Die richtige Seed-Finanzierung

Seed-Phase – Nach der Idee kommt das Konzept

Welche Eckpfeiler für ein solides Gründungsfundament, auf dem eine zukunftsfähige Geschäftsidee reifen kann, bestehen müssen, ist oft unklar. Eine geeignete Finanzierung wird jedoch meist als wesentlicher Bestandteil angesehen. Der zweite Artikel der Reihe “Phasengerechte Finanzierung” nimmt sich dieser Problematik an und gibt einen Überblick über die Seed-Phase sowie typische Finanzierungsformen.

Die Seed-Phase stellt die erste Phase der Unternehmensgründung dar. Sie umfasst, neben der Entwicklung einer geeigneten Organisationsstruktur und Weiterentwicklung des Produktes beziehungsweise der Dienstleistung, die Transformation der Geschäftsidee in ein von Markt- und Kundenanalysen gestütztes Unternehmenskonzept. Zur Finanzierung dieser Aktivitäten können Unternehmensgründer auf externe Kapitalgeber zurückgreifen, wobei die Höhe des benötigten Kapitals stark vom Gründungsvorhaben abhängig ist.

Für die Ansprache dieser externen Kapitalgeber ist die Erstellung eines strukturierten und belastbaren Businessplans essentiell. Er dient nicht nur der schriftlichen Ausformulierung der Geschäftsidee und der Planung zukünftiger Aktivitäten, damit Investoren sich ein Bild des Investments machen können, sondern auch der kritischen Auseinandersetzung mit der Machbarkeit des eigenen Gründungsvorhabens.

Die Kapitalstruktur, Besonderheiten von Eigen- und Fremdkapital

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Bei der Wahl einer geeigneten Finanzierungsform sind neben der Höhe des Kapitalbedarfs auch das Geschäftsmodell und die jeweilige Gründungsphase entscheidend. Als Grundformen sind hier Eigen- und Fremdfinanzierung voneinander abzugrenzen, welche sich hinsichtlich der Zielsetzung und Risikobereitschaft der Kapitalgeber unterscheiden.

Fremdkapitalgeber stellen dem Unternehmen befristet Kapital zur Verfügung, zudem werden ihre Ansprüche gegenüber denen der Eigenkapitalgeber vorrangig bedient, wodurch sich das Risiko des Investments stark reduziert. Für die gewährten finanziellen Mittel, zumeist Darlehen, erhalten Fremdkapitalgeber eine konstante, erfolgsunabhängige Rendite in Form von Zinszahlungen. Hierdurch werden jedoch keine Anteile oder Mitspracherechte erworben beziehungsweise Haftungsverpflichtungen eingegangen.

Die nachrangige Behandlung und das damit verbundene höhere Risiko der Eigenkapitalgeber zeigt sich in einer deutlich höheren Renditeerwartung, in Form von erfolgsabhängigen Dividenden, aber auch in anderen Charakteristika dieser Finanzierungsform.

Als Residualgröße verändert sich der Wert des Eigenkapitals mit dem Wert des Unternehmens. Folglich haften Eigenkapitalgeber mindestens mit ihrer Einlage, das heißt, in Höhe des Kapitals, welches sie dem Unternehmen bereitgestellt haben. Als Ausgleich hierfür erhalten Eigenkapitalgeber Mitbestimmungsrechte entsprechend dem relativen Anteil am Unternehmen.

In Bezug auf die gesellschaftsrechtliche Ausgestaltung und die Auswahl einer geeigneten Rechtsform für das Unternehmen gilt es, insbesondere den Haftungsaspekt zu berücksichtigen, welcher an dieser Stelle jedoch nicht weiter vertieft werden soll.

Da aufgrund der Individualität eines Startups oftmals weder einer absolute Eigen- noch Fremdfinanzierung optimal erscheint, greifen Gründer häufig auf Mezzanine-Finanzierung zurück. Diese Mischform weist sowohl Eigen- als auch Fremdkapitalattribute auf, welche zwischen den Vertragsparteien individuell verhandelt werden. Grundsätzlich ist das Mezzanine-Kapital weniger risikobehaftet als die Eigenkapitalfinanzierung, was sich jedoch auch in einer geringeren Rendite widerspiegelt (siehe Abbildung).

Risiko- und Renditeerwartung von Finanzierungsformen

 

Da Startups häufig Besonderheiten aufweisen, die den Zugang zu bestimmten Finanzierungsformen erschweren, sollte die Erwägung einer Finanzierungsform auch immer vor dem Gedanken der Verfügbarkeit getroffen werden. Insbesondere das Fehlen von festen Strukturen, stark volatile Erfolgsaussichten sowie die Abhängigkeit vom Kapital Dritter sind ursächlich für die Zurückhaltung potenzieller Investoren.

Oft können diese Aspekte jedoch durch das starke Wachstumspotenzial, was in erster Linie für Eigenkapitalgeber von hoher Relevanz ist, kompensiert werden. Weitere Besonderheit gegenüber etablierten Unternehmen ist die, durch kurze Entscheidungswege mit unmittelbarer Beteiligung der Gründer, ermöglichte Dynamik von Startups. Die enge Verbindung des Erfolgs des Startups mit den Gründungsmitgliedern, als kritische Ressource, kann jedoch auch im Falle des Ausscheidens eines oder mehrerer Mitglieder den Erfolg des gesamten Investments gefährden.

Besonderheiten der Finanzierung in der Seed-Phase

Aus Sicht der Kapitalgeber ist das Investitionsvolumen in der Seed-Phase im Vergleich zu späteren Finanzierungsrunden als niedrig einzustufen. Bei positiver Entwicklung des Projektes gewinnen die in der Seed-Phase vergleichsweise günstig erworbenen Anteile der Eigenkapitalgeber am Unternehmen deutlich an Wert. Dieses Wertsteigerungspotenzial dient als Kompensation für das eingegangene Risiko.

Fremdkapitalgeber partizipieren hingegen nicht von positiven Geschäftsentwicklungen, sie reduzieren Ausfallrisiken durch eine entsprechende Besicherung der Kredite zum Beispiel durch das Privatvermögen der Unternehmensgründer. Damit stehen in der Seed-Phase klar Eigenkapitalinstrumente im Vordergrund, die jedoch von personenbezogenem Fremdkapital unterstützt werden können.

Kapitalquellen in der Seed-Phase

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Sowohl bei Einlagen von Gründungsmitgliedern, welche aus dem Privatvermögen finanziert werden, als auch bei der Inanspruchnahme von Kapital aus dem engeren Bekanntenkreis ist eine detaillierte, schriftliche Dokumentation der geleisteten Zahlungen sowie der vereinbarten Zins- und Rückzahlungsmodalitäten zwingend notwendig. Streitigkeiten zwischen Gesellschaftern, Freunden und Familie können eine Existenzgründung nachhaltig negativ beeinflussen.

Öffentliche Förderprogramme beinhalten neben zinsgünstigen Darlehen, die sich häufig durch lange Laufzeiten und eine spät einsetzende Tilgungsphase auszeichnen, öffentliche Zuschüsse, beispielsweise für die Inanspruchnahme von Gründungs- und Unternehmensberatungsleistungen.

Der High-Tech Gründerfonds (www.htgf.de) richtet sich speziell an Startups, die eine forschungsintensive Geschäftsidee verfolgen. Unterstützt werden junge Technologieunternehmen zu attraktiven Finanzierungskonditionen mit Venture Capital, einem starken Netzwerk sowie unternehmerischem Know-how.

Das Volumen des Gründerfonds I betrug 272 Millionen Euro. Im Oktober 2011 startete bereits der Gründerfonds II mit einem Volumen in Höhe von weiteren 288,5 Millionen Euro. Zu den Fondsinvestoren zählen beispielsweise die Kfw Bankengruppe, BASF, Bosch, Daimler, Evonik, Siemens und das Bundesministerium für Forschung und Technologie.

Inkubatoren stellen neben finanziellen Mitteln auch Infrastruktur zur Verfügung, welche jungen Unternehmen den Start erheblich erleichtern kann. Aufgrund der Bereitstellung teils branchenspezifischer Dienste werden Inkubatoren auch als „Brutstätten“ oder „Gründerzentren“ bezeichnet.

Business-Angels unterstützen Startups typischerweise in einer sehr frühen Phase der Existenzgründung. Business-Angels, zum Beispiel als Unternehmer oder Manager, beteiligen sich nicht nur finanziell am Unternehmen, sondern stellen auch ihre Erfahrungen sowie Kontakte zur Verfügung. Auf Grund dieser ausgeprägten Beratungskomponente wird in diesem Zusammenhang auch von „Smart-Capital“ gesprochen.

Gründer sollten also alle Möglichkeiten der Finanzierung in dieser frühen Phase genauestens unter die Lupe nehmen und gegebenenfalls auch miteinander kombinieren.

Ausblick auf den dritten Artikel der Reihe „Phasengerechte Finanzierung“

Die Startup-Phase beginnt mit der offiziellen Unternehmensgründung und umfasst die Fertigstellung eines marktreifen Produktes beziehungsweise Dienstleistungsangebotes sowie den Abschluss eines tragfähigen Geschäftskonzeptes. Angesichts des erhöhten Finanzbedarfes sind neue Kapitalquellen zu erschließen, die den Besonderheiten der Startup-Phase gerecht werden.

Titelbild: SueSchi  / pixelio.de