Handelsbeschränkungen

Iran will US-Sanktionen mit Kryptowährung umgehen

Einblick. Erneut belegen die USA den Iran mit Sanktionen. Auch Banken und Zahlungsdienstleister sind betroffen. Einen Ausweg könnte die neue Kryptowährung des Landes bieten.
19. November 2018 | Michel Penke

Keine Freunde der US-Sanktionen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und Irans Außenminister Mohammad Javad Zarif

Seit zwei Wochen sind sie in Kraft: Die Sanktionen der Vereinigten Staaten sollen nach den Vorstellungen von Donald Trump den Widerstand des Iran brechen und ihn zum Ende seines Atomprogramms zwingen. Mit wenigen Ausnahmen darf kein Unternehmen weltweit Geschäfte mit Iran machen. Auch die Banken des Landes sind tabu. Erst am 5. November kappte die internationale Bankenorganisation Swift alle Verbindungen – und damit die Möglichkeit für grenzüberschreitende Zahlungen. Doch auch am Persischen Golf macht man sich Gedanken, wie man künftig trotz Embargo wirtschaften könnte.

Denn willige Handelspartner gibt es. Die Europäische Union steht den US-Sanktionen kritisch gegenüber und hatte ursprünglich angekündigt, via Gesetz Unternehmen, die mit dem Iran handeln und von den USA abgestraft würden, Verluste zu erstatten. In Brüssel ärgert man sich darüber, dass die USA mit ihren Sanktionen und der einseitigen Kündigung des Nuklearabkommens gegen multilaterale Handelsverträge und das Völkerrecht verstoßen. Um das Abkommen zu retten, wäre es im Interesse der EU die wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran nicht abreißen zu lassen. Doch der Druck der Vereinigten Staaten scheint zu groß gewesen zu sein. Eine geplante Handelsplattform gibt es bisher nicht, obwohl die EU ihren Teil des Atomabkommens mit dem Iran ohne eine für Unternehmen verlässliche Zahlungsabwicklung kaum einhalten kann.

Staatlicher Token in der Pilotphase

Da der US-Dollar nach wie vor das Finanzsystem dominiert, sind internationale Geschäfte ohne Dollarbeteiligung schwierig, zumal wenn sie unter dem Radar der US-Behörden abgewickelt werden müssen, da Firmen sonst Strafen in den USA fürchten müssen. Eine Alternative sieht der Iran in dem Einsatz einer Kryptowährung, die beide Handelspartner ohne Dollar oder Beteiligung von US-Banken möglichst anonym für Transaktionen nutzen könnten. Am 9. November wurde bekannt, dass der Iran mit einem staatlichen Token nun eine erste Pilotphase begonnen hat. Der Token soll an die Landeswährung Rial gekoppelt werden und nicht wie in Venezuela mit Ölreserven hinterlegt sein. Ob Irans staatliche Kryptowährung es aber mit der Anonymität von Coins wie Zcash oder Monero aufnehmen kann, ist fraglich. Das wäre aber nötig, um Geschäftspartner vor US-Sanktionen zu schützen. Entwickelt wird die Technologie von der Zentralbank. Details über die Art der Blockchain und die Geldschöpfung sind nicht bekannt.

Nach der ersten Testphase soll die Kryptowährung laut lokalen Medien innerhalb Irans Bankensystem eingesetzt werden und für Transaktionen zwischen Geschäftsbanken des Landes zur Verfügung stehen. Geplant ist die Kryptowährung als eine digitale Erweiterung des Rial und nicht als eigenständige Währung. Für jeden Coin würde folglich Vermögen in Rial auf iranischen Konten geblockt. So entstünde keine neue Liquidität. Anders als in Venezuela, wo der Staat versucht hatte, über einen ICO an Kapital zu gelangen, soll der Iran-Token folglich vornehmlich für Transaktionen genutzt werde und nicht der Geldbeschaffung dienen. Langfristig soll er dazu geeignet sein, den grenzüberschreitenden Handel mit Vermögenswerten über ein Peer-to-Peer-Technologie zu erlauben. Allzu viel Kontrolle will man sich im Iran aber dabei nicht aus der Hand nehmen lassen. Der Handel mit Bitcoins und anderen dezentralisierten Währungen wurde im April dieses Jahres untersagt.

Diese Staaten überlegen, Krypto-Geld zu starten

Auch in den USA beäugt man Irans Versuche, ein alternatives Zahlungsmodell aufzubauen. So gab Fincen, die US-Behörde für Finanzkriminalität, zu Papier, man werde jeden „Missbrauch“ des internationalen Finanzwesens – einschließlich der Nutzung von Kryptowährungen – unterbinden. Vor allem beim Tausch der Iran-Coins in Fiatwährungen wie Euro und Dollar will man ansetzen.

Unabhängig davon, ob Irans Kryptowährung noch rechtzeitig zum Einsatz kommt, technisch weit genug entwickelt ist oder letztlich am Umtausch scheitert – die Situation zeigt eine ironische Umkehrung des staatlichen Umgangs mit Kryptowährungen. So galt aus staatlicher Sicht bisher die Anonymität von Kryptowährungen als schädlich für das Geldmonopol. Über Kryptowährungen könnten Kapitalmarktkontrollen umgangen werden und Geld ohne staatliche Kontrolle zirkulieren, so die Kritik. Nun befindet sich die EU aber in einer geopolitischen Situation, dass ein von den USA geprägtes und dominiertes Geldsystem den eigenen geopolitischen Interessen entgegensteht und man sich in Brüssel mehr geldpolitische Souveränität wünscht. Ein mögliches Mittel aus diesem Dilemma böten prinzipiell Kryptowährungen, die neben dem Dollar-zentrischen Finanzsystem relativ isoliert agieren. Was bisher von staatlicher Seite kritisiert wurde, könnte sich vielleicht noch nicht in dieser politischen, aber doch in einer künftigen als nützlich erweisen.

Bild: Getty / BRENDAN SMIALOWSKI
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