Setzt auf eine besondere Lernmethode für das Pferd: Apego-Mitgründer Birger Gieseke.

Von Mathe bis zur Fremdsprache: Jeder kann heute über eine App Nachhilfe nehmen. Warum dann nicht auch Reitunterricht via Smartphone? Das fragten sich Birger Gieseke, Tony Lander und Ralf Dickopf. Gemeinsam entwickelten sie eine App für die digitale Reitstunde: Apego. Aus dem Spanischen übersetzt meint das die Verbundenheit zwischen Mensch und Pferd.

Das Konzept: Über Apego können Reit-Schüler mit eigenem Pferd beispielsweise Lernkarten, Übungen und Online-Videos abrufen – rund 130 Kurzfilme seien bisher produziert, sagt Mitgründer Dickopf, der hauptberuflich eigentlich Marketingexperte ist. Insgesamt seien 8.000 geplant. In den Videos lernen die Reiter, wie sie mit ihrer Körperhaltung das Verhalten des Pferdes beeinflussen. Beispielsweise solle die leicht nach vorne gebeugte Bob-Marley-Haltung dem Tier signalisieren, dass es entspannt sein könne. Der Terminator, bei dem der Reiter angespannt ist, zeige das Gegenteil, sagt Dickopf. Dann wisse das Pferd: Es müsse aufmerksam sein.

Ganz ohne persönliche Tipps und Anleitung funktioniert das Reittraining dann aber doch nicht. Die Gründer setzen deshalb zusätzlich auf Coachings durch ausgebildete Lehrer. „Per Video- oder auch per Live-Coaching können Lehrer und Schüler künftig miteinander kommunizieren”, so Dickopf. Aber auch Trainings vor Ort seien geplant. Für die Nutzer fallen dabei Gebühren zwischen 30 und 50 Euro monatlich an, der genaue Preis stehe noch nicht fest. 

Bisher seien allerdings nicht genügend Reitlehrer für das Coaching nach Apego-Methode ausgebildet. Derzeit findet deshalb ein Lehrgang mit 30 angehenden Coaches statt, rund 200 weitere sollen folgen bis die App im Herbst online geht. Die Ausbildung hat es in sich: 35-Tage dauert der Kurs. Um die Kosten von 6.000 Euro pro Seminar zu decken, vergibt Apego eine Reihe von Stipendien.

Die Lernmethode: die Waldorfschule fürs Pferd

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Das Besondere an der Lernmethode, genannt Horsemanship: Pferd und Reiter sollen auf Augenhöhe kommunizieren – eine Art Waldorfschule unter den Reitlehren. Neben der Horsemanship-Variante gibt es im Freizeit-Sport aber auch diverse andere alternative Reitschulen. Inhaltlich entwickelt wurde das Lernprogramm von Dickopfs Mitgründern Lander und Gieseke, nach eigenen Angaben Experten auf diesem Gebiet: Der Australier Lander betreibt seit mehr als zehn Jahren ein Horsemanship-Institut, auch Gieseke unterrichtet danach.

Bislang haben die Gründer rund eine Million Euro Eigenkapital in die Entwicklung der App gesteckt, derzeit seien sie auf Investorensuche, sagt Dickopf. Von ihrem Erfolg sind die Gründer überzeugt. Schließlich sei der Markt riesig: Rund vier Millionen Reitsportler setzten in Deutschland im Jahr etwa 3,5 Milliarden Euro um, weiß Dickopf.

Der Milliardenmarkt lockt auch andere Startups. Neben Apego tummelt sich beispielsweise das hannoveranische Startup Horse Analytics auf dem Markt, das Wearables für Pferde entwickelt. Magic Tack verkauft ein magnetisches Trense für Pferde, das seine Farbe wechselt, und das per Crowdfunding finanzierte Startup Megasus aus Österreich tüftelt an einen „Turnschuh fürs Pferd” – zum Schutz der Hufe.

Bild: Apego