Channel der Initiative Startup Teens. Außerdem würdem sie gern Gründer-Events besuchen. Manchmal müsse er allerdings erfahrener tun als er eigentlich ist, sagt Schröder: „Einmal wurde ich gefragt, ob wir einen MVP haben. Ich hatte keine Ahnung, was das ist, habe aber einfach gesagt, der käme bald.“

Bis zur Beta-Phase fehlen noch 1.000 Euro 

Verantwortlich für den Bau des Prototypen ist sein Mitschüler und -gründer Konstantin Krauthäuser. Seit der vierten Klasse bringt er sich das Coden selbst bei, damals schenkte ihm sein Vater ein Programmierbuch für Kinder. Die App-Entwicklung habe er durch Blogs und Tutorials gelernt, sagt Krauthäuser im Gespräch mit Gründerszene. Nach zwei Monaten hatte er einen ersten Prototypen fertig. Damit bewarben sich die Jungs beim Gründerwettbewerb von Startup Teens – und gewannen 10.000 Euro Preisgeld. Das ist heute, rund ein Jahr später, „futsch“, wie Schröder sagt. Es ging für drei Macbooks, die Domain, Illustrationen für die App, das Serverhosting und mehrere Berlin-Reisen drauf.

Nun fehlt den Schülern das Geld für den nächsten wichtigen Schritt: Ende April wollen sie in die offizielle Testphase starten. Tuovu soll dann als Beta-Version im App Store erhältlich sein. „Dafür müssen wir eine UG gründen, und dafür brauchen wir 1.000 Euro für die Notarkosten“, sagt Schröder. Die Eltern anpumpen? Eher nicht, die hielten sie aus Tuovu raus. Lieber wäre ihnen ein externer Investor, sagen sie. Bei der Gründung müssen sie ihre Eltern allerdings wohl oder übel einbeziehen. Schröder und Krauthäuser sind noch keine 18 und damit zu jung, um zu gründen. Bis zur Volljährigkeit müssen ihre Eltern als Geschäftsführer fungieren.

Große Wettbewerber haben Respekt

Obwohl Tuovu noch nicht auf dem Markt ist, haben wesentlich größere Player schon Respekt vor der App. So flatterte im Frühjahr ein Brief des Nachhilfeunternehmens Studienkreis bei den Schülern ein. Schröder hat das inzwischen stark zerknitterte Schreiben nach Berlin mitgebracht. Darin: das Statement eines Patentanwalts bezüglich des ursprünglichen Namens des Startups. „Tutorus“ sollte die Schülerfirma eigentlich heißen. Doch dieser Name klinge der Nachhilfeplattform Tutoria zu ähnlich, die Studienkreis betreibt, heißt es in dem Anwaltsschreiben. Das Unternehmen forderte von den Teenies daher, ihr Startup umzubenennen. Der Brief mache ihm durchaus ein „mulmiges Gefühl“, gibt Schröder zu. „Es wäre gelogen, wenn wir sagen würden, das hier“ – er wedelt mit dem Brief – „wäre kein Gefühl der Überforderung gewesen“.

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Auf der Suche nach einem Namen ließen sich die Gründer auf dem Schulhof inspirieren. Dort zeigen sie auch ihren Prototypen gern herum, um sich Feedback einzuholen. „Wir sind nah dran an unser Zielgruppe, das ist unser großer Vorteil“, sagt Schröder. Momentan würden sein Team und er jeden Tag an Tuovu arbeiten, sagen sie, am Wochenende „auch mal acht Stunden“. Nach dem Abitur 2020 wollen sie deutlich mehr Zeit in ihr Startup investieren und nebenbei studieren. Krauthäuser denkt an Informationssystemtechnik, Schröder liebäugelt mit der Code University, die ebenfalls in der Factory sitzt, wo das Interview stattfindet. „Mir gefällt das hier extrem gut. Ich mag diese Startup-Filterblase“, sagt er.

Bild: Tuovu