crowdfunding juicies

Crowdfunding als Chance

Durch Crowdfunding finanzierte Projekte sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Erfolgsgeschichten wie die Pebbles Smartwatch oder Computerspiele wie die Fortsetzung von Leasure Suit Larry sind nur einige der bekanntesten Crowdfunding-Projekte. Crowdfunding hat sich mittlerweile als etabliertes Finanzierungs-Tool nicht nur für Startups durchgesetzt.

Auch für unser Startup Juicies (www.juicies.de) stellte sich die Frage, zu versuchen, unser Vorhaben auf dem traditionellem Wege zu finanzieren oder die Möglichkeiten des damals (2010-2011) noch nicht ganz so bekannten Crowdfunding zu testen.

Wir sahen im Crowdfunding jedoch viele wesentliche Vorteile:

  • Keine langen Prüfungsverfahren und Canossa-Gänge zu den Banken.
  • Keine verkrampften Elevator-Pitches und ständig individuelle Anpassung des 40-60 Seiten Business Plans für Privatinvestoren.
  • Und insbesondere auch die Möglichkeit das Produkt vorher in einer reellen Marktsituation zu testen. (Nach unserer Erfahrung loben die meisten Freunde und Bekannten die Idee und das Vorhaben immer bis genau zu dem Punkt, an dem echtes Geld ins Spiel kommt.)

Juicies – Unser Vorhaben

Mein langjähriger Freund Laurens wohnt seit mittlerweile über zehn Jahren auf Hawaii und hatte mit Juicies eine simple aber gute Idee: Einfache schwarze oder weiße Kabel für Smartphones und Tablets mit etwas mehr Farbe und Lebensfreude zu versehen. Wichtig war es uns das Ganze nicht auf der Billig-Anbieter-Schiene abzuwickeln, sondern schon ein wirklich gutes Produkt mit hoher Qualität zu liefern. Um die Qualitätsstandards von Firmen wie zum Beispiel Apple zu halten, muss man die Lizensierung finanzieren und sich an die vorgegebenen Produktions-Richtlinien halten.

Da wir nicht genug Eigenkapital besaßen um dieses Vorhaben zu verwirklichen, haben wir uns entschieden, unser Projekt in den USA auf Kickstarter.com zu launchen. Einen Monat nach dem Launch Day konnte das Projekt insgesamt über 22.000 US-Dollar von 1.600 Unterstützern (hier Backer) verzeichnen. Ein voller Erfolg also.

Unsere Kickstarter-Kampagne

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Leider ist, wie bei den meisten Unternehmensgründungen, eigentlich schon vorher abzusehen dass nicht immer alles ohne Probleme abläuft. In unserem Fall sahen wir uns mir sehr großen Herausforderungen konfrontiert:

Zum einen fielen die Produktionskosten durch Faktoren wie Lizensierung, erhöhte Mindestabnahme-Mengen und Lieferengpässen von Seiten der Hersteller viel höher als erwartet aus. Zusätzlich traf die Umstellung des Apple iPhone 5 von Dock Connector auf den Lightning Connector nicht nur uns, sondern wohl den ganzen Mobilfunk-Zubehör-Markt wie ein Tsunami. Zum anderen gestalteten sich die Koordination der Prozesse und die Qualitätssicherung von Deutschland beziehungsweise den USA aus schwerer heraus als angenommen.

Im Endeffekt bedeutete dies für uns, dass wir eine massive Zeitverzögerung in Kauf nehmen mussten und wir zusätzlich nicht mehr genügend Kapital hatten unser Projekt weiter zu finanzieren. Aus diesem Grund mussten wir uns nun wieder auf die klassische Weise der Unternehmensfinanzierung konzentrieren. Einziger Unterschied zu vorher war nun, dass wir nicht nur um die Zukunft unseres Projektes bangen mussten, sondern nun auch noch über 1.600 Kickstarter Backer als Investoren hatten von denen Einige bereits zum Shitstorm ausgeholt hatten.

Nach vielen Versuchen und zahlreichen schlaflosen Nächten haben wir es dann geschafft, unser Projekt durch Banken und Privatinvestoren zu finanzieren und wir schafften es unsere Produktion ordnungsgemäß fertig zu stellen. Alle Rewards konnten erfolgreich an die Unterstützer verschickt werden. Was den Shitstorm angeht, haben wir gelernt, viel Wert darauf zu legen, in unseren Updates die einzelnen Schritte unserer Unternehmensgründung und auch unsere Rückschläge genau zu dokumentieren. Dies hat uns geholfen und wurde auch von auch vielen Backern gut aufgenommen. Das positive Feedback und die Unterstützung von einigen Backern hat uns in den harten Zeiten sehr geholfen.

Was wir falsch gemacht haben

  • In erster Linie hätten wir die Kommunikation des Projektes auf Kickstarter besser planen müssen. Jedes Projekt kann sich aus irgendwelchen Gründen verzögern, wichtig ist beim Crowdfunding, dass die Kommunikation in diesem Falle im Vorraus mit einplant ist.
  • Wir wollten ausschließlich positive Nachrichten posten und haben nicht früh genug darauf hingewiesen, dass es Probleme gibt.

Was wir daraus gelernt haben

  • Die Updates sind der wichtigste Bestandteil einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne. Jedes Update sollte so aussagekräftig wie möglich sein. Glatt gebügelte PR-Statements oder Marketing-Floskeln bringen gar nichts.
  • Auch wenn etwas schiefläuft ist es am besten sofort aufzuklären was los ist und auf keinen Fall die Verantwortung von sich zu weisen. Immerhin haben die Backer bezahlt und verdienen es reinen Wein eingeschenkt zu bekommen.
  • Video-Updates sind von Zeit zu Zeit sinnvoll, da man sich nicht hinter Text verstecken kann und so authentisch bleibt. Das schafft Vertrauen.
  • Leider kann man es nicht jedem Recht machen. Eine einmalige Entschuldigung ist in jedem Fall notwendig aber man sollte sich auf keinen Fall in die Opferrolle drängen lassen. Direkte Kommunikation ist gut, aber man sollte nicht jeden Troll-Post kommentieren oder sich darauf einlassen. Beleidigungen und Gewaltandrohungen gegen die Mutter oder sonstwen, laden zwar extrem dazu ein, etwas zurückzuposten, sollte man aber besser sein lassen. Es sei denn, man hat Lust auf ein bisschen Streitkultur à la Jersey Shore oder Mitten im Leben.
  • Nie aufgeben und diese Einstellung auch in den Updates vermitteln.

Fazit

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Im Wesentlichen bin ich sehr froh und stolz darauf, dieses Kickstarter-Projekt mitgemacht und erfolgreich beendet zu haben. Crowdfunding bietet jedem Gründer eine Möglichkeit, seine Idee zu finanzieren und sein Vorhaben zu testen. Man sollte aber nicht zu blauäugig an die Sache herangehen und wissen, dass es bei der Projektfinanzierung über Crowdfunding auch gewisse Risiken zu beachten gilt und es viel Kommunikation bedarf. Im Zweifelsfall kann man schnell zur Zielscheibe im Internet werden. Ich würde dieses Projekt aber jederzeit wieder machen und es wird sicherlich nicht das letzte Crowdfunding-Projekt von Juicies sein.

Bild: © DWP – Fotolia.com