Das AppLift-Management-Team: Maor Sadra, Tim Koschella und Stefan Benndorf (von links). Das Startup hat eine Wachstumsrate von 518 Prozent

Man liest ja so viel über die kunterbunte Startup-Welt, in der man sich den lieben Tag lang mit Darts, Kicker und Club Mate beschäftigt hält. In Startup-Büros sieht die Realität dann aber meist eher nüchtern aus: Alle sitzen leise und konzentriert am Rechner oder telefonieren. Abgesehen von der typischen Ikea-Einrichtung also auch nicht anders als in der verpönten Old Economy. Offenbar kommt das Wachstum doch nicht ganz von allein.

Als ich die Büroräume von AppLift betrete, geht mir genau das durch den Kopf: Knallbunt ist es hier, ein selbst bemalter, kopfstehender Berlin Bär grinst mich an. Aber zwischen den Umzugskisten – das Startup richtet sich in den neuen Räumen noch ein – herrscht Büroatmosphäre, der Kicker steht verloren vorm Klo. Doch dann ein leises Brummen, das schnell lauter wird. Und tatsächlich fährt jemand im E-Kart an mir vorbei. Nun fallen mir die Nerf-Gun-Patronen auf, die überall herumliegen. Existiert es also wirklich, das kunterbunte Startup-Leben?

Die lockere Atmosphäre bei AppLift…

Zumindest habe die lockere Atmosphäre Methode bei AppLift, erklärt CEO Tim Koschella. Das Unternehmen, das Werbekampagnen für mobile Apps und Spiele durchführt, hat er zusammen mit Kaya Taner im Jahr 2012 gestartet. Sein Mitgründer widmet sich seit einigen Monaten einem anderen Projekt. Als ich Koschella frage, was AppLift anders mache als seine vielen Wettbewerber, erklärt er gleich: „Wir haben vor allem unser Team sehr gezielt aufgebaut.“ Maor Sadra, Chief Revenue Officer beim Berliner Jungunternehmen, legt nach: Jeder Bewerber müsse mindestens sieben Gespräche durchlaufen. „Im Gegenzug für das rigorose Auswahlverfahren bekommen die Mitarbeiter viel Freiheit“, sagt dann noch Stefan Benndorf, der dritte im Geschäftsführer-Bund. Auch zum E-Kart fahren.

Ergebnisse sind bei AppLift trotz lockerer Atmosphäre wichtig – und sie werden gefeiert. Benndorf zeigt stolz auf einen Gong und eine Glocke, mit denen die großen Meilensteine und die kleineren Erfolge angekündigt werden. Im neuen Büro, das verwinkelt ist und sich über drei Stockwerke erstreckt, wirkt das zwar etwas merkwürdig. Aber die Geste zählt. Sie soll einen Teil dessen widerspiegeln, was das Management-Trio als „unsere Werte“ an die Wand gehängt hat: „Leidenschaft für die eigenen Ziele“, „Stolz in Selbstverantwortung“, „Würdigung des Teams“ oder „persönliches Wachstum als Antrieb“, heißt es dort. Dass die Tafel etwas schief an der Wand hängt, lässt vermuten, dass all das vielleicht nicht zu verbissen gesehen wird.

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Das Team von AppLift ist auffällig international, schon beim kurzen Gang durch die Flure höre ich Englisch, Spanisch, Italienisch und Koreanisch heraus. „Das liegt auch daran, dass gerade Mitarbeiter aus anderen Niederlassungen in der Berliner Zentrale zu Gast sind“, sagt Koschella. AppLift hat Büros in den USA, Indien, Japan, Singapur, Korea und China. 220 Mitarbeiter arbeiten für das Jungunternehmen, 125 davon im deutschen Hauptquartier.

„Wir achten darauf, dass es einen personellen Austausch zwischen den Teams gibt“, sagt der CEO. Auch bei den beiden Zukäufen, die das Startup in diesem Jahr getätigt hat, sei es hauptsächlich um die jeweiligen Teams gegangen, betont Koschella. Die Internationalität der AppLift-Crew und der Umstand, dass viele erst für den Job an die Standorte kämen, sorge für viele Freundschaften im Team. „Das ist natürlich auch eine große Verantwortung für uns.“ Da sollen die dynamisch-junge Atmosphäre, Lounges mit den firmentypisch orangefarbenen Sitzsäcken und regelmäßige Team-Events helfen. „Und freitags“, fügt Kollege Maor Sadra noch hinzu, „liefere ich mir mit dem Team immer ein Nerf-Gun-Battle.“

Bilder: Gründerszene / Michael Berger